Vier Jahrzehnte Rainbirds – am 15. Mai spielt die Band in den Kammerspielen. Im Gespräch blickt Sängerin Katharina Franck zurück. Interview: Reinhard Franke.
Frau Franck, im Dezember standen nach 36 Jahren wieder die Rainbirds im Düsseldorfer Zakk auf der Bühne. Gab es einen Moment, der sich größer anfühlte als ein Comeback?
Ich war einfach froh, dass an einem Montag so viele Leute da waren und vom ersten Ton an begeistert. Für mich ging es nie um ein Comeback. Ich wollte diese Geschichte würdevoll feiern – mit möglichst vielen Beteiligten. Was das für jeden Einzelnen bedeutet, bleibt teilweise geheim. Das Publikum spürt es auf eigene Weise.
Und ein Comeback mit allen ursprünglichen Mitgliedern?
Vor drei Jahren hätte ich das wohl abgelehnt. Ich mache seit über 40 Jahren Musik, aber Support und Interesse aus der Branche sind über die Jahre immer weniger geworden. Heute geht es mir vor allem um unser Publikum, das sich das sehr wünscht.
Hätten Sie es vor drei Jahren für möglich gehalten, dass ein Comeback mit Rodrigo Gonzales, Beckmann und Wolfgang Glum wirklich stattfindet?
Nein. Ich hätte es damals wohl auch noch abgelehnt. Das ist ja keine schlichte Geschichte (mit Augenzwinkern). Letztendlich mache ich seit über 40 Jahren nichts anderes. Heute geht es mir vor allem um die Menschen, die diese Musik begleiten und tragen.
Wie war es, nach Jahrzehnten wieder mit den Dreien zu proben?
Spannend und intensiv. Wolfgang spielt zurückhaltend und fein, Gaga hat einen freien, rockigen Ansatz. Rodrigo spielt nach Finger-Memory, wie er sagt – und es klingt wie damals. Werner und ich spielen so gut zusammen, als hätten wir uns nicht erst vor zwei Jahren kennengelernt. Ulrike ist hochkonzentriert und prägt durch ihre Beschränkung auf Flügel und Orgel unseren Sound stark. Die Chemie ist da – es ist schön und aufregend zugleich.
Wie fühlen sich die Reunion und das Live-Spielen an?
Da ist ein Staunen. Wir waren schon damals eine erstaunlich gute Live-Band. Beckmann hat alte Tonbänder aus den späten Achtzigern digitalisieren lassen, darunter „Sea Of Time“ von 1989. Das hat mich sehr geflasht. Live-Spielen war immer meine Priorität – die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen. Das ist bis heute mein Antrieb.
Wie haben sich die ursprünglichen Mitglieder eingebracht?
Beckmann ist die treibende Kraft. Wolfgang war anfangs skeptisch, hat dann Feuer gefangen. Rodrigo konzentriert sich auf die frühen Alben. Unterstützt werden wir von Werner Neumann und Dominique „Gaga“ Ehlert. Allen ist es ein tiefes Bedürfnis, noch einmal zusammenzukommen.
Wie gehen Sie mit der psychologischen Dimension um?
Wir achten auf unser Seelenheil. Je klarer die Absprachen, desto leichter wird es. Der Auftritt im Zakk war dafür sehr wichtig.
Da wurde das zweite Album komplett gespielt. Was macht die Songs heute noch relevant?
Sie sind musikalisch abenteuerlich und thematisch ihrer Zeit voraus: Queerness, Selbstermächtigung, Body Positivity. Live ist es reduzierter, aber mit derselben Energie und Liebe. Besonders wichtig sind mir „Sea Of Time“, „No Greater Love“ und „The Bird Up There“. Späteres Repertoire bekommt mit Ulrike an den Keyboards eine neue Tiefe.
Wie sehen Sie „Blueprint“ heute?
Als sehr persönlichen Song. Er trägt meine Lebensgeschichte in sich – körperlich und emotional.
Welche Rolle spielt Freude an der Musik?
Absolut zentral. Ich mache nichts mehr, was mir keine Freude bringt.
Gibt es Pläne über das Jubiläum hinaus?
Nicht konkret. Wir gehen mit dem Flow.
Was würden Sie der jungen Katharina von 1986 sagen?
Das hast du gut gemacht. Und lass dich nicht klein reden.

