19:30 Uhr
Mathilde Westend, Gollierstraße 81, 80339
München
Theater
Als hätte das was mit Liebe zu tun
Ist es ein romantisches, auf Ewigkeit angelegtes Liebesversprechen oder doch „nur“ ein lebens- und gesellschaftsprägender Vertrag? In unserer bissigen Dramödie nehmen wir die Ehe unter die Lupe: Was hat Liebe wirklich damit zu tun?
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – oder manchmal sogar sehr weit? So jedenfalls scheint es bei Suna und ihrer Mutter Hannah. Suna hat ihren eigenen Lebensentwurf gefunden, weit entfernt von dem, was Hannah sich für ihre Tochter erträumt hat. Als Suna verkündet, ihren langjährigen Freund Marius heiraten zu wollen, kommt Hanna ins Wanken und es beginnt ein scharfer aber auch komischer Wortkampf um die Wahrheit, um das letzte Wort, um ein Recht haben wollen zwischen zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch ähnlicher sind, als sie denken. Ein Gefecht um Verantwortung: gegenüber sich selbst, dem eigenen Geschlecht, der Gleichstellung und gegenüber dem Feminismus. Suna und Hannah werfen sich ihre Wahrheiten an den Kopf, stolpern über Erwartungen und ringen um Freiheit, Liebe und Sinn.
Dieses Stück stellt Fragen, statt Antworten zu liefern – und vielleicht wirft es beim Publikum die wichtigsten davon neu auf: ist unser konventionelles Denken nicht längst veraltet? Was bleibt von der Liebe, wenn die Ehe ins Wanken gerät? Und was ist Liebe überhaupt?
Regie & Stück: Theresa Hanich
Es spielen: Elisabeth Rass & Christina Matschoß
Regieassistenz: Korinna Krauss
Musik, Technik, Video: Philipp Hanich
Kostüm, Bühne: Annett Lausberg
Lektorat: Petra Bradatsch
Dauer: ca. 80 Minuten ohne Pause
Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:
„Münchens wohl kleinstes Theater“ nennt sich das Mathilde Westend, und das ist es tatsächlich: der Raum ist gerade mal 15 m² groß, nicht mal 20 Klappstühle haben hier Platz, die Bühne ist mini. Nirgends ist man als Zuschauer so nah dran an der Kunst wie hier in diesem Laden in der Gollierstraße im Westend (wo es auch Ausstellungen und andere „Kostbarkeiten“ gibt). Zum 10-jährigen Jubiläum schenkt sich die Theaterchefin Theresa Hanich selbst ein Stück, ihr erstes, verfasst in einer neuen Lebensphase (Mutter geworden), es ist – ohne männliche Zuschauer unnötig verschrecken zu wollen – ein Frauenstück geworden, Einflüsse der feministischen Texte von Emilia Roig (ihr Roman „Das Ende der Ehe“) und der Bloggerin Nicole Zacharias (@zachi_unplugged) sind nicht zu überhören. „Als hätte das was mit Liebe zu tun“ ist eine Mutter-Tochter-Battle, ausgelöst vom schönsten Tag des Lebens, Hanich beginnt ihre Inszenierung mit Bildern aus Hollywood-Filmen.
Thema Hochzeit also. Und die Folgen davon. Und schon kollidieren in der kleinen detailverliebten Küche Welten: die Mutter ist Ehekritikerin, die Tochter ist glücklich und will einfach nur heiraten. Ein Clash zwischen Ideologie und Gefühl: im Wissenschaftsjargon doziert sich die Mutter (Professorin, Politologin, Typus Alt-68erin) quer durch die Evolution der Paarbeziehung. Man denkt öfters an eine Hyäne kurz vor dem Sprung: so verbeißt sich Elisabeth Rass mit Furor in das Bild einer starken, autarken Frau. Und doch blitzt durch, welche Kraft es diese Mutter kostet, so zu sein, wie sie meint sein zu müssen. „Ich hatte gehofft, dass du schlauer bist und diesen Ehequatsch nicht mitmachst“, schmeißt sie der Tochter an den Kopf. Doch Christina Matschoß hält deutlich dagegen. Sie ist eine andere Generation, ihre Power basiert auf herzlicher Wärme und dem Recht auf Träumen wie auf eigene Fehler.
Versteckte Vorwürfe, gesellschaftliche Normen, alte Geschichten, Schuldgefühle – die 80 Minuten sind ein innerfamiliäres Ringen mit viel Wiedererkennungswert, bissig bis gefühlig, und ein bisschen vorhersehbar: bei Wein und Schnaps glätten sich die Wogen. Heftiger Beifall (auch von den vier Männern im Publikum).
Termine & Tickets
Veranstaltungsort / Karte
Mathilde Westend
Adresse: Gollierstraße 81,
80339 München
