Klassik im Januar: Beschwingt ins Neue Jahr

Klassik im Januar: Beschwingt ins Neue Jahr

2026 erwartet das Münchner Publikum ein abwechslungsreiches Programm von Beethoven bis Hollywood-Sound

Münchner Symphoniker: Beethoven 9

Was wäre ein Jahreswechsel ohne Ludwig van Beethoven? Oder besser gesagt, ohne die Götterfunken seiner Neunten. Die Symphonie mit dem berühmten Chorfinale ist bei zahlreichen Orchestern fixer Bestandteil des Silvesterabends. So etwa auch bei den Münchner Philharmonikern. Wer für den 31. Dezember schon andere Pläne haben sollte, muss aber deshalb keineswegs auf diesen Klassiker verzichten. Denn die Kolleginnen und Kollegen von den Münchner Symphonikern haben bereits beim ersten Konzert für 2026 ebenfalls die „Ode an die Freude“ auf den Spielplan gesetzt, um damit voller Optimismus ins neue Jahr zu starten. Verstärkt durch den Münchner Konzertchor. Am Pult steht dabei Chefdirigent Joseph Bastian, das Solo-Quartett ist mit Lydia Teuscher, Anke Vondung, Sung Min Song sowie ARD-Preisträger Milan Siljanov besetzt. (1.1. Isarphilharmonie)


Münchner Symphoniker: Neujahrskonzert

Wer den Jahresauftakt lieber im Dreivierteltakt feiert, ist bei den Symphonikern aber ebenso bestens ausgehoben. Denn schon am Tag danach erwartet das Publikum ein klingendes Bouquet mit Meisterwerken der Leichten Muse. Angeführt natürlich von der berühmten Wiener Strauß-Dynastie. Weil Ohrwürmer wie der „Donauwalzer“ oder der „Radetzky-Marsch“ bei solchen Anlässen einfach Pflicht sind. Gleichzeitig wirft man aber auch einen Blick in unsere Nachbarländer. So etwa nach Dänemark, das von Friedrich Kuhlau mit der „Elverhøj“-Ouvertüre repräsentiert ist, oder nach Tschechien, wo man den „Winterstürme“-Walzer von Julius Fučik entdeckte. Das Musik aber eigentlich keine Grenzen kennt beweisen auf dem Programmzettel unter anderem noch der Italiener Vittorio Monti mit einem Czardas oder der Edward Elgar mit den „Three Bavarian Dances“, zu denen der Engländer bei einem Urlaub im Allgäu inspiriert wurde. Die musikalische Leitung übernimmt Operetten-Spezialist Andreas Kowalewitz, bei dem dieser Streifzug durch Europa in den besten Händen liegen dürfte. (2./3.1. Prinzregententheater)

Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz: Neujahrs-Tänze

Elgars „Bayerische Tänze“ stehen kurz danach auch an Kowalewitz‘ ehemaliger Wirkungsstätte am Gärtnerplatz auf dem Plan. Ebenso wie die Walzermelodien des Hausgottes Johann Strauß, Sohn. Neben den üblichen Verdächtigen hat Dirigent Michael Balke hier aber unter anderem auch noch die Ouvertüre zur „Fledermaus“ sowie den „Frühlingsstimmen“-Walzer ausgewählt. Weshalb man hier auch Jennifer O’Loughlin, der amtierenden Belcanto-Königin des Staatstheaters begegnet, die wieder einmal die Koloraturen nur so perlen lassen wird. Und am Ende schlägt man hier auch noch die Brücke zu Richard Strauss, der mit seinen Wiener Kollegen zwar weder verschwägert noch verwandt war, aber für seinen „Rosenkavalier“ dennoch einen nicht minder sinnlichen Walzer komponierte, der sonst eher dem Repertoire der Staatsoper vorbehalten ist. (6.1. Staatstheater am Gärtnerplatz)


3. Akademiekonzert: Vladimir Jurowski

Ein anderer Strauss-Klassiker steht passenderweise dann gleich beim nächsten Akademiekonzert im Nationaltheater auf dem Programm. Die große Tondichtung „Also sprach Zarathustra“, deren berühmte Fanfare man schon beim Lesen des Titels unmittelbar im Ohr haben dürfte. Ähnlich philosophisch aufgeladen ist aber auch Sergej Rachmaninows „Toteninsel“, die den Abend eröffnet. Ein in düsteren Klangfarben malendes Stück, mit dem der Komponist einen posthumen Soundtrack zum berühmten gleichnamigen Gemälde von Arnold Böcklin schuf. Zwischen diesen beiden soghaften Werken begegnet man als Kontrast dem Klavierkonzert in G-Dur von Maurice Ravel. Kurz, prägnant und mitreißend. Und mit seiner virtuosen Brillanz wie geschaffen für Pianistin Beatrice Rana, die am Pult des Staatsorchesters von GMD Vladimir Jurowski begleitet wird. (12./13.1. Nationaltheater)


Lukas Sternath

Sein technisches Können hat auch Ranas Kollege Lukas Sternath dem Münchner Publikum schon wiederholt unter Beweis gestellt. Erstmals aufmerksam wurde man hier auf ihn beim ARD-Wettbewerb 2022, wo der junge Österreicher neben dem 1. Platz der Jury noch sieben weitere Auszeichnungen mit nach Hause nehmen durfte. An oberster Stelle natürlich den alles andere als unwichtigen Publikumspreis. Seither ist der Meisterschüler von Igor Levit längst aus dem Schatten seines Mentors getreten und hat sich mit seinen tiefgründigen Interpretationen eine stetig wachsende Fangemeinde aufgebaut.  Die darf sich diesmal unter anderem auf Schuberts Klaviersonate in B-Dur freuen, sowie auf die „Funérailles“ aus Franz Liszts Zyklus „Harmonies poétiques at religieuses“. Den Abschluss bildet danach noch die Sonate Opus 84 von Sergej Prokofjew, die mit dem wiederkehrenden B-Dur das Gegenstück zu Schubert und damit die Klammer des Abends bildet. (14.1. Prinzregententheater)


Münchener Kammerorchester: Wiegers / Kopatchinskaja / Milhaud, Illés, Weill

Noch größer denkt man dagegen beim Münchener Kammerorchester, das in seinem nächsten Abo-Konzert erneut das Saisonthema „Wonderland“ aufgreift. Weitergeführt wird der rote Faden diesmal unter anderem mit Darius Milhauds Ballett „La Création du Monde“. Einer nuancenreiche Partitur, die der Franzose mit Jazz- und Rumba-Rhythmen durchsetze. Die Basis dafür ist ähnlich wie bei Kurt Weill, dessen Symphonie Nr. 2 an Milhaud anknüpft und den Komponisten der „Dreigroschenoper“ von seiner klassischeren Seite zeigt. Bekannt ist dem Publikum des MKO aber natürlich auch die Klangsprache von Márton Illés, der schon öfter im Auftrag des Orchesters komponierte. So etwa 2023 sein Cellokonzert „Sírt-tér“. Als Münchner Erstaufführung folgt hierauf nun das Violinkonzert „Vont-tér“, das eigentlich bereits vor dem Schwesterwerk geplant war, dann allerdings bedingt durch die Pandemie mehrfach verschoben werden musste. Nun wo dieses Projekt endlich nachgeholt werden kann, ist selbstverständlich auch Geigerin Patricia Kopatchinskaja wieder mit an Bord, die sich ebenso leidenschaftlich für Neue Musik einsetzt wie Dirigent Bas Wiegers. (15.1. Prinzregententheater)


Münchner Rundfunkorchester: 3. Sonntagskonzert – A Tribute to Benjamin Britten

Im Zeichen von Benjamin Britten steht das nächste Sonntagskonzert des Münchner Rundfunkorchesters, das an den 50. Todestag des Komponisten des Engländers erinnert. Wobei die ersten Noten des Abends zunächst von Arvo Pärt stammt. Er komponierte seinen „Cantus in Memoriam Benjamin Britten“ nur wenige Wochen nach dem Tod seines Kollegen. Eine meditative Hommage an einen Mann, dessen Musik er aus tiefster Seele schätzte, obwohl ein geplantes persönliches Treffen einst durch politische Spannungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Königreich verhindert wurde. Britten selbst kommt dann mit dem „Nocturne“ von 1958 zu Wort, sowie mit seiner „Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester“. Als Solist ist hier neben Hornist Rodrigo Ortiz Serrano mit Ian Bostridge einer der renommiertesten britischen Lied-Interpreten der letzten Jahre zu erleben. Die musikalische Gesamtleitung hat die Neuseeländerin Gemma New, die neben ihrer Karriere als Dirigentin auch als Komponistin aktiv ist. (18.1. Prinzregententheater)


Münchner Philharmoniker: Korngold / Mackeben / Slatkin / Bernstein

© München Ticket

Sie tritt damit quasi in die Fußstapfen zweier amerikanischer Kollegen, deren Werke man bei den Philharmonikern erleben kann. Nicht groß vorstellen muss man dabei wohl den Schöpfer des Balletts „Fancy Free“, Leonard Bernstein, der sich um Genre-Grenzen ebenso wenig Gedanken machte wie sein Kollege Leonard Slatkin, der mehrfach als Dirigent der Londoner „Last night oft he Proms“ bekannt wurde und in seinem Orchesterstück „Kinah“ eine Brücke in die Goldene Ära Hollywoods schlägt. Ein Sound, den auch Erich Wolfgang Korngold maßgeblich prägte, dessen Musik den Abend eröffnet, ehe man sich mit der „Sinfonischen Ballade“ von Theo Mackeben einer deutschen Filmlegende der 1930er und 1940er widmet. Es dirigiert Wayne Marshall, der Solist ist Floris Mijnders. (21./23.1. Isarphilharmonie)