Ödipus
Residenztheater

Ödipus

Montag, 19.10.2026
19:30 Uhr – 21:30 Uhr

Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, 80539 München
Theater

Ödipus

von Robert Icke nach Sophokles aus dem Englischen von Christina Schlögl

Deutschsprachige Erstaufführung

Premiere 24. April 2026

Ödipus, dem Spitzenkandidaten der neuen politischen Bewegung, ist der Wahlsieg so gut wie sicher. Doch warum werden die Umstände des tödlichen Verkehrsunfalls seines Vorgängers unter Verschluss gehalten? Und was hat es mit den Fake News um seine Herkunft auf sich? Ödipus beginnt zu ermitteln – allen Warnungen zum Trotz. Der britische Regisseur und Dramatiker Robert Icke übersetzt wie schon in seiner Schnitzler-Aktualisierung «Die Ärztin» einen Klassiker des Theaters radikal in die Gegenwart. Ickes «Ödipus» blickt hinter den Mythos und ist Familientragödie und Politthriller zugleich.

«Two people can live inside an illusion. Add a third – and the curtain comes down.»

In der Wahlkampfzentrale des Spitzenkandidaten wird das Mobiliar schon abtransportiert. Noch zwei Stunden bis zur Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Ödipus, dem Spitzenkandidaten der neuen politischen Bewegung, die für Veränderung, für Hoffnung und Aufbruch steht, ist der Sieg so gut wie sicher. Für Ödipus und seine Familie sind die letzten privaten Stunden angebrochen: Bald schon ist er Staatsmann, bald ist Iokaste wieder First Lady des Landes, bald sind Antigone, Eteokles und Polyneikes Politikerkinder. Als Ödipus’ Mutter Merope unangekündigt im Kreis der Familie erscheint und auf ein Vier-Augen-Gespräch mit ihrem Sohn drängt und als ein angeblicher Seher die Schatten der Vergangenheit und Schrecken der Zukunft heraufbeschwört, beginnt Ödipus nachzubohren. Warum werden die Umstände des tödlichen Verkehrsunfalls seines Vorgängers unter Verschluss gehalten? Und warum versucht man Ödipus davon abzuhalten, seine Geburtsurkunde zu veröffentlichen, um den Fake News von seiner fragwürdigen Herkunft endlich den Wind aus den Segeln zu nehmen? Ödipus bohrt tiefer, stellt Fragen und die Zeit verrinnt, bis alles auf dem Tisch liegt – nicht nur das Wahlergebnis.

Wie schon in seiner Schnitzler-Aktualisierung «Die Ärztin» hat der britische Regisseur und Dramatiker Robert Icke einen Bühnenklassiker radikal in die Gegenwart übersetzt. Seine Neudichtung ist Politthriller und Familientragödie zugleich. Icke blickt hinter den Mythos und legt jenen existenziellen Horror frei, der das noch immer verstörend Faszinierende an Sophokles’ «Ödipus» ausmacht: dass Lebenskonstrukte und scheinbares Glück von einem Augenblick auf den nächsten zerbrechen können, fundamental bis in die Grundfesten hinein.

Besetzung:

Florian von Manteuffel, Barbara Horvath, Rita Russek

Künstlerische Leitung

Inszenierung: Robert Icke

Associate Director: Lizzie Manwaring

Bühne: Hildegard Bechtler

Kostüme: Wojciech Dziedzic

Sounddesign: Tom Gibbons

Sounddesign Associate: Erwin Sterk

Licht: Natasha Chivers

Lichtdesign Associate: Hector Murray

Video: Tal Yarden

Videodesign Associate: Taylor Edelle Stuart

Dramaturgie: Lea Maria Unterseer

Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:

Der Brite Robert Icke (Jahrgang 1986) hat sich längst international einen Namen damit gemacht, alte Stoffe ins Heute zu verlegen. Er wirdam Broadway gespielt und im Londoner Westend, am Cuvilliéstheater läuft von ihm schon die Schnitzler-Überschreibung „Die Ärztin“, und jetzt ist der Autor am Residenztheater auch sein eigener Regisseur: Ödipus (uraufgeführt 2018). Der Wahlkampf ist zu Ende, die Sache scheint klar: Ödipus, der Spitzenpolitiker (unklar, in welches Lager er gehört), wird gewinnen. Florian von Manteuffel will gleich mit gutem Beispiel voran: die Wahrheit über seine Geburt und Herkunft. In der Wahlkampfzentrale, kalter Zweckraum und Rückzugsort, wird das Ergebnis erwartet, die Uhr läuft – und sie läuft ab: Countdown in digitalen Leuchtziffern. Auf dem TV die Wahlberichterstattung eines fiktiven griechischen Senders, die Kinder sind da, Ehefrau Iokaste (Barbara Horvath), Schwager und Wahlkampfmanager Kreon (Robert Dölle). Ödipus‘ Ziehmutter Merope (Rita Russek) taucht auf, aber der siegesgewisse Kandidat hat keine Zeit für sie. Doch die Wahrheit kommt ins Rollen: die Geschichte um den Autounfall, bei dem Ödipus‘ Vater Laios umkam, dazu noch der unangenehm versiffte Teiresias (Steffen Höld) mit seiner düsteren Prophezeiung.

Icke, der Regisseur, gräbt hoch präzise und psychologisch tief in jede Ecke von Text und Subtext, und er hat ein großartiges Ensemble, das ihm konzentriert folgt. So öffnet sich nach und nach der Blick hinter die Fassaden, spannend, berührend – und man schaut gerne über manch dramaturgische Unschärfe hinweg. Je näher das Wahlergebnis kommt, die Uhr gegen Null rennt, umso größer wird die Katastrophe der Offenbarungen: Ödipus, das Findelkind; Ödipus, der Unfallverursacher; Ödipus, der mit seiner eigenenMutter verheiratet ist und mit ihr Kinder hat. Am Ende der totale Fokus auf zwei zerstörte Existenzen: Horvath und Manteuffel, grandios in ihrer Vertrautheit, ihrem Spaß, ihrer Zärtlichkeit, versinken jetzt im Schmerz der unfassbaren, unerträglichen Erkenntnis. Mit tragischem Ausgang für das Paar: er blendet sich mit dem Absatz eines High Heels, sie flieht aus dem Leben mit einem Schuss. Das Publikum steht (bei der vierten Aufführung) beim langen Applaus.

Termine & Tickets

Montag, 19.10.2026 19:30 Uhr – 21:30 Uhr Tickets
Montag, 09.11.2026 19:30 Uhr – 21:30 Uhr Tickets
Sonntag, 29.11.2026 16:00 Uhr – 18:00 Uhr – mit Kinderbetreuung Tickets

Veranstaltungsort / Karte

Residenztheater
Adresse: Max-Joseph-Platz 1, 80539 München

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