Die Filmemacherin MIMI KEZELE stellt auf dem Filmfest München ihre coole Party-Serie „München Beats“ vor
Frau Kezele, Ihre Serie heißt „München Beats“ – was macht für Sie eigentlich den „Beat“ dieser Stadt aus?
Den Beat Münchens macht damals wie auch heute die Vielseitigkeit, das Bunte aus. In München hat jeder Stadtteil seinen eigenen Beat und alle zusammen- mit den Dörfern und der ganzen Umgebung- machen den gemeinsam Herzschlag Münchens aus.
Es geht ja zurück in die 90er. Wie viel von Ihrer eigenen Geschichte steckt in dieser Serie?
Vieles! Angefangen damit, dass ich selbst einige Jahre Akkordeon gespielt habe – und diese Tatsache nicht unbedingt mit meinen Freunden teilen wollte (zu wenig „modern“) – bis hin zum gleichen Alter der Hauptfiguren und den Nächten am Flughafen Riem, weil die Cousine bei der Techno Party im Ultraschall gerade jemanden kennengelernt hat und ich bis zum Morgengrauen im Auto auf sie wartend eingeschlafen bin.
München wird filmisch oft eher geschniegelt und geschniegelt gezeigt. Wie wichtig war es Ihnen, auch die wilde, rohe und kreative Seite der Stadt einzufangen?
Sehr wichtig, denn München hat viele Gesichter. Diese Stadt kann edel und fein sein, aber auch poetisch oder auch roh. Ich selbst bin in der Gaststätte meiner Eltern in Sendling aufgewachsen. Der Telefonhörer lag neben mir im Bett, die Einschlafmusik waren die Gespräche in der Gaststätte unten. Da hatten meine Eltern den Telefonhörer an den Tresen gelegt, damit wir Kinder uns sicher fühlen. Das ist Kreativität und rohe Poesie in einem. Ich denke, dass uns in „München Beats“ genau diese wunderbare Vielseitigkeit unserer Stadt ziemlich gut gelungen ist.
Der Kunstpark Ost war für viele Menschen mehr als nur ein Party-Ort. Was machte diesen Kosmos damals so besonders?
Der Kunstpark Ost war damals die größte Partymeile Europas – eine Stadt in der Stadt und die Welt im Kleinen. Er brachte die verschiedensten Menschen zusammen: Jeder Club eine andere Welt, andere Musik. Verglichen mit Heute, würde man ins Work Wide Web gehen – also in sein Handy.
Die Serie erzählt von Aufbruch, Freiheit und Subkultur – aber auch von wirtschaftlicher Unsicherheit. Wie politisch ist „München Beats“ letztlich geworden?
Aufbruch ist immer auch politisch. Während die einen versuchen, an der Vergangenheit festzuhalten, spüren die anderen, dass die Zeit gekommen ist weiterzuziehen, etwas Neues auszuprobieren.
Techno war in den 90ern oft ein Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft. Hat diese Haltung heute noch eine Relevanz?
Techno ist etwas Kollektives. Er funktioniert nur im Miteinander, nicht im Einzelnen und auch nicht als Wettbewerb. Ich denke, diese Haltung hat heute mehr Relevanz als je zuvor.
Wie schwierig war es, das München der 90er Jahre wieder auferstehen zu lassen – gerade in einer Stadt, die sich so stark verändert hat?
Gar nicht so schwer. München hat viele tolle Straßen und Gegenden, die unverändert geblieben sind. Den Kunstpark Ost haben wir in Wolfratshausen „gefunden“. Dass einzige, was auch für mich ein wenig überraschend war, ist dass die Autos von damals mittlerweile alles Oldtimer sind.
Welche Rolle spielt die Musik in der Serie? Ist sie eher Soundtrack oder fast schon eine eigene Figur?
Die Musik verbindet alle Menschen, Geschichten und Entscheidungen in der Serie. Sie ist das Herz von „München Beats“.
Tobias Moretti spielt einen Unternehmer zwischen Tradition und Wandel. Wie sehr geht es Ihnen darum, dass die Serie nicht nur Nostalgie produziert, sondern auch gesellschaftliche Brüche zeigt?
Mir war wichtig, dass nicht nur die Generation von damals sich an die Zeit von damals erinnert, sondern auch deren Kinder die damalige Zeit besser verstehen.
Sie arbeiten hier mit einem großen Ensemble und vielen unterschiedlichen Generationen. Was war für Sie als Regisseurin die größte Schwierigkeit?
Die größte Herausforderung war sicherlich, die damalige Zeit treugenau zu zeigen und sie trotzdem für alle verständlich zu machen. Und manchmal auch nicht laut zu lachen, denn beim Dreh hatten wir jede Menge Spaß.
„München Beats“ feiert Premiere auf dem Filmfest München. Was bedeutet es Ihnen, dieses sehr Münchner Projekt ausgerechnet dort erstmals zu zeigen?
„München Beats“ konnte und kann nur beim Filmfest München seine Premiere haben! Diese Serie kommt aus München und gehört hierher. Nicht zu vergessen: Wir haben auch Christian Ude dabei, der den Bürgermeister von damals spielt (also sich selbst), wie auch DJ Hell.
Wenn junge Zuschauerinnen und Zuschauer die Serie sehen: Was sollen sie über das damalige München lernen oder vielleicht sogar vermissen?
Die Welt ohne Tiktok und Instagram war definitiv nicht langweilig. Wir haben vielleicht weniger geschaut, aber viel Spaß gehabt – und vor allem gelebt!
Brückenbauerin: MIMI KEZELE, Tochter einer Serbin und eines Kroaten, heute HFF-Dozentin und Co-Leiterin der Drehbuchwerkstatt München, wuchs im München der 90er Jahre auf – und natürlich beim Feiern im Kunstpark Ost. Genau diese wilde Zeit erweckt sie in ihrer Miniserie „München Beats“ neu zum Leben. Die Produktion mit einem großartigen Cast rund um Jule Hermann, Klaus Steinbacher, Tobias Moretti und Marlene Morreis feiert ihre Premiere auf dem Filmfest München, das am 26. Juni beginnt. www.filmfestmuenchen.de
