Anousha Payne: Triangle reshapes the O of my mouth
Sperling

Anousha Payne: Triangle reshapes the O of my mouth

Samstag, 16.05.2026 16:00 Uhr bis Samstag, 27.06.2026 18:00 Uhr

Sperling, Enhuberstraße 6, 80333 München
Ausstellungen / Galerien

Anousha Payne: Triangle reshapes the O of my mouth

Sperling präsentiert die zweite Ausstellung von Anousha Payne in München, die in enger Zusammenarbeit mit Ushara (Sound und Eröffnungsperformance) entstanden ist. Aufbauend auf ihrer ersten Show mit Pappmaché-Abgüssen ihres eigenen Körpers und Keramik-Tierköpfen (inkl. einer Vierkanal-Soundinstallation) entwickelt Payne ihre Praxis weiter. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Skulptur, Erzählung und körperlicher Erfahrung. Sie untersuchen Übergänge zwischen Mensch und Tier, Innen und Außen, Alltag und Mythos.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Motte. Für Payne ist sie mehr als ein Symbol für Anziehung oder Fragilität. Die Motte bewegt sich zwischen verschiedenen Zuständen: zwischen Innen und Außen, privat und öffentlich, Gefangenschaft und Freiheit. Sie wird zu einer Figur des Übergangs, ein Körper, der Wände durchdringt und die Architektur des Zuhauses überschreitet. Das Haus erscheint dabei nicht nur als Ort, sondern auch als psychologischer und politischer Raum. Es steht für Ordnung, Kontrolle und für die Einschreibung von Arbeit, Erinnerung und Identität.

Diese Ökologie des Zuhauses wird durch ein dichtes Zusammenspiel von skulpturalen Elementen, Text und Klang vermittelt. Wachskreise durchziehen den Raum wie Spuren oder Abdrücke – Zeichen, die an das wiederholte Aufschlagen von Flügeln auf einer Oberfläche erinnern und Bewegung als Rückstand bewahren. Die Verwendung von Batik, dessen etymologischer Ursprung im „Schreiben mit Wachs“ liegt, verleiht der Ausstellung eine weitere Ebene mit Fragen nach Inschrift, Erbe und materieller Erinnerung. Batik, das mit häuslicher Kleidung und generationsübergreifender Intimität assoziiert wird, trägt hier auch die Last seiner kolonialen Geschichte und bettet das Werk in eine umfassendere Geschichte des Austauschs und der Vertreibung ein.

Die Erzählung folgt einer Figur, die immer stärker in ihrem Haus eingeschlossen ist. Gleichzeitig wird sie von der Motte begleitet und verändert. Diese Veränderung ist kein Verschwinden. Sie ist eine Ausdehnung des Körpers. Der Körper wird durchlässig, vervielfacht sich und reicht über sich hinaus. Die Figur der Motte/Frau erinnert an das, was Virginia Woolf in The Death of the Moth beschreibt: eine intensive, flackernde Form von Leben, die selbst im Moment des Verschwindens spürbar bleibt. Bei Payne wird diese fragile Energie zu einer Form von Widerstand. Sie zeigt sich im Bewegen, im Spuren-Hinterlassen und im Verändern von innen heraus.

Auch Silvia Federicis Caliban and the Witch ist hier wichtig. Der Text zeigt, wie weibliche Körper historisch kontrolliert und eingeschränkt wurden. Vor diesem Hintergrund erscheint Veränderung als aktiver Schritt. Nicht als Auflösung, sondern als Möglichkeit, sich zu entziehen. Die Motte wird so zu einer leisen Strategie des Entkommens. Sie lebt innerhalb von Grenzen und unterläuft sie zugleich.

Diese Ideen werden durch Usharas Soundarbeit und Live-Performance weitergeführt, die die Ausstellung als zeitliche und affektive Umgebung zum Leben erwecken. Die aus Feldaufnahmen, Orgel, Cello und Gesang bestehende Klanginstallation durchzieht das Haus als sich wandelnde Präsenz und verkörpert die psychologischen Zustände seiner Protagonistin. Am Eröffnungswochenende präsentiert Ushara eine Ein-Frau-Oper in vier Akten, die Neuinterpretationen von Johann Sebastian Bach und Hildegard von Bingen mit Eigenkompositionen verbindet. Die Performance entfaltet sich als Bewegung durch Einsamkeit, Fragmentierung und Erneuerung und spiegelt die Auseinandersetzung der Ausstellung mit Innerlichkeit und Transformation wider.

Die konkrete Poesie von Kitty Doherty, von der die Ausstellung ihren Titel entlehnt hat, wirkt sowohl neben als auch innerhalb der Werke. Sprache wird hier zu Material – fragmentiert, räumlich verortet und neu konfiguriert – und spiegelt damit das übergeordnete Interesse der Ausstellung an der performativen Kraft von Objekten und Zeichen wider. Zusammen bilden diese Elemente eine Umgebung, in der sich Erzählung, Material und Klang ständig überschneiden.

Paynes Arbeiten sind ohne moralische Dimension. Sie öffnen ein Feld von Assoziationen. Persönliche Erfahrung, Fiktion und Mythos greifen ineinander. Die Motte ist darin weder nur Symbol noch nur reales Tier. Sie ist Begleiterin, Doppelgängerin und Figur des Entkommens. Sie bewegt sich durch das Zuhause – und darüber hinaus.


Anousha Payne (geb. 1991 in Southampton, UK) hat einen BFA vom Camberwell School of Art. Zu ihren jüngsten Ausstellungen und Projekten gehören ihre Residency an der Cité des Arts, Paris (2025–26); Murmurations im Zeyrek Çinili Hamam, Istanbul (2025), kuratiert von Anlam de Coster; eine Skulpturen-Auftragsarbeit für die York Art Gallery, UK (2025); The Small Things / From the Lowest Land mit Sonja Ferlov Mancoba bei Newchild, Antwerpen (2024); A faint glow, a stone and a shark’s tooth bei Sperling, München (2024); die Gruppenausstellung Threads im Arnolfini, Bristol (2023); New Ancients bei Guts Gallery, London (2023); Einzelausstellungen in New York mit Deli Gallery (Tender Mooring, 2023) und Stellarhighway (2022, Thick mud, slowly oozing); sowie wichtige Ausstellungen in London: Tangled toes twisted ears (mit Laila Tara H) in der Public Gallery (2022); As she laughs (mit Anna Perach) bei Cooke Latham (2021); und here she dwells bei Indigo Plus Madder (2020).

Termine & Tickets

Samstag, 16.05.2026 16:00 Uhr – Samstag, 27.06.2026 18:00 Uhr

Veranstaltungsort / Karte

Sperling
Adresse: Enhuberstraße 6, 80333 München

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