Im Rahmen der feierlichen Eröffnungssitzung des neuen Stadtrats im Festsaal des Alten Rathauses hat Oberbürgermeister Dominik Krause 35 neugewählte Stadtratsmitglieder vereidigt und seine Eröffnungsansprache gehalten.
Zuvor überreichte ihm Altoberbürgermeister Dieter Reiter die OB-Amtskette. Laut Rathaus-Umschau hatte die Eröffnungsansprache von Dominik Krause folgenden Wortlaut:
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, die letzten Wochen und Monate waren bei uns allen geprägt von vielen aufregenden Momenten, von Stunden an Wahlkampfständen, von emotionalen Aufs und Abs und zu wenig Schlaf. Heute ist der Moment, um einmal kurz innezuhalten. Und festzustellen, dass all das sich ausgezahlt hat und Sie und Ihr – dass wir alle das große Privileg haben, in den nächsten sechs Jahren Politik für unsere wunderbare Stadt machen zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch zur Neu- und auch zur Wiederwahl liebe Kolleginnen und Kollegen!
Dominik Krause zeichnete in seiner Antrittsrede das Bild einer Stadt im Spannungsfeld zwischen Wachstum, Modernisierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Eingangs dankte er den Familien, Partnerinnen und Partnern sowie Wahlfamilien der Stadträtinnen und Stadträte, die das zeitintensive kommunalpolitische Engagement überhaupt erst ermöglichten. Zugleich machte er deutlich, dass die Herausforderungen der kommenden Jahre kaum weniger werden dürften.
Des Weiteren erinnerte Krause daran, dass München bereits vor Jahrzehnten mit ähnlichen Problemen konfrontiert gewesen sei. Er verwies auf Hans-Jochen Vogel, der schon 1960 Bevölkerungswachstum, Wohnraummangel und Infrastrukturdefizite als zentrale Aufgaben benannt habe. Krause hob hervor, dass es damals gelungen sei, München zu modernisieren, ohne den Charakter der Stadt preiszugeben. U-Bahn, Fußgängerzone und Olympiapark seien bis heute sichtbare Zeugnisse dieses Aufbruchs.
Krause kritisierte darüber hinaus eine gesellschaftliche Haltung, die sich zu sehr auf die Bewahrung des Status quo konzentriere.
Heute haben wir es uns in Deutschland vielleicht ein wenig zu sehr in der Gegenwart gemütlich gemacht. Man hat manchmal das Gefühl, unser Land leidet an Veränderungsunwilligkeit, weil sich Politik und Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten stillschweigend auf das Bewahren des Status Quo geeignet haben.
Die Kommunalwahl wertete er als Wunsch vieler Münchnerinnen und Münchner nach mehr Offenheit, Zukunftsoptimismus und Veränderungsbereitschaft. In diesem Zusammenhang würdigte er ausdrücklich die konstruktive Atmosphäre der Koalitions- und Sondierungsgespräche mit den demokratischen Parteien. Dabei ist eine sogenannte „Mango“-Koalition aus Grünen/Rosa Liste, SPD und FDP/Freien Wähler herausgekommen. Neu ist, dass auch die Oppositionspartei CSU eine Referat erhalten soll. Als Zweite Bürgermeisterin wurde Mona Fuchs (grüne) gewählt, den Posten der Dritten Bürgermeisterin behält Verena Dietl von der SPD.
Als größte Aufgaben der kommenden Jahre benannte Krause die Sicherung des städtischen Haushalts sowie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Dabei machte er darauf aufmerksam, dass die Wohnungsfrage längst zur entscheidenden sozialen und wirtschaftlichen Zukunftsfrage geworden sei. München müsse auch künftig eine Stadt bleiben, in der Menschen aus systemrelevanten Berufen leben könnten. Zugleich kündigte er eine Wohnungsbaukonferenz mit allen relevanten Akteuren an.
Niemand von uns kann versprechen, die Wohnungskrise von heute auf morgen zu lösen. Aber wir alle – und das sage ich ganz bewusst, denn das ist kein Auftrag an einen Oberbürgermeister oder eine Partei, sondern an alle Demokratinnen und Demokraten – wir alle sind gefragt, mit Hochdruck daran zu arbeiten.
Mit Blick auf die prekäre Haushaltslage sprach Krause von einer veritablen Krise. Er forderte drastische Einsparungen, eine Konzentration auf kommunale Kernaufgaben sowie mehr Effizienz durch Digitalisierung. Gleichzeitig betonte er, dass soziale Leistungen, Bildung, Kultur und Infrastrukturinvestitionen nicht vernachlässigt werden dürften. Besonders hob er die Bedeutung von Schulen, Kitas sowie der Energiewende durch Geothermie und Photovoltaik hervor.
Zudem wandte sich Krause gegen Forderungen, Münchens Wachstum zu begrenzen. Wirtschaftliche Stärke und prosperierende Unternehmen seien Voraussetzung für soziale Stabilität und Investitionen. Die Stadtverwaltung solle sich künftig stärker als moderne Dienstleisterin verstehen; Bürokratieabbau und schnellere Verfahren seien dafür essenziell.
Ich will deswegen gemeinsam mit der Münchner Wirtschaft und dem Referat für Arbeit und Wirtschaft, dem IT-Referat und dem Kreisverwaltungsreferat schnellstmöglich einen Aktionsplan für Bürokratieabbau ins Leben rufen.
Als Symbol eines neuen Aufbruchs bezeichnete Krause schließlich die mögliche Olympiabewerbung Münchens. Olympia könne dringend benötigte Infrastrukturprojekte beschleunigen und eine ähnliche Dynamik entfalten wie die Spiele von 1972. Abschließend warb er für Pragmatismus, Kompromissbereitschaft und eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und jede Form von Ausgrenzung. München solle eine weltoffene, soziale und zukunftsgewandte „Weltstadt mit Herz“ bleiben.
Quelle: Rathaus-Umschau 88/2026
