Bayerische Mundart trifft Hochdeutsch: Lef Dutti und Urkwell machen es vor, wie HipHop mit Haltung wirklich geht.
Die Dichtis und das IN haben eine eigene Geschichte: 2018 sind sie neben Jesper Munk, Stephan Zinner, Angela Aux u.v.a. auf unserem 35. Geburtstagsfest im unvergesslichen The Lovelace aufgetreten, was zu einigen Turbulenzen führte, aufgrund des massiven Andrangs. Aber nicht nur deswegen haben Fabian Frischmann und Michael Huber alias Lef Dutti und Urkwell alias dicht & ergreifend bei uns auf ewig einen riesengroßen Stein im Brett. Auch ihr diesjähriger Wiesnbesuch, inklusive jenem „sozialen Experiment“, nämlich als Punks verkleidet im Bierzelt betteln und das für den neuen Videoclip zu „Identität“ mit zu filmen – ohne Genehmigung versteht sich – zeugt von ihrer subversiven und mutigen Schaffenskraft, die wir stets sehr zu schätzen wissen. Auch beim Kulturpreis Bayern 2023 zeigten die beiden bereits deutlich, dass sie mit vorgefertigten Rollenbildern wenig anfangen können: Die Auszeichnung samt Preisgeld lehnten sie aus Gründen ab – spendeten jedoch den Betrag aus eigener Tasche an ein Hilfsprojekt in Burkina Faso, für das sie während der Gala Geld sammeln wollten und nicht durften.
Aber zurück zur Musik: Ihr Debüt „Dampf der Giganten“ schoss 2015 gleich mal völlig überraschend auf Platz 4 der deutschen HipHop-Charts. Nicht schlecht für eine Band, ohne Majorcompany, Mega-Budget und ausgeklügeltem Marketingplan. Es folgten „Ghetto mi nix o“ und „Es werde Dicht“, Milliarden von Streams und schließlich das zehnjährige Jubiläum, standesgemäß gefeiert auf einer spektakulären Rundbühne mitten in der ausverkauften Münchner Olympiahalle, zudem mit prominenten Gratulanten wie Gerhard Polt und Kofelgschroa, sollten folgen…
Nun aber steht mit „Zweiländerdreieck“ bereits das vierte Studioalbum an. Und siehe da: Die beiden Rapper machen nun den nächsten Schritt und lassen dabei HipHop auf Disco und funky Beats auch mal auf eine Rockgitarre clashen, während Swag’n’Soul auf Tuba, Afro, Salsa und freilich auch weiterhin herrlich ehrliche, blitzgescheite und höchst aktuelle Texte treffen. Dass diese 2026 zum ersten Mal auch auf hochdeutsch vorgetragen werden, tut deren gesellschaftlicher und politischer Brisanz keinen Abbruch. Eher im Gegenteil! Nachzuhören all das am 27. + 28.11.2026 bei den beiden Release-Shows im Kesselhaus. Zugabe dann am 2.7.2027 auf’m Tollwood.
Q & A
1. Was inspiriert euch?
Das Anhören und Anschauen von Menschen in Alltagssituationen. Das Hören von sehr diverser und genreübergreifender Musik. Das Schauen von künstlerisch großen Musikvideos. Das Lesen von Büchern. Humor in diversen Ausführungen und Intensionen.
2. Euer absoluter Geheimtipp für München?
Die Gruam. Aber das ist wahrscheinlich längst kein Geheimtipp mehr.
3. Wo seht ihr euch in zehn Jahren?
Am Musikmachen in welcher Form auch immer.
4. Was ge-/missfällt euch in/an München?
Die Isar im Sommer ist einzigartig und gefällt. Dass es in ganz München quasi nur einen ernstzunehmenden Späti gibt missfällt sehr.
5. Welchen (Münchner) Prominenten würdet du ihr gerne zum Kaffee/Bier treffen?
Bereits verstorben: Karl Valentin, Gustl Bayerhammer & Helmut Fischer. Noch unter uns weilend: Shindy 😉
6. München ist für uns wie …
…ein Dorf außerhalb unserer Dörfer, in dem wir gerne zu Besuch sind.