20:00 Uhr – 22:00 Uhr
Münchner Kammerspiele / Münchner Kammerspiele – Schauspielhaus, Maximilianstr. 26-28, 80539
München
Theater
Wachse oder weiche
Über die Faszination des Wachstums.
Eine Theater-, Kabarett-, Musik-Fusion mit Maximilian Schafroth
Ein Abend mit Raiffeisenbank, Riesenkürbis und Allgäublues
Maximilian Schafroth, bekannt für seinen scharfen und liebevollen Blick, versteht sich als Vermittler ländlicher und städtischer Gegensätze. Für seine erste Theaterarbeit überhaupt beschwört er die Landwirtschaft ebenso herauf wie die Lebenswelt der Landeshauptstadt. Dafür kippt er einen Acker ins Schauspielhaus, lädt zur Fusion zweier Raiffeisenbanken und züchtet einen Riesenkürbis, der die Gemüter erhitzt.
Im ländlichen Raum gilt wie in der Hauptstadt: Wer nicht mit der Zeit geht, der verschwindet. Entweder melken und abschöpfen – oder weichen. Unter diesem Druck leiden alle, doch während manche auf den Zug aufspringen, verschanzen sich andere, um sich der Verdrängung zu widersetzen. Sind die Dramen des Alltags am Ende auf dem Dorf und in der Stadt gar nicht so unterschiedlich?
Das Kammerspiele-Ensemble fusioniert an diesem Abend mit dem Team von Maximilian Schafroth und erfindet einen Musiktheaterabend zwischen rauem Allgäuer Blues und traditionellem Dreigesang aus dem altbayerischen Outback.
1924 rettete Adolf Kaufmann die Kammerspiele, indem er Karl Valentin und Liesl Karlstadt engagierte. So begründete sich eine Tradition der Verbindung von Schauspiel und politischem Kabarett, die unter anderem Gerhard Polt und die Biermösl Blosn bis heute prägen. Nun kehrt Maximilian Schafroth an die Kammerspiele zurück, wo er einst im Jugendclub seine Bühnenkarriere begann. Mittlerweile tourt er mit seinem Programm, gab von 2019 bis 2025 den Fastenprediger auf dem Nockherberg und leiht dem Pumuckl seine Stimme.
„Wenn Politik vermehrt auf Gegensätzen aufbaut, den sprichwörtlichen Keil hineintreibt, dann ist es die Aufgabe von Kunst – und zwar gemeinsam, vom Kabarett übers Theater bis zur Musik – diesen Keil mit sprudelnder Kreativität wieder herauszuziehen. Und darauf hab‘ ich große Lust.“
– Maxi Schafroth
Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:
„Ich möcht‘ nicht nochmal wo rausfliegen…“ Der erste Lacher, und jeder weiß Bescheid: Der Ex-Levitenleser vom Starkbieranstich, am Nockherberg abgesägt, will hier an den Kammerspielen noch länger auftreten, und nach diesem Abend muss sich Maxi Schafroth darum keine Sorgen machen. Jubel, Standing Ovations für einen augenzwinkernden Kabarett-Theater-Musik-Mix.
In seinem Theaterdebüt „Wachse oder weiche“ gibt Schafroth den Tausendsassa, er ist Autor (mit Martin Valdés-Stauber), Regisseur und spielt auch noch mit in diesem Culture Clash, wo Stadt und Provinz, mehr Geld und weniger Geld, Bio- und konventionelle Landwirtschaft sich behakeln. Zum Einstieg wird gleich mal die kabarettistische Marke gesetzt: die trachtenanzugdurchsetzte Fusionsversammlung zweier Regionalbanken, maximaler Wiedererkennungseffekt: wo wird unverhohlener gelogen als bei solchen Gelegenheiten?
Dann öffnet sich die Bühne, und vor gemalter Bergkulisse kollidieren die Interessen: Schafroth, im roten Overall der konventionelle Landwirt, fetzt sich mit seinem Bio-Nachbarn – was schwierig ist: denn der tiefenentspannte Kürbisbauer Reto (Stefan Merki) ist Schweizer. Der agile Agraroptimierer von der Baywa (Martin Weigel) kommt schon mal klimabewusst mit dem Radl, die adlige Landverpächterin (Traute Hoess) hat nicht nur ihren Golfschläger im Griff, sondern auch den Grundstückspreis. Ihr Neffe (Elias Krischke) hingegen sucht auf dem Land die Ruhe.
In den starken Momenten ist das bestes Typenkabarett, dazu Musik, ironisch gebrochenen Dreigesang von den Perlseern (im Wechsel mit den Reiwas): Jodeln zum „Ave Maria“, und von Markus Schalk, schon ewig Schafroths Begleiter an der Klampfe, da muss das Publikum dann schon mal aus den Sitzen: „Optimiere Dich!“ Gelacht wird viel, Schafroth, der nette Allgäuer mit dem spitzbübischen Grinsen, weiß aber auch wie’s geht: gern charmiert er unverschämt mit dem Unperfekten des Kammerspiellehrlings. Trotzdem: um die Schwächen kommt er nicht rum, der Plot franst aus, und manchen Durchhänger, im Spiel wie im Text, hätte ein bisschen Sortierhilfe von außen wohl gelindert. Ein humoriger Abend, mit ein paar schönen Seitenhieben, satirisch aber nicht mal mittelscharf.
Mit Traute Hoess, Elias Krischke, Stefan Merki, Maximilian Schafroth, Martin Weigel
Text: Maximilian Schafroth, Martín Valdés-Stauber
Live-Musik: Die Perlseer (Michaela Brückner, Christina Maier, Susanne Wiesner), Markus Schalk, Reiwas (Katrin Auer, Veronika Schoosleitner, Josef Steinbacher)
Regie & musikalische Leitung: Maximilian Schafroth
Text: Maximilian Schafroth, Martin Valdés-Stauber
Bühne & Kostüm: Ulla Willis
Musik: Maximilian Schafroth, Markus Schalk, Die Perlseer (Michaela Brückner, Christina Maier, Susanne Wiesner), Reiwas (Katrin Auer, Veronika Schoosleitner, Josef Steinbacher)
Lichtdesign: Jürgen Tulzer
Dramaturgie: Hannah Baumann, Anna Laner
Termine & Tickets
Veranstaltungsort / Karte
Münchner Kammerspiele / Münchner Kammerspiele – Schauspielhaus
Adresse: Maximilianstr. 26-28,
80539 München
