Queer, bayerisch, gut

fesch: Queeres Wirtshaus mit Stehausschank im Glockenbachviertel

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Rainer Germann 27. September 2023 Gastro-Artikel

Das Wirtshaus fesch in der Müllerstraße ist ein Treffpunkt (nicht nur) für die queere Community mit gelungener bayerischer Küche.

Auf die Schnelle:

Küche Bayerisch · Wirtshaus · Queer-Gastro
Öffnungszeiten Di–Do 17–24 Uhr, Fr 16–1 Uhr, Sa 12–1 Uhr, So 12–23 Uhr, Mo geschlossen
Adresse Müllerstraße 30, 80469 München-Glockenbachviertel
Telefon 089 2300 2992
Website wirtshaus-fesch.de
Preisniveau €€
Preiszusatz Hauptgerichte 17–36,90 €; Donnerstag alle Schnitzel 16 € (Winterkarte ab 14.10.2026)
Reservierung Telefonisch unter 089 2300 2992 (keine Online-Reservierung auf der Website gefunden)

Das Haus

Hier sind einfach alle willkommen

Hier sind einfach alle willkommen und allein der Gang auf die Toilette beweist es: M/W/D steht an den Türen. Das fesch hat sich wie der Vorgänger Moro aber nicht nur bei der LGBTQIA+-Gemeinde als Wirtshaus etabliert, auch die heterosexuelle Nachbarschaft schätzt hier den sympathischen Service, das gute Augustiner Bier und die bayerische Küche von Johann Eder, der bereits mit seinem Wirtshaus Eder im Westend für Tradition ohne Chichi steht.

Eröffnet haben Peter Fleming, Peter Süß (beide früher Harry Klein), Marlene Neumann (Video-Künstlerin) und Johann Eder die Augustiner Gaststätte nach aufwendiger Renovierung Anfang 2023. Im Grunde ist außer einem modernen, in Senfgelb und Grün gehaltenen Farbdesign und den auffälligen Artefakten, unter anderem von Karl-GoP (Godfather of Plastic), gar nicht so richtig viel verändert worden – Außenbereich, Gastraum, Nebenzimmer, Holztische und die lange Bar sind geblieben.

Der Stehausschank

Ein Ratsch und ein schnelles Bier

Im hinteren Teil ist ein Stehausschank dazugekommen. Bei Selbstbedienung kostet das Helle hier 3,90 Euro statt im Restaurant 4,30 Euro, jeden Freitag gibt es die Holzfass-Halbe für sensationelle 3 Euro (Preise bei unseren Besuchen 2023). Der Stehausschank wird gerne von der Nachbarschaft auf einen Ratsch und ein schnelles Bier zum Feierabend (ertappt!) sowie von Restaurantgästen als Treffpunkt und Warten auf einen Tisch frequentiert – vor lallenden Boazn-Bremsen wird man hier zum Glück verschont.

Man hätte die bunte Gästeschar aus dem Moro immer schon gut gefunden und auch ins fesch mitnehmen wollen, sagte Peter Fleming schon vor Monaten – das ist mit dem Zusatz von etwas frischem Blut auch durchaus gelungen.

Die Küche

Alpenländische Küche mit Münchner Einschlag

Die zum Glück überschaubare, aber durchaus ausreichend bestückte Karte (dazu kamen bei unseren Besuchen ein paar Tagesgerichte und neuerdings von Dienstag bis Donnerstag ein Mittagstisch) bietet alpenländische Küche mit Münchner Einschlag.

Vorspeisen und Schweinsbraten

Rinderkraftbrühe mit Leberspätzle oder Pfannkuchen-Streifen (6,50/5,90 Euro), Obatzda & Kräuterfrischkäse mit roten Zwiebeln, Essiggurken und Krustenbrot (9,90 Euro), ein klassischer bayerischer Wurstsalat (10,90 Euro) – alle Vorspeisen wurden übers Jahr mehrmals probiert, mitschnabuliert und durchwegs für gut befunden, das Krustenbrot schmeckt sogar solo zum Bier.

Als Hauptgericht kann der ofenfrische Schweinsbraten vom bayerischen Strohschwein mit einer schmackhaften und nicht künstlich verdickten Biersoße gut punkten, das Fleisch butterzart, der Semmelknödel von guter Konsistenz und Qualität, auch der Krautsalat sehr ordentlich (17,90 Euro).

Schnitzel und Ribeye

Das Münchner Schnitzel, ebenfalls vom bayerischen Strohschwein (zur Aufklärung: ig-bayerisches-strohschwein.de), mit lauwarmem Kartoffel-Endiviensalat und Preiselbeeren (18,90 Euro), konnte locker mit jeder „Wiener Art“ und gar manchem Wiener Schnitzel mithalten – die Panade würzig durch die Senf- und Meerrettich-Grundierung, der Kartoffel-Endiviensalat vielleicht mit ein bisschen zu viel Essig statt Brühe, ansonsten fast schon Kindheitserinnerung.

Das Ribeye-Steak (ca. 300 g) mit Kartoffel-Gemüse-Pfanne und Beilagensalat (31,90 Euro) war medium gebraten, hatte Biss, war aber nicht zäh, dazu eine große Portion mediterranes Gemüse mit kleinen Kartoffeln in der Schale und einen ebenso üppigen Salat. Hier wäre vielleicht etwas weniger mehr gewesen – zumindest, kleine Anregung, wenn die Küche etwas Chimichurri, Chutney oder wenigstens eine hausgemachte Kräuterbutter dazu reichen würde.

Vegetarisch, vegan und in großer Runde

Bei einer Abschiedsfeierlichkeit für unseren ehemaligen Geschäftsführer (Danke für alles, Stefan!) wurde die Lokalität quasi gleich noch in großer Runde einem Test unterzogen und auch die veganen und vegetarischen Gerichte probiert: der große bunte Salat mit abgebräunten Rote-Bete-Maultaschen, gerösteten Nüssen und Himbeer-Senf-Dressing (15,90 Euro) changierte in der Wahrnehmung der Kolleginnen und Kollegen von interessant bis eher fad; die hausgemachten Tomatenspätzle mit Pilzen, Gemüse, veganem Käse, frischen Kräutern und Beilagensalat (17,90 Euro) kamen dagegen gut an.

Vom Schweinsbraten waren alle begeistert, vom Schnitzel auch. Das Kalbsrahmgulasch mit Semmelknödel (21,90 Euro) schmeckte wirklich fein wie angekündigt, irritierte aber ein bisschen durch eine intensive orangerote Farbe, die man eher einem Vindaloo-Curry zuordnen würde, der Knödel dazu vielleicht etwas rustikal, hat aber ebenfalls gut geschmeckt. Nachspeisen wurden leider keine probiert, es war schließlich ein Partyfass auszutrinken (20 Liter, 170 Euro auf Vorbestellung), der Schnaps ging aufs Haus.

Was kostet es?

Preise im fesch

Rainers Preise stammen von seinem Besuch im September 2023. Auf der Winterkarte 2026/27 (gültig ab 14. Oktober 2026) kosten die Hauptgerichte zwischen 17 Euro (Bayrisch Gröstl) und 36,90 Euro (Zwiebelrostbraten): Schweinebraten vom bayerischen Strohschwein 21,90 Euro, Münchner Schnitzel 19,90 Euro, Spinat-Käsespätzle 19,90 Euro. Jeden Donnerstag gibt es alle Schnitzel zu 16 Euro. Alle Hauptgerichte außer Feuerflammlachs, Ofenkartoffel und Zwiebelrostbraten gibt es auf Wunsch auch als kleine Portion (20 Prozent weniger). Aktuelle Preise stehen auf der Website des Hauses. Die Halbe Helles kostet im Lokal und am Stehausschank 4,50 Euro, freitags gibt es Helles vom Holzfass für 3,50 Euro (Stand Oktober 2026).

Update Oktober 2026: Das fesch an der Müllerstraße hat weiter geöffnet und kocht laut Website weiter überwiegend bayerisch, mit regionalen Produkten. Außerdem hat das fesch ein zweites Wirtshaus am Kirchsteig in Dießen am Ammersee mit eigenem Biergarten eröffnet. Der Mittagstisch von Dienstag bis Donnerstag steht nicht mehr auf der Website: Die Küche ist heute Dienstag bis Freitag von 17.30 bis 22 Uhr, am Wochenende ab 12 Uhr geöffnet.

Fazit: Solche Wirtshäuser sollte es mehr geben – Queer & Bier GmbH ist der Name der Firma und Programm: Hier wird Offenheit gelebt und wirklich gut gespeist und getrunken. Der junge Service höchst aufmerksam und sympathisch, auch wenn es ein bisschen stressig werden kann bei Vollbetrieb. Vielleicht ein bisschen Finesse-Feintuning in der Küche hier und da, die bayerischen Klassiker rechtfertigen aber bereits jeden weiteren Besuch!

Rainer Germann schreibt seit vielen Jahren die Gastrokritiken für IN München.

Auf einen Blick

fesch Öffnungszeiten, Adresse und Kontakt

AdresseMüllerstraße 30, 80469 München
Das Wirtshaus liegt im Glockenbachviertel.
ÖffnungszeitenMontag: Ruhetag
Dienstag bis Donnerstag: 17.00–24.00 Uhr
Freitag: 16.00–1.00 Uhr
Samstag: 12.00–1.00 Uhr
Sonntag: 12.00–23.00 Uhr
Warme Küche: Dienstag bis Freitag 17.30–22.00 Uhr, Samstag 12.00–22.00 Uhr, Sonntag 12.00–21.00 Uhr
ReservierenTelefonisch unter 089 2300 2992