Pioniere in Ingolstadt
Münchner Volkstheater - Bühne 1

Pioniere in Ingolstadt

Dienstag, 02.06.2026
19:30 Uhr – 21:30 Uhr

Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1, Tumblingerstraße 29, 80337 München
Theater

Pioniere in Ingolstadt

von Marieluise Fleißer

Ingolstadt, 1926. Der Pionier ist im Land! Für einen Brückenbau entsandt, wird die Gruppe Soldaten als aufregende Abwechslung im wohlgeordneten kleinstädtischen Alltag empfangen. Die stellungslose Alma macht sich umgehend mit den fremden Pionieren und Feldwebeln bekannt. Dienstmädchen Berta will es ihr gleichtun. Ihr Auserwählter Korl, der regelmäßig von seinen militärischen Vorgesetzten schikaniert wird, warnt: Wer ihn liebt, muss leiden. Trotzdem sucht Berta bei ihm die Liebe, während der junge Fabian mit seinen Avancen ihr gegenüber scheitert. Der Rat seines Umfelds lautet: In der Liebe muss ein Mann kalt sein. Das Drucksystem, das die Männer fest im Griff hält, entlädt sich schmerzhaft in jeder ihrer Begegnungen, reißt unüberbrückbare Kluften im Miteinander.

„Pioniere in Ingolstadt“ zählt zu den bekanntesten Werken der Autorin Marieluise Fleißer. Mit pointierter Sprache zeichnet sie unvergleichlich prägnante Bilder darüber, wie gesellschaftliche Ordnungen in den intimsten und privaten Raum hineinwirken. Lucia Bihler, zuletzt mit „The Lobster“ am Münchner Volkstheater, nimmt Fleißers scharfe Beobachtungen auf und legt – hundert Jahre später – die fortwirkenden Muster von Gewalt, Männlichkeit und Misogynie frei. Aus diesem Kreislauf der Demütigungen blitzen die Träume junger Menschen in einer zunehmend militarisierten Welt hervor.

Premiere am 22. Januar 2026

Produktion

Regie: Lucia Bihler

Bühne: Jessica Rockstroh

Kostüme: Laura Kirst

Musik: Fabian Kalker

Dramaturgie: Anouk Kesou

Besetzung

Alma: Lena Brückner

Berta: Henriette Nagel

Fabian: Nils Karsten

Zeck: Lorenz Hochhuth

Unertl: Pascal Fligg

Karl: Julian Gutmann

Blasse Fresse / Mädchen Gerda: Nina Noé Stehlin

Schwacher Max: Jawad Rajpoot

Feldwebel: Jonathan Müller

Mädchen Frieda: Luise Deborah Daberkow

Trommler: Martin Bach, Stefan Conradi, Alex Domhoever, Mathias Kähni, Claudius Meyer, Lorenzo Violo

Die Besprechung unseres Kritikers Peter Eidenberger:

Es ist langweilig in Ingolstadt, die Mädels öden sich beinebaumelnd an der Rampe. Aber das wird schlagartig anders: Die Pioniere kommen! Ein schneidiger Trupp von Bausoldaten (für eine neue Brücke), und gleich hüpft und zuckt die Vorfreude durch die Mädchenkörper.

„Pioniere in Ingolstadt“ war bei der Uraufführung ein Skandal, bei der Neuaufführung Anfang der 1970er Jahre auch – nichts davon heute: Der Beifall ist lang und laut für die Wiederentdeckung dieses nicht so oft gespielten Stücks der Ingolstädterin Marieluise Fleißer (1901 – 1974), der von Bertolt Brecht beeinflussten Miterfinderin des Genres Kritisches Volksstück. Am Volkstheater konzentrieren sie zwei Fassungen (von 1928 und 1968) zu einem Text, massiv reduziert und fokussiert (Dauer: 90 Minuten), und das ist die ideale Basis für eine Regisseurin wie Lucia Bihler und ihren Stil: stilisiertes, körperbetontes Theater, mit Comic- und Stummfilm-Anleihen – womit sie hier schon erfolgreich war bei „Hedda Gabler“ und „The Lobster“.

Massiv reduziert, das gilt auch für die Bühnenoptik: Jessica Rockstrohs schräge gelbe Fläche im schwarzen Raum ist leer, keine Requisiten, immer steiler wird sie sich aufrichten, je mehr die Menschen an Halt verlieren. Laura Kirst packt das Ensemble in steiferen Filz, die Mädels in unterschiedlich farbige Kinderkleidchen, die Pioniere in gelborange Uniformen: breitschultrig, kurze Hosen, dazu Springerstiefel, auf den kurzgeschorenen Köpfen Baretts.

Streng durchkomponiert (auch musikalisch: mit Marschtrommel und Akkordeon), minimalistische Aktionen, immer zu Ende gedacht, formt Bihler die Brutalität einer kommunikationsgestörten Gesellschaft, einer repressiven Welt. Die Sprache knapp, auch hart, manchmal nur stummes Spiel, ein konstant ungutes Klima dominiert die Sequenzen, die Blacks und Lichtblitze filmisch teilen. Lena Brückner (mutig) und Henriette Nagel (schüchtern) sind die Mädchen auf der Suche nach Aufregung und Liebe, die Soldaten sind ein unangenehmer Haufen, martialisch, lässig, arrogant, der gleichwohl zusammenzuckt unter der Fuchtel des Feldwebels (Jonathan Müller). Für den Zyniker Karl (Julian Gutmann) reicht der Sex auch ohne Liebe, einer wie Fabian (Nils Karsten), dank seines autoritären Vaters (Pascal Fligg) ein Weichei, hat hier keine Chance.

Termine & Tickets*

Dienstag, 02.06.2026 19:30 Uhr – 21:30 Uhr Tickets

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Veranstaltungsort / Karte

Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1
Adresse: Tumblingerstraße 29, 80337 München

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