Die Münchner Indie-Rocker klingen eher nach NYC als Viktualienmarkt
Als Indie-Rocker mit Münchner Wurzeln haben sich Versacer seit ihrer Gründung 2020 mittlerweile ihren festen Platz in der deutschen Pop-Szene erarbeitet. Julian, Marlene, Lasse und Jeremias klingen dabei aber sehr viel mehr nach New York und Manchester als nach Isar oder Viktualienmarkt. Ihre Songs erzählen vom Druck des Alltags, diffusen Selbstbildnissen und dem etwas ambivalenten Lebensgefühl irgendwo zwischen Gen Z und Millennials.
Jetzt folgt im September das selbstbetitelte, lange erwartete zweite Album des Quartetts. Darauf treffen verträumt-verspielte Synthies und eingängige Hooks auf zackig-wavige Rock-Gitarren und straighte Backbeats. Das klingt gelegentlich verdächtig nach den 90ern, ist beileibe aber keineswegs retroverliebt oder gar nostalgisch. Vielmehr entsteht daraus ein erstaunlich zeitgemäßer Sound, der Fans von Maximo Park genauso zusagen müsste wie jenen der Shout Out Louds oder der unvergessenen Frightened Rabbit.
Textlich zwischen deutsch und englisch switchend, reißt einen „Goldrush“ gleich mal so richtig mit, während man sich „Hinterm Eis“ eher um halb drei Uhr morgens auf die Kopfhörer gibt, um beim Späti noch Kippen und einen Absacker zu holen. Wunderschön auch das schlitzohrige, gemächlich daher groovende „I Want You Back Sometimes“. Das fiebrige Wave-Pop-Schmankerl „Can’t Get Enough (Of You)“ elektrisiert einen dabei ebenso wie jene nostalgische Ballade mit dem Titel „Atomic Café“, als Reminiszenz an eben jenes. Eine Plattentaufe – obwohl eigentlich müsste es eher Streaming-Taufe heißen, denn dort erscheint das Album am 26.9. exklusiv, weil für physische Tonträger bedauerlicher Weise schlicht das Geld fehlt – ist in Planung und zwar im Rahmen der novemberlichen „Fancy Footwork“-Party, vermutlich in der Milla. Das wird schön!
Q&A:
1. Was inspiriert euch?
Eigentlich alles! Julian hat neulich alle genervt, dass die Brancusi-Austellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin voll gut ist. Wir gehen auch eh viel auf Konzerte oder lesen mal ein gutes Buch… Haha!
2. Euer absoluter Geheimtipp für München?
Wenn wir das jetzt sagen, ists ja nicht mehr geheim!
3. Wo seht ihr euch in zehn Jahren?
Hoffentlich weiterhin an neuer Musik zu arbeiten.
4. Was ge-/missfällt euch in/an München?
Wir glauben es gibt sehr viel, das wir in München lieben zu tun oder wir anderswo nicht finden. ABER: Wir vermissen das Atomic Cafe. Wir haben auf dem neuen Album sogar einen Song danach benannt.
5. Welchen (Münchner) Prominenten würdet ihr gerne zum Kaffee/Bier treffen?
Ein Bier mit Karl Valentin und Willy Michl wär uns recht.
6. München ist für uns wie …
…die nördlichste Stadt Italiens und die beste Urlaubsstadt, wenn man keinen Urlaub hat.
