„Ich sauge alles auf wie ein Schwamm. Ob ein Theaterstück in den Kammerspielen oder ein dummes AI-TikTok-Video, alles hat das Zeug zur Inspiration.“
Fatoni kennt das Gefühl nur zu gut, wenn man sich im freien Fall befindet und buchstäblich aus allen Wolken fällt. Man hofft, man bangt doch am Ende ist nur eines ganz gewiss: „Drama endet nie“. Was für ein Titel für ein Album, welches überwiegend von großen Pläne, kleinen Sicherheiten und halbwegs stabilen Verhältnissen handelt. Der Münchner Rapper erzählt vom Aufprall in der Realität und dem Versuch, dabei nicht komplett den Humor zu verlieren. Und natürlich gelingt ihm genau das mit jener Mischung aus Lakonie, Selbstironie und messerscharfer Beobachtungsgabe, die ihn seit Jahren zu einer der spannendsten Stimmen im deutschsprachigen Rap macht.
Zwischen Trennungen, verlorener Hoffnung und der allgemeinen Unerträglichkeit der Gegenwart (und des Seins) kreist Anton Schneider aka Fatoni um die großen und kleinen Themen des Alltags. Dabei geht es um Neuanfänge („Alles neu“), Kapitalismuskritik („Geld ist geil“), Rollerfahren („Vespa“), seine Jugend („Schwabinger Laterne“), KI („Wann werd ich endlich ausgetauscht“), Rechtsruck („Nachos“) und die Erkenntnis, dass selbst im völligen Chaos immer noch Platz für ein kleines bisschen Schönheit („Moment“), die Freundschaft („Wenn wir uns wiedersehen“) und die Liebe („Vergissmeinnicht“) bleibt. Musikalisch führt „Drama endet nie“, das Anfang Juli erscheint, die musikalische Entwicklung der letzten Jahre konsequent fort. Produzenten wie Dexter, Greedo, Torky Tork, Dienst & Schulter oder Lambert verankern die Songs zwar klar im Rap, öffnen den Sound aber immer wieder auch Richtung Indie und Pop, all das aber stets mit minimalistischer Understatement-Intimität. Mal tragen fette Beats die Pointen, mal reichen plötzlich nur Piano (in bester Danger Dan-Manier) und Gitarre, damit Fatonis Texte ihre volle Wirkung entfalten.
Auch die illustre Gästeliste liest sich dabei äußerst hörenswert: Mine, Maeckes, Dissy und Lakmann sind ebenso am Start wie Ami Warning & Keno – und während Fatoni nebenbei noch als Hauptfigur der sehenswerten Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ glänzt, bleibt er musikalisch vor allem eines: ein Chronist der Gegenwart, der den Wahnsinn unserer Zeit nicht erklärt, sondern durchlebt und gleichzeitig hörbar macht. Am Ende jedoch hat all das etwas überraschend Tröstliches: die leise Erkenntnis nämlich, dass Unsicherheit vielleicht das Einzige ist, worauf man sich in Zeiten wie diesen wirklich verlassen kann. (23.9. Record Release Show in der Muffathalle)
Q & A
1. Was inspiriert dich?
Ich sauge alles auf wie ein Schwamm. Ob ein Theaterstück in den Kammerspielen oder ein dummes AI TikTok Video, alles hat das Zeug zur Inspiration. Gute Ideen kommen mir oft, wenn ich reise.
2. Dein absoluter Geheimtipp für München?
Die alte S-Bahn-Station von den Olympischen Spielen 1972. Da hingen wir als Jugendliche ab, das ist nach wie vor ein sehr guter Ort!
3. Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Als Münchener Tatort-Kommissar.
4. Was ge-/missfällt dir in/an München?
Es sind dieselben Eigenschaften, die mir ge- bzw. missfallen. Es ist schön ruhig und gemütlich, sauber und überschaulich.
5. Welchen (Münchner) Prominenten würde(s)t du gerne zum Kaffee/Bier treffen?
Freddie Mercury
6. München ist für mich wie …
Ich tu mich etwas schwer mit Begriffen wie „Heimat“, aber auch wenn ich seit fast 10 Jahren in Berlin lebe, habe ich immer noch ein Gefühl von „Zuhause“, wenn ich in München bin. Mit anderen Worten „Du kriegst mich aus München, aber München nicht aus mir“.
