19:30 Uhr – 21:30 Uhr
Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, 80539
MĂŒnchen
Musicals
Cabaret
Musical von Joe Masteroff (Buch), John Kander (Musik) und Fred Ebb (Gesangstexte)
nach dem StĂŒck «Ich bin eine Kamera» von John van Druten und ErzĂ€hlungen von Christopher Isherwood
aus dem Englischen von Robert Gilbert
Premiere 12. Dezember 2025
Das legendĂ€re Musical «Cabaret» fĂŒhrt uns in die schillernde Welt des Kit-Kat-Clubs der 1930er-Jahre. Jeden Abend begeistert die enigmatische KĂŒnstlerin Sally Bowles mit ihrem berĂŒhmten Song «Life is a Cabaret» das Publikum, das Dekadenz und DiversitĂ€t feiert. Der junge Amerikaner Clifford Bradshaw verfĂ€llt diesem sinnlich aufgeladenen Kosmos. Doch gleichzeitig zieht etwas Dunkles herauf, das sich immer stĂ€rker in den Alltag der lebenslustigen LebenskĂŒnstler*innen einschleicht.
«Willkommen, bienvenue, welcome … Fremder, Ă©tranger, stranger âŠÂ» So beginnt das legendĂ€re Musical «Cabaret» â mit der lockenden Einladung des ConfĂ©renciers, die schillernde Welt des Kit-Kat-Clubs zu betreten, in dem die enigmatische KĂŒnstlerin Sally Bowles jeden Abend ihren berĂŒhmten Song «Life is a Cabaret» zum Besten gibt. Dieser Einladung folgt auch der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw. Als Fremder ist er nach Berlin gekommen, um keine Sekunde von dem zu verpassen, was in dieser pulsierenden Stadt hier vor sich geht. «Ich bin eine Kamera mit offenem Verschluss, ganz passiv, ich nehme auf, ich denke nicht.» Cliff, zunĂ€chst nur neugieriger Beobachter, verfĂ€llt zunehmend diesem sinnlich aufgeladenen Kosmos. Gleichzeitig zieht etwas Dunkles herauf â politisch und gesellschaftlich â, das sich immer stĂ€rker in den Alltag der Lebenslustigen einschleicht. Doch im Zustand des groĂen «Davor» wird gefeiert, getanzt und gesungen â ausgelassen, jubelnd und ⊠irrsinnig!

Alle Bilder: © Residenztheater
FĂŒr den britisch-amerikanischen Autor Christopher Isherwood (1904â1986), dessen zwei autobiografische Berlin-Romane als Vorlage fĂŒr «Cabaret» dienten, war sein erster Besuch in dieser Stadt eines der einschneidendsten Erlebnisse seines Lebens. Hielt er «Berlin-Babylon» zunĂ€chst noch fĂŒr einen «Reklamespruch» im Wettbewerb mit dem mythischen Paris, erlebt er in Berlin einen «gewaltigen Mummenschanz der Perversionen» und eine nie gekannte Freiheit. Als die politische Lage immer bedrohlicher wird, verlĂ€sst er schlieĂlich Deutschland Richtung Griechenland: Als Homosexueller weiĂ er, dass er in Gefahr ist.
Der international gefragte Opernregisseur Claus Guth nĂ€hert sich dem «Cabaret» â die legendĂ€re Verfilmung entstand in MĂŒnchen â aus seiner ganz eigenen Perspektive. Das detailliert-dokumentarische Zeitbild der 1930er-Jahre in Berlin wird fĂŒr ihn zu einer Forschungsreise ins Innere. Ein unsicherer junger Mann, ein Schriftsteller, der noch nicht viel erlebt hat, probiert sich in allen Facetten seiner Möglichkeiten aus und findet â in der Konfrontation mit der gröĂtmöglichen IntensitĂ€t von Wirklichkeit â zu sich selbst und seiner IdentitĂ€t.
KĂŒnstlerische Leitung
Inszenierung: Claus Guth
Musikalische Leitung: Stephen Delaney
BĂŒhne: Ătienne Pluss
KostĂŒme: Bianca Deigner
Soundkomposition: Mathis Nitschke
Licht: Gerrit Jurda
Choreografie: Sommer Ulrickson
Dramaturgie: Yvonne Gebauer, Almut Wagner
Besetzung
Emcee, Conférencier: Vincent Glander
Sally Bowles: Vassilissa Reznikoff
Clifford Bradshaw: Thomas Hauser
Clifford Bradshaw: Michael Goldberg
FrÀulein Schneider: Cathrin Störmer
Herr Schultz: Robert Dölle
Ernst Ludwig: Vincent zur Linden
FrÀulein Kost: Myriam Schröder
Kit Kat Girl: Stephanie Marin
Kit Kat Girl: Julia Taschler
Kit Kat Girl: Sophie Mefan
Kit Kat Girl: Hannah Chioma Ekezie
Kit Kat Boy: Simone Centonze
Kit Kat Boy: Edward Serban
Kit Kat Boy: Luca Skupin
Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:
Auch das Residenztheater macht etwas mit Musik. LegendĂ€re Musik, denn etliche Nummern aus dem 1966 uraufgefĂŒhrten Musical âCabaretâ sind lĂ€ngst Hits, die nicht zuletzt Liza Minnelli zu ihrer Weltkarriere verholfen haben (durch die Verfilmung des Stoffes von Bob Fosse 1972).
Am Resi inszeniert nun Opernspezialist Claus Guth, er zeigt die Geschichte um ein Glamour-Girl aus dem Berlin der frĂŒhen 1930er Jahre als Erinnerungsreigen. Ein Hotelzimmer, Clifford, ein alter amerikanischer Schriftsteller (Michael Goldberg) â der Stoff basiert auf ErzĂ€hlungen von Christopher Isherwood â erinnert sich, weil Musik im Radio lĂ€uft. Sein Alter Ego in jung kommt hinzu (Thomas Hauser), gleicher Mantel, gleicher Schal. Und schon vermischen sich die Zeitebenen.
Aus dem Hotelzimmer wird immer wieder ein Hotelflur, aus VorhĂ€ngen und TĂŒren kommt das hervor, was Clifford in den Bann zieht: der Kit Kat Klub mit seinem lasziv-knapp bekleideten Dance-Line-Up, der ConfĂ©rencier im Glitzeranzug und der Star, die SĂ€ngerin Sally Bowles. Eine schillernde Gegenwelt fĂŒr den biederen Amerikaner, aber auch zum Berlin am Ende der Weimarer Republik. Im Hotel wird getanzt und geliebt, auch schon mal zu mehreren im Bett, es wird zart geflirtet und dabei gezaubert. Bis die neue Zeit einzieht: ein eher unscheinbarer Junge mit Fahne singt naiv zart: âDer morgige Tag ist meinâ.
Der Tanz auf dem Vulkan endet: Die BĂŒhne öffnet sich bis zur Brandmauer, nur noch Hotel-Rudimente, beschĂ€digt, es wird kalt, Schnee, Nebel, Naziuniformen. Und Vincent Glander, brillant als ConfĂ©rencier und Kommentator, wird zum Horrorclown â der Albtraum hat begonnen. Das Haus tobt nach gut zweieinhalb Stunden fĂŒr einen besonderen Abend: kluges Konzept, ĂŒberzeugende Regie in den Textszenen (selten genug im Musical), starke Ensembleleistung (auch wenn manche Singstimme Grenzen kennt), tolle VarietĂ©-Choreographien, das Orchester schmal besetzt, aber fulminant (nur manchmal zu laut, Leitung: Stephen Delaney). Herausragend natĂŒrlich Vassilissa Reznikoff als Sally: angeschickerte Kindfrau, dauerrauchend, neben SĂ€ngerin auch Pole-Dancerin, mit Star-Bewusstsein, fĂŒr die dauerhafte Zweisamkeit aber nicht gemacht: Ihr âLife is a cabaretâ demonstriert sie direkt vor der ersten Reihe im Parkett und singt und windet sich Schmerz, Lust und Seele aus dem Leib.
Der Blick geht an diesem Abend aber nicht nur zurĂŒck. Wenn Cathrin Strömers FrĂ€ulein Schneider an der Rampe steht und sich rechtfertigt fĂŒr ihr MitlĂ€ufertum, keine Verlobung mit einem Juden (Robert Dölle): âWas bleibt mir denn fĂŒr eine andere Wahl?â â dann leuchtet das Saallicht auf uns alle. Dann gehtâs um die Wahl, die wir jetzt noch haben.
Termine & Tickets
Veranstaltungsort / Karte
Residenztheater
Adresse: Max-Joseph-Platz 1,
80539 MĂŒnchen
