Trotz allem: Besinnlichkeit! – Teil 2

Für ein Besinnen und gegen die Gleichgültigkeit

Vor einem Jahr hab ich an genau dieser Stelle unter der Überschrift „Trotz allem: Besinnlichkeit!“ dazu aufgerufen, die globalen Krisen zum Anlass zu nehmen, sich auf das zu konzentrieren -oder eben zu besinnen-, was man im Leben hat. Auch wenn die Welt da draußen immer düsterer werde, gäbe es für in München lebende im direkten Umfeld doch sicher genügend, was trotz Krieg, Rechtsruck und Klimakatastrophe als Grund zur Freude dienen könne. Und auch wenn ich es durchaus richtig und nicht egoistisch finde, dass man aktuell ein wenig auf sich selbst achtet, um nicht unter die Räder zu geraten, habe ich im letzten Jahr an mir und meinem Umfeld etwas festgestellt, das mir wiederum doch bedenklich erscheint: Gleichgültigkeit.

„A Mensch möcht i bleibn“

Diese ist dabei nicht böswillig und selbstsüchtig aus Ignoranz geboren, sondern oftmals eher aus einem News-Overload, den man nicht mehr verarbeiten kann und der die graue Masse in eine Art Schockstarre versetzt. Gerade, seit der amtierende US-Präsident wieder seinen Wahnsinn verbreitet, beginnt für viele der Tag mit unfassbar absurden und zugleich erschreckenden Meldungen aus Übersee (nicht am Chiemsee). Dann macht man mental zu und nimmt z.B. eine ebenso unsägliche Stadtbild-Debatte nicht mehr richtig wahr. Am Smartphone scrollen wir die betreffende Kachel weiter, schauen kurz das nächste lustige Katzenvideo, danach sehen wir für drei Sekunden aktuelle, erschreckende Femizid-Statistiken, dann ein KI-Video, dann ein Muffinrezept – alles scheint auf dem Bildschirm gleich gültig und wichtig. Es liegt an uns dem Content Prioritäten beizumessen, aber wir sind nahezu hilflose Gefangene der Algorithmen und infolgedessen oft erstaunlich gefühllos und inhuman in unserem Medienkonsum. Dabei ist doch „A Mensch möcht i bleibn“ und nicht „I drah zua“ mein Lieblingslied von Wolfgang Ambros.

Ein besinnliches Fest

Daher sei an dieser Stelle die Besinnlichkeit von einer weiteren Perspektive beleuchtet: Als Machete, die uns den Weg durch den digitalen Dschungel, vorbei an all dem unsäglichen KI-Mist und Eitelkeits-Content hin zu wirklich wichtigen Dingen und Meldungen bahnt. Auf dass wir diesen wieder mit den ihnen zustehenden Emotionen und Reaktionen entgegentreten können und dem Borderline-Roboterdasein entfliehen. Soll die KI ihre hohlen Videos selber schauen, wir widmen uns derweil dem wirklich schönen, dem wirklich traurigen, dem wirklich alarmierenden, dem wirklich lustigen… eben all dem was der Widmung wert ist. So viel Pathos sei mir zu Weihnachten an dieser Stelle gegönnt. In diesem Sinne: Ein besinnliches Fest, meine Lieben!