Unsere zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs über Stil, Vorurteile und die Zukunft der Einkaufsstadt München:
Mona Fuchs über Modelust und männliche Kommentare
Frau Fuchs, welche Rolle spielt Mode in Ihrem Leben?
Für mich tatsächlich eine große, eigentlich schon seit meiner Kindheit. Für mich war es immer auch eine Möglichkeit, sich kreativ und kulturell auszudrücken, das eigene Selbst als eine Art Leinwand zu begreifen.
Wo gehen Sie selbst gerne shoppen?
Meinen Kleiderschrank zuhause nennen wir mit einem Augenzwinkern „Fundus“. Er ist sehr divers und vieles davon ist Vintage. Ich bin außerdem ein großer Flohmarkt-Fan. Tatsächlich shoppe ich zeitbedingt leider auch online – auch da am liebsten Vintage. Ansonsten liebe ich kleine, lokale, junge Labels und Fair Fashion Labels.
Frauen in öffentlichen Positionen erleben oft, dass ihr Äußeres stärker kommentiert wird als das ihrer männlichen Kollegen. Haben Sie solche Erfahrungen selbst gemacht?
Selbstverständlich. Warum sollte ich da eine Ausnahme sein? Früher habe ich darauf reagiert, indem ich mich schon oft auch so gekleidet habe, dass ich keine Angriffsfläche biete und nicht so, wie es mir entspricht. Heute ist das anders. Vielleicht ist es das Privileg, bald 40 zu werden. Da steht man über manchem drüber. (lacht)
Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, dass Interesse an Mode oder ein bewusst gewählter Look als Widerspruch zu Kompetenz oder Ernsthaftigkeit wahrgenommen wurde?
Regelmäßig.

Glauben Sie, dass wir gesellschaftlich noch immer dazu neigen, Frauen in Schubladen zu stecken, etwa nach dem Motto, wer sich für Mode oder Aussehen interessiert, beschäftigt sich weniger wichtigen Themen?
Definitiv. Und ich möchte allen zurufen, die ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden, Kreativität und auch etwas Hedonismus in sich haben: seid nicht weniger ihr selbst aus der Angst heraus, intellektuell abgewertet zu werden. Lebt euren Tiefgang, eure Kompetenz und die eigene Ernsthaftigkeit ebenso wie Mode und Spaß mit Inbrunst aus.
München gilt nach wie vor als attraktive Einkaufsstadt. Gleichzeitig verschwinden immer wieder vor allem kleine unabhängige Geschäfte.
Das hängt natürlich zum einen mit der Fast-Fashion-Industrie und auch einem großen Preisdruck zusammen. Zum anderen mit dem Online-Handel. Ich beobachte das mit großer Sorge, weil neben dem wirtschaftlichen und sozialen Aspekt, der damit offensichtlich einhergeht, ja auch eine absolute Monotonie einkehrt. Also wollen wir denn am Ende alle gleich aussehen, weil wir bei den gleichen drei großen Läden einkaufen? Das würde ich als einen sehr großen Verlust empfinden. Deswegen ist es wichtig, individuell zu kaufen, wenn man die Möglichkeit dazu hat, gerade auch bei Münchner Labels. Perfektion tötet Individualität, das darf nicht passieren.
Die Zukunft von Münchens Innenstadt
Viele inhabergeführte Läden kämpfen mit steigenden Mieten und wirtschaftlichem Druck. Welche Möglichkeiten sehen Sie seitens der Stadtpolitik, um diese Vielfalt zu erhalten?
Uns ist daran gelegen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Mieten in München bezahlbar zu halten und kleine inhabergeführte Geschäfte zu unterstützen. Zum Beispiel über das Referat für Arbeit und Wirtschaft im Rahmen der Wirtschaftsförderung. Damit auch Menschen mit großartigen Ideen aber nicht so viel Budget ihre Produkte in München anbieten können. Und wir haben schon einige Projekte im Modebereich auf die Beine gestellt, wie den Fair-Fashion-Preis oder den Phönix-Preis, wo mutige Unternehmer*innen mit Migrationsgeschichte hervorgehoben werden. Auch „Kreativ München“ ist erwähnenswert, wo wir vergünstigte Räume unter anderem für Pop-Up-Läden vermitteln und noch unbekannteren Designerinnen und Designern eine Bühne geben.
Was muss passieren, damit die Innenstadt auch in vielen Jahren noch lebendig ist?
Zum einen müssen wir immer auf Vielfalt achten. Ein gutes Beispiel ist der Viktualienmarkt, wo in der Theorie ja umsatzstärkere, gastronomische Angebote kleinere Gemüsehändler verdrängen könnten. Aber: genau deshalb gibt es dort extra ein System, damit das nicht passieren kann. In den städtischen Bestandsimmobilien ist ein unfassbar toller, vielfältiger Nutzungsmix, den wir erhalten müssen. Und: Wir müssen die Aufenthaltsqualität steigern. Das machen wir, indem wir die Stadt zum einen sauber, schön und attraktiv halten. Und zum anderen, indem wir für mehr Schatten und Trinkbrunnen sorgen – gerade an Hitzetagen. Die Erreichbarkeit ist selbstverständlich auch wichtig. Und die Leute müssen verstehen, dass sie alle ein kleiner Teil einer attraktiven Innenstadt sind: Und zwar, indem sie hingehen!
Ihr München in drei Worten?
Was die Mode betrifft, ist mein München: lässig, aber schick.
Und ganz allgemein ist München: Bunt, entspannt, Zuhause.

