Bergson Voices: Musik des Krieges
Bergson Kunstkraftwerk

Bergson Voices: Musik des Krieges

Sonntag, 24.01.2027
16:00 Uhr – 17:15 Uhr

Bergson Kunstkraftwerk, Am Bergson Kunstkraftwerk 2, 81245 München
Klassik

Bergson Voices: Musik des Krieges

Musik des Krieges: Strawinsky & Beethoven im Bergson

Die weltpolitische Lage beschäftigt uns tagtäglich: zahlreiche Kriege, auch mitten in Europa, diplomatische Verwerfungen, Handelskonflikte, ein zunehmendes Klima der Verrohung und Bedrohung. Die Bergson Voices reflektieren diese Atmosphäre musikalisch mit einer Reihe und präsentieren Musiken des Friedens, des Krieges, der Hoffnung und der Versöhnung.


Hauptwerk dieses zweiten Teils, Musik des Krieges, ist „Die Geschichte vom Soldaten“ von Igor Strawinsky. Er schrieb sie unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs, was man der Konzeption des Stückes anmerkt. Wenige Mitwirkende, keine Kulissen, keine Kostüme und doch Theater! Musikalisch angereichert durch Elemente des Jazz entstand sie ein grandios abwechslungsreiches Werk zwischen Ragtime, Tango, Walzer und Marsch. Im Kern der Handlung steht aber nicht der Krieg selbst, sondern die Gier und die Frage: Was macht uns glücklich? Was brauchen wir zum Glück? Der Soldat kauft vom Teufel ein Buch. Es enthält die Börsenkurse von morgen und kann ihn unermesslich reich machen. Der Preis: Seine Geige. Doch trotz des riesigen Reichtums geht dem Soldaten alles verloren – seine Verlobte, seine Heimat, seine Freundschaft. Weil mit der Geige hat er seine Identität verkauft. Sie ist nur ein Bild für seine Seele, seine Kreativität, seine Menschlichkeit.


Der Mensch und seine Freiheit waren Lebensthemen von Ludwig van Beethoven. Dies hört man auch an seiner Egmont-Ouvertüre, die den Abend eröffnet. Der Kriegsheld Egmont wird, nach Goethes Drama, hingerichtet. Bei Beethoven endet das Werk aber triumphal, quasi als Hymne an das, was ihm zeitlebens das Wichtigste war: die Freiheit.


Ganz anders verhält sich der Fall mit Rudolf Mauersberger und seiner Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“. Mauersberger schrieb die Motette unmittelbar nach der verheerenden Bombardierung Dresdens im Februar 1945. Er war Kreuzkantor der Dresdner Kreuzkirche und hatte die Zerstörung selbst erlebt. Der biblische Text stammt aus den Klageliedern Jeremias. Eigentlich beschreibt er den Untergang Jerusalems. Mauersberger machte daraus eine Trauermusik für Dresden. Erstaunlicherweise verzichtete er auf jede politische Schuldzuweisung. Das Werk bleibt ein stilles Gebet und gerade dadurch wirkt es bis heute universell.


„Geh aus, mein Herz, und suche Freude“ wirkt fast wie eine Antwort darauf. Nach Krieg und Verwüstung richtet Mauersberger den Blick wieder auf Natur, Schönheit, Hoffnung. Der Dichter Paul Gerhardt schrieb den Text nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges.


Den hoffnungsvollen Blick nach vorn richtet auch Joseph Haydn im „Agnus Dei“ seiner „Missa in tempore belli“, also übersetzt „Messe in Zeiten des Krieges“. Dieser ist auch in der Komposition präsent durch die markanten Paukenschläge, die – verlangsamt – an den damals üblichen Trommelwirbel der französischen Armee erinnern sollen. Den heute üblichen Beinamen hat die „Paukenmesse“ genau deswegen.


Bevor dieses „Agnus Dei“ mit der Friedensbitte „Dona nobis pacem“ das Konzert abschließt, begegnen wir noch dem Tod als Person. Der norwegische Komponist Knut Nystedt nimmt den Bach-Choral „Komm, süßer Tod“ und macht etwas völlig Neues daraus. Der Chor beginnt gemeinsam. Dann singen alle Stimmen immer langsamer. Jede Stimme folgt ihrem eigenen Tempo. Am Ende scheint die Musik im Raum zu schweben. Der Zauber entsteht dadurch, dass die Töne lange nachklingen und sich ständig neue Harmonien bilden, fast wie Lichtreflexe. Bachs Musik wird nicht verändert, sie wird auseinandergezogen, als würde sie die Zeit überwinden. Daher der Titel: „Immortal Bach“.


Programm

Ludwig van Beethoven: Egmont-Ouvertüre

Igor Strawinsky: „L‘ Histoire du Soldat“ (Die Geschichte vom Soldaten)

Rudolf Mauersberger: Wie liegt die Stadt so wüst. Trauermotette

Rudolf Mauersberger: Geh aus, mein Herz, und suche Freude (Auszüge)

Knut Nystedt: Immortal Bach (Reflexion über Bachs „Komm o Tod, du Schlafes Bruder“)

Joseph Haydn: Agnus Dei aus der Missa in tempore belli („Paukenmesse“)


Besetzung

Bergson Voices

Bergson Artists

Sprecher: Maximilian Maier

Musikalische Leitung: Johannes X. Schachtner

Termine & Tickets

Sonntag, 24.01.2027 16:00 Uhr – 17:15 Uhr Tickets

Veranstaltungsort / Karte

Bergson Kunstkraftwerk
Adresse: Am Bergson Kunstkraftwerk 2, 81245 München

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