19:30 Uhr – 21:30 Uhr
Residenz München / Cuvilliés-Theater, Residenzstraße 1, 80333
München
Theater
Bernarda Albas Haus
von Federico García Lorca
aus dem Spanischen von Hans Magnus Enzensberger
Premiere 26. März 2026
Für ihre erste Inszenierung am Residenztheater hat die Regisseurin Rieke Süßkow, die mit ihren ästhetisch durchkomponierten Arbeiten bekannt wurde, das letzte Drama des großen spanischen Dichters Federico García Lorca gewählt. Seine Protagonistin Bernarda Alba ist eine Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes acht Jahre Trauer ausruft, aus ihrem Haus eine Art Gefängnis für ihre fünf erwachsenen Töchter macht und damit das patriarchale System der spanischen Provinz unhinterfragt übernimmt.
Nach dem Tod ihres Mannes ruft Bernarda Alba acht Jahre Trauer aus und sperrt ihre fünf Töchter zu Hause ein. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt ist untersagt. Sie regiert mit den Mitteln von Überwachung, Denunziation und Gewalt. Doch die jüngste Tochter wagt den Aufstand gegen das Regime der Mutter, die das patriarchale System der spanischen Provinz unhinterfragt übernimmt.
Immer wieder hat der spanische Dichter Federico García Lorca Frauenschicksale in den Mittelpunkt gestellt. Kurz vor seiner Ermordung durch aufständische, faschistische Militärs im Jahr 1936 vollendete er mit «Bernarda Albas Haus» sein vielleicht konsequentestes Stück. Es ist als eine Anklage gegen die überkommenen, von der katholischen Kirche propagierten frauenfeindlichen Moralvorstellungen und als Forderung nach radikalem gesellschaftlichem Wandel zu lesen. Aber es bietet sich noch eine weitaus komplexere Deutung an, da Lorca die raffinierten Mechanismen der Unterdrückung zwischen den Frauen, die sich gegen sie selbst und ihre Freiheit richtet, schonungslos offenlegt. Lorca fand das Vorbild für «Bernarda Albas Haus» im realen Leben, stand doch ein Haus, in dem die Frauen einer Familie quasi gefangen gehalten wurden, in unmittelbarer Nachbarschaft seines Elternhauses.
Die Regisseurin Rieke Süßkow wurde mit ihren ästhetisch durchkomponierten Arbeiten bereits zweimal zum Berliner Theatertreffen eingeladen und inszeniert jetzt erstmals am Residenztheater.
Künstlerische Leitung
Inszenierung: Rieke Süßkow
Bühne: Marlene Lockemann
Kostüme: Sabrina Bosshard
Musik: Kostia Rapoport
Licht: Markus Schadel
Dramaturgie: Almut Wagner
Die Besprechung unseres Experten Peter Eidenberger:
Zwei große Fensterklappen öffnen sich, der Blick ist frei auf ein kalte weiße Wand. Ein Gockel tapert durchs Bild, dann kommen die jungen Frauen. In schrägen Haltungen auf weiße Podeste drapiert, alle gleich gekleidet, schwarz-weiß, sie tragen Mantillas, andalusische Trauerschleier, ihre Fächer klappen in scharfem Takt, Lederriemen pressen die Oberarme an den Körper. So fahren die Fünf auf einem unsichtbaren Laufband von rechts nach links durch die Guckkasten-Szene, regungslos, doch jede in eigener Haltung: letzte Reste von Individualität. Freiheit sieht anders aus.
Acht Jahre sperrt eine Witwe nach dem Tod ihres Mannes ihre Töchter ein, in „Bernarda Albas Haus“. Federico García Lorcas legendäres Frauendrama (von 1936) ist am Cuvilliéstheater verlegt in eine starre Welt, regiert von der Mutter (Katja Jung) mit ihrem Gehstock, einer strengen Patriarchin, fast zynisch, wenn sie aasig lächelt. Zu tun gibt es hier wenig, die Hausarbeit übernehmen die Mägde. Ein Chor begleitet, in den Kapuzengewändern von Büßern, mit gregorianischem Gesang und bitterem Witz: „Der Hahn ist tot“. Den Stücktext massivst reduziert, liegt in der nach 80 Minuten umjubelten Inszenierung von Rieke Süßkow der Fokus ganz auf den Bildern. Und die stilisieren zutiefst beeindruckend – man denkt an Robert Wilsons künstliche Formfindungen, an F. W. Murnaus „Nosferatu“ mit seinen gespenstischen Schattenwürfen – einen Frauenkosmos, der sich eigentlich befreien könnte von patriarchalen Strukturen, aber ganz im Gegenteil noch übersteigert die Unterdrückung immer weiter zelebriert. Wenn die jüngste Tochter Adela (Felicia Chin-Malenski) tatsächlich abheben will, mit Engelsflügeln, zu dem einzigen Fenster weit oben, durch das aus der Ferne das reale Leben hereinklingt in diese klinische Enklave, dann wird sie von den Schwestern gleich wieder eingefangen. Die einzige freie Frau ist die Oma (Barbara Melzl): frei in ihrem Hippie-Wahnsinn.
Termine & Tickets
Veranstaltungsort / Karte
Residenz München / Cuvilliés-Theater
Adresse: Residenzstraße 1,
80333 München
