Englischer Garten

Englischer Garten

Mehr Park geht nicht!

Der Englische Garten ist gigantisch, größer als der Central Park in New York. Er erstreckt sich vom Altstadtring am Haus der Kunst und küsst weit oben im Münchner Nordosten die Isar. Fast 80 Kilometer Wege sind auf dem Gesamtareal angelegt und werden fleißig von Flaneuren, Eseln aus Draht und Pferden aus Fleisch und Blut genutzt. Insgesamt geht’s hier auffällig sportlich zu: Die Surf-Fans stürzen sich am Eisbach in die Fluten, Fuß- und Volleybälle fliegen neben Frisbees durch die Lüfte und so manche Slackline kratzt an der Baumrinde.

1789 ist nicht nur das Jahr der Französischen Revolution, sondern auch das Entstehungsjahr des Englischen Gartens, der zu den größten Parkanlagen der Welt zählt. Der Name kommt von den damals typischen englischen Landschaftsgärten, die sich der Gartengestalter Friedrich Ludwig von Sckell zum Vorbild genommen hatte. Am 1. April 1792 wurde der Park für die damals rund 40.000 Münchner Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Er durfte also von jedermann betreten werden, was zu dieser Zeit noch nicht unbedingt üblich war. Um 1800 wurde der von vielen Bächen durchzogene Englische Garten im Norden noch um die Gebiete der Hirschau erweitert und erreichte damit praktisch die heutigen Dimensionen. Zu den bekanntesten Bauten im Park zählen der auf einem Hügel stehende, tempelartige Monopteros, der Chinesische Turm am gleichnamigen Biergarten, das Japanische Teehaus und das Rumfordschlössl. Mehrere Kioske und Biergärten sorgen dafür, dass auch kulinarisch nur wenige Wünsche offen bleiben. 

Fakten

  • Entstehung: zwischen 1789 und 1792 (Südteil), 1800 (Nordteil plus die ehemaligen Militärgärten)
  • Initiator: Kurfürst Karl Theodor
  • Gestalter: Friedrich Ludwig von Sckell, Benjamin Thompson und Reichsgraf von Rumford
  • Grundfläche: 375 Hektar, davon entfallen 130 Hektar auf den Südteil und 245 Hektar auf den Nordteil
  • Länge des Wegenetzes: 78 Kilometer, davon 12 Kilometer Reitwege
  • Besucherinnen und Besucher: jährlich rund 5 Millionen

Wissenswertes zum Englischen Garten

  • Weltberühmt sind ja inzwischen die Eisbachsurfer neben dem Haus der Kunst. Da kann es noch so düster und kalt sein, irgendein Neoprenanzug tänzelt fast immer auf der künstlich frisierten Welle. Falls es euch spontan juckt, könnt ihr mal vorsichtig anklopfen. Manchmal verleihen die Surferboys und -girls auch ihr Brett für einen Proberitt. 
  • Ein Chinesischer Turm im Englischen Garten klingt ja erstmal etwas komisch, ist aber letztlich ein Symbol für Weltläufigkeit. Das Vorbild war die doppelt so hohe „Große Pagode“ im königlichen Schlossgarten Kew Gardens in London (da schließt sich der Kreis), die sich wiederum an einer Pagode in den kaiserlichen Gärten im Xiangshan-Park in Peking orientierte. 25 Meter hoch ist das Münchner Exemplar, brannte mehrfach ab, wurde aber stets originalgetreu wieder aufgebaut, zuletzt 1952. Direkt daneben befindet sich der zweitgrößte Biergarten der Stadt mit 7.000 Plätzen, der regelmäßig mit Blasmusik vom Turm beschallt wird. 
  • Ach, wenn das frühe Aufstehen bloß nicht wäre! Aber zahlreiche Münchnerinnen und Münchner nehmen das in Kauf und strömen an einem Sonntag im Juli frühmorgens auf den Kocherlball am Chinesischen Turm. Der knüpft an alte Gewohnheiten an: Im 19. Jahrhundert trafen sich an jedem Sonntagmorgen im Sommer in aller Frühe bei schönem Wetter Hunderte Münchner Hausangestellte – z.B. Küchenpersonal (daher auch der Name) und Diener – zum Tanzen am Chinesischen Turm. Sie konnten sich nur ganz früh am Morgen treffen, da sie danach wieder arbeiten mussten. 
  • Ein cooler Insta-Spot ist der Monopteros, der einen schönen Blick auf die Innenstadt bietet. Der tempelartige Rundbau steht seit 1836 auf einem Hügel, 200 Meter vom Chinesischen Turm entfernt, und ist ein beliebter Ort für Verliebte, Hobbymusiker und genussfreudige Menschen, die sich gern mit Bier oder anderen Dingen zudröhnen.
  • Wer gern Tee auf die meditative Art zu sich nimmt, sollte mal an der japanischen Teezeremonie im Teehaus an der Südspitze des Englischen Gartens teilnehmen. Die Vorführungen finden von April bis Oktober jeweils an einem Wochenende (Samstag und Sonntag nachmittags) statt. Die Japaner mischen also ebenfalls mit im Englischen Garten. Das Teehaus wurde anlässlich von Olympia 1972 in München und der seitdem bestehenden Städtepartnerschaft mit dem Winterspiele-Austragungsort Sapporo errichtet. Alljährlich am dritten Juli-Sonntag findet im Park außerdem das “Japanfest“ statt. 
  • Noch ein Sommer-Tipp: Im Amphitheater im Nordteil führen Laienschauspieler an den Wochenenden regelmäßig Theaterstücke unter freiem Himmel auf. Dazu einfach Picknickdecke und Korb mit Essen und Trinken einpacken und dem Kulturvergnügen steht nichts mehr im Wege.

Infos & Karte

  • Adresse: Prinzregentenstr. 1, 80538 München (Südende Englischer Garten)
  • Nächste Haltestelle: Bus/Tram Nationalmuseum/Haus der Kunst (Südende) (Fahrplanauskunft)
  • Nächste Parkmöglichkeit: Parkplätze am Haus der Kunst, am Biergarten am Chinesischen Turm (Tivolistraße) oder auch am Seehaus (Kleinhesselohe 3)
  • Führungen: Mehrere Anbieter haben natürlich auch den Englischen Garten im Programm. Wer das weitläufige Areal auf eigene Faust erkunden möchte, kann sich ein E-Bike bei Mucbike ausleihen.