Marat/Sade
Marstall

Marat/Sade

Donnerstag, 28.05.2026
20:00 Uhr

Marstall, Marstallplatz 5, 80539 München
Theater

Marat/Sade

„Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ von Peter Weiss

Premiere 21. März 2026

In Peter Weiss’ bahnbrechendem Stück treffen zwei von der Französischen Revolution Desillusionierte und Verfechter des Exzesses aufeinander: Marat vs. Sade. Ein Streitgespräch zwischen Marat, dem Befürworter des Terrors, und dem Marquis de Sade, dem Meister der Eskapaden, über die alles entscheidende Frage, ob eine Veränderung der Verhältnisse überhaupt möglich ist. Und falls ja, um welchen Preis? Und mit welchen Mitteln? «Marat/Sade» ist ein Spektakel des Übergangs, der Zeitenwende und des Zweifelns.

«Revolution/Kopulation»

Künstlerische Leitung

Inszenierung: Claudia Bossard

Bühne: Romy Springsguth

Kostüme: Andy Besuch

Licht: Verena Mayr

Dramaturgie: Ewald Palmetshofer

Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:

Im Marstall informiert schon der Stücktitel äußerst exakt, um was es geht: „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“. Peter Weiss zeigt in seinem Erfolgsstück von 1964 ein Spiel im Spiel: Im Jahr 1808 blicken ein paar Insassen einer Irrenanstalt zurück auf die Zeit der Französischen Revolution, eine Auseinandersetzung mit und um den (historisch realen) Revolutionär Marat, der 1793 erdolcht wurde.

Die Anstalt im Marstall ist das komplette Gegenteil einer cleanen Psychiatrie-Klinik: eine ziemliche Siffbude, vollgemüllter Betonraum, ein paar Matratzen, Spinte, Sitzmöbel, eine Kochecke. Regisseurin Claudia Bossard lässt den Diskurs historisch, zieht ihre Figuren aber ins Heute. So trägt der Regisseur im Spiel einen blauen Trainingsanzug: Steven Scharf als Marquis de Sade nimmt immer wieder die Zügel in die Hand „seiner“ Inszenierung, lässt aber auch viel laufen. Marat sieht aus wie ein Intellektueller aus den 1970er Jahren: Lukas Rüppel mit Brille, Sakko, brauner Cordhose. So liegt er auch in der legendären Wanne: das muss sein, Ekzeme quälen ihn. Der Ausrufer, der kommentiert und sortiert, ist ein Punk (Nicola Mastroberardino).

Und zu sortieren gibt es einiges, denn die zwei Stunden sind eine wahre Battle an Thesen, die Historie wird zum Schlachtfeld (siehe die Bühne) um Argumente. Sie diskutieren, mal vertraut in therapeutischer Interviewsituation, dann wieder körperlich bis aggressiv: da fliegen schon mal die Dartpfeile. Es geht gegen Marat wie bei Duperret, eine schnieke Halbwelttype mit Tattoos zum Anzug: Vincent zur Linden, oder leidenschaftlich für eine neue Revolution wie bei Roux: Florian Jahr als Spät-Hippie. Und wenn’s zuviel wird, singt man sich was von den Backstreet Boys: Quit playing games with my heart, Gruppenkuscheln inklusive. Was wäre Revolution ohne Kopulation, wie es im Text heißt.

Antithesen ausprobieren und gegeneinander stellen, Zweifel erhellen: so resümiert de Sade am Ende. Dieser Abend ist ein Denkabenteuer rund um grundlegende Fragen des Menschseins, des Ichs, der Gesellschaft, anspruchsvoll, intensiv gespielt und immer von doppelbödiger Spannung: was ist Spiel, was persönlicher Konflikt der Insassen. Und dabei nicht unwitzig – die geheimnisvolle Lederlady Corday von Liliane Amuat muss kollektiv daran gehindert werden, Marat nicht zu früh zu ermorden. Das Publikum trampelt.

Termine & Tickets

Donnerstag, 28.05.2026 20:00 Uhr Tickets
Dienstag, 16.06.2026 19:00 Uhr Tickets
Samstag, 27.06.2026 20:00 Uhr Tickets

Veranstaltungsort / Karte

Marstall
Adresse: Marstallplatz 5, 80539 München

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