Olivia Rodrigo

Konzerte im Juni: Zwischen Metal-Kinetik und Pop-Visionen

Großes Aufgebot bei A Million Mercies, Irish-Speed-Folk von Fiddlers Green, Jesse Ahern mit Songs für die Arbeiterklasse und Faye Webster verzaubert nicht nur Barack Obama.

Masta Ace & Marco Polo brillieren auf ihrer neuen gemeinsamen Platte „Richmond Hill“ mit einer Symbiose aus fantastisch-vielseitigen Beats produziert von Marco Polo und sehr persönlichem Material vom Rap-Großmeister Master Ace. Es ist eine Hommage an den Ort (ein Viertel in einer kleinen Stadt im kanadischen Ontario), an dem Marco aufgewachsen ist. Es handelt von der Leidenschaft für HipHop und Cartoons, seinem Kampf mit der Sucht und der Unterstützung seiner Eltern. Dabei treffen warme Soul-Samples auf knackige Percussion und diverse Epochen der Rap-Geschichte. (3.6. Strom)

DVNE gründeten sich 2013 in Edinburgh. Gründerväter waren der Franzose Victor Vicart und der gebürtige Schotte Dudley Tait. Es schwebte ihnen eine progressive Mischung aus Post- und Sludge-Metal vor, was sie spätestens mit dem kaleidoskopisch hypnotisierenden „Etemen Ænka“ aus dem Jahr 2021 meisterlich umzusetzen wussten. Jetzt, im Jahr 2024 sieht es ganz danach aus, als würde das atemberaubende dritte Album „Voidkind“ noch weitere Türen weltweit aufstoßen können, wundern würde mich das nicht. (3.6. Feierwerk)

„Ich versuche, zu kreieren, was ich am Meisten mag: Etwas Raues und Authentisches, Hässliches und Schönes“, sagt die aus Melbourne stammende Musikerin Grace Cummings. Intensiv und kraftvoll ihre Stimme, packend und leidenschaftlich ihr Gitarrenspiel. Ob auf der akustischen oder der E-Gitarre. „Ramona“, so der Titel ihres dritten, gerade erst erschienen Albums, das schon jetzt als Topanwärterin für die Jahrespolls anspruchsvoller Musikjournalistinnen und -journalisten gehört. „Soon-to-be-iconic“ titelte schon mal das Fachmagazin Rolling Stone. Und schon wahr: Nick Cave und Anna Calvi kommen einem in den Sinn, wenn man Cummings neuen, dicht gewobenen Indie-Folk-Rock hört. Starke Künstlerin. (3.6. Import/Export)

Genau genommen ist das was Olivia Rodrigo da so macht ein nicht zu identifizierender Crossover, gleich eines musikalischen Kramladens. „Ballad Of A Homeschooled Girl“ klingt so unverschämt gut nach Pixies, oder auch The Breeders, die sie sogar dann und wann supporten dürfen, während anderes eher an Taylor Swift, Lana Del Rey oder Billie Eilish erinnert. Das ist wirklich unterhaltsam zuweilen, manchmal aber wird man den Eindruck nicht los, dass sie sich womöglich einfach nicht entscheiden kann, weswegen das dann halt ihre Produzenten machen. Bin gespannt, wie das live wird. Support: Remi Wolf. (7.6. Olympiahalle)

Zwei der hellsten Sterne des Americana-Himmels treffen über München aufeinander: Ora Cogans traumwandlerischer, cineastischer Gloom-Folk kollidiert mit Philip Bradatschs einzigartigem deutschen Folk-Sound, dessen Beat-Poesie Bob Dylans-Legacy unter Berücksichtigung der Hamburger Schule neu interpretiert. (7.6. Milla)

Es fällt schwer, in den letzten Jahren eine Metal-Band auszumachen, die die internationale Szene so aufgerüttelt wie Alien Weaponry. Seit der Veröffentlichung ihres hochgelobten Debüts „Tū“ und dem 21er Nachfolger „Tangaroa“, beide auf Napalm Records erschienen, hat die kinetische Präsenz und der einzigartige Sound der Kiwis Scharen von Fans und Medienvertretern auf der ganzen Welt überzeugt. Und das, obwohl die Neuseeländer ihre Texte in der indigenen Sprache Te Reo Māori verfassen um diese dann auf einer Basis von Thrash und Groove-Metal zu kredenzen. Exotisch! (8.6. Backstage)

Nickelback
(c) Richard Beland

Die Rock-Spatzen piepen es bereits von den Dächern: „Es wird eine heftige und laute Party!“ Denn, „Get Rollin‘“, das erste Album von Nickelback seit fünf Jahren, stürmte nicht nur die Charts in Deutschland. Und alle sind sich einig: Bombe! Ein rockiger Mix aus Abenteuer, Nostalgie und emotionaler Erkundung. Basta! 2009 von Billboard zur „erfolgreichsten Band des Jahrzehnts“ gekrönt, sind die Kroeger-Brüder und ihre Sidekicks immer noch erfolgshungrig, weswegen ihnen auch in München wieder aus tausenden Kehlen ihre Hits entgegen geschrien werden. Vortrefflicher Support kommt mit der britischen Indie-Rockband Lottery Winners noch on top. (8.6. Olympiahalle)

Er ist einer der erfolgreichsten DJs und Produzenten Deutschlands, mithin also ein wahrer Pop-Visionär und Electro-Pionier: Alex Christensen. Mit legendären Hits wie „Das Boot“ oder auch „United“ hat er nicht nur den Genres Dance und Techno zu einer ungeheuren Popularität verholfen, sondern auch im Wesentlichen den Soundtrack der 90er Jahre mitbestimmt und geprägt. Dass er seitdem von seiner Kreativität und einem großen Innovationsgeist nichts eingebüßt hat, bewies er mit seiner Reihe „Classical 90s Dance“, für die er auf raffinierte Weise Klassik und Dance Music miteinander verschmolz. Jetzt heißt es also wieder: Alex Christensen & The Berlin Orchestra, was eine besonders aufregende Hit-Sammlung aus einer der musikalisch vielfältigsten Dekaden verspricht. (11.6. Circus Krone)

Atmospheric-Black-Metal im Doppelpack steht spätestens dann auf dem Programm, wenn The Ruins Of Beverast und Wayfarer in München aufschlagen. Erste stammen zwar aus Aachen, klingen aber trotzdem international, wohingegen Wayfarer tatsächlich aus dem Westen der USA stammen, aber irgendwie nach Aachen klingen. Was ich damit meine? Nun, völlig egal wo wer nochmal genau herkommt, wichtig ist, dass die Mucke passt, und das tut sie hier auf alle Fälle, zumindest für all jene, die es mit Black-, Doom- und/oder Death-Metal halten. (14.6. Feierwerk)

Über den Headliner Gotthard noch groß Worte zu verlieren: Platzverschwendung. Hier weiß jeder was gespielt ist, und, dass es toll ist. Viel interessanter also der Unterbau des „Rock Antenne Open Air“, etwa The New Roses. Diese stehen für authentische „Working Class Rock Music“ die den Song und die Verbindung zum Publikum ins Zentrum ihres Schaffens stellt. Durch verschiedenste Einflüsse aus Classic- und Hardrock bis Country und Blues entsteht, was man gerne Stadionrock 2.0 nennen darf! Mit dabei sind neben Show-Cooking von Frank Oehler, Tätowierern, Flanierern und Piercern auch die schwedischen Hardrocker Eclipse. Bevor ich’s vergesse: Bikers Welcome! Inklusive kostenlosem Parkplatz für die heißen Öfen. (15.6. Showpalast)

Geheimtipp des Monats: Oxbow aus San Francisco sind musikalisch unfassbar bunt und wurden sowohl mit Bands wie Neurosis und The Birthday Party, als auch mit modernen klassischen Komponisten wie Penderecki und John Luther Adams verglichen. Seit gut und gerne 34 Jahren mischen sie nun schon Elemente aus Noiseund Art-Rock, Post- und ProgMetal, Blues, Gospel, Jazz, Avantgarde, Neoklassik und Barock-Pop, wobei keine einzige dieser Genrebeschreibungen wirklich zutrifft. Ein kläglicher Versuch meinerseits ein paar artverwandte Bands wenigstens mal genannt zu haben: Shudder To Think, Cop Shoot Cop, InPalumbia, Rush, Grizzly Bear, ach, ich lass es lieber … passt in keine Schublade, darauf mein Wort! (18.6. Feierwerk)

RED verbinden anspruchsvolle Instrumentierung mit knallhartem Songwriting: Dynamisch klingt das, ungemein, aber auch eklektisch, ergreifend persönlich und unerschrocken unverblümt. Ihr immer noch aktuelles Album „Rated R“ kann ein Lied davon singen. Oder zwei. Dabei texten sie gesellschaftsrelevantes Zeug irgendwo zwischen ideologischen und zwischenmenschlichen Spaltungen, mannigfaltige Konfrontationen und das allgemein üble Leid der sogenannten modernen Gesellschaft. Support: Lansdowne. (18.6. Backstage)

Was haben Rihannas „Unfaithful“ und „Irreplaceable“ von Beyoncé neben ihrem Sound und Hit-Status gemeinsam? Sie sind unter maßgeblicher Mithilfe des Musikers und Produzenten Shaffer Chimere Smith entstanden. Denn bevor der US-Amerikaner selbst unter dem Künstlernamen NE-YO als Sänger weltbekannt wurde, schrieb er als namhafter Songwriter Songs für viele hochkarätige Artists – und dann ab 2005 auch für sich selbst. Seine Heimat ist der R’n’B, diese allerdings wird gerne von Migration aus den Anrainerstaaten Soul und Pop bereichert. Guter Mann, der NE-YO. (19.6. Zenith)

Vier Frauen aus Polen mit unterschiedlichen künstlerischen Hintergründen – Folk, Jazz, Klassik und Avantgarde-Theater – beleben unter ihrem Namen Kosy vergessene Schätze der traditionellen Musik Niederschlesiens. Mit schamanischen Trommeln, Perkussion, Harmonium, Geigen und ihren vier perfekt aufeinander abgestimmten Stimmen erkunden sie das facettenreiche Repertoire ihres Landes. (20.6. Import/Export)

1982 in New York City gegründet, gehören Agnostic Front mit zu den legendärsten Veteranen der internationalen Hardcore-Oi-Szene. 2023 gaben die Oldschool-Puristen aus New York nach vier Jahren Pause mit „United Blood l.p.“ ihr bislang letztes Lebenszeichen von sich. Jetzt machen „The Godfathers Of Hardcore“, so der Titel einer Dokumentation, die das Leben von Sänger Roger Miret und Gitarrist Vinnie Stigma beleuchtet, auf ihrer großen Deutschlandreise auch in München wieder mal Station. Support: Harms Way. (24.6. Backstage)

Und noch so ein Gitarren-Brett-Double-Feature im Feierwerk: Daily Thompson und The Great Machine, welche schon im Vorprogramm von Bands wie Ozzy Osbourne, Fu Manchu und Kadava zu überzeugen wussten, stehen für 90s Fuzz-Desert-, Hochgeschwingkeits-Stoner-, sludgy Psychedelic- und waschechten Grunge-Rock. (25.6. Feierwerk)

Optisch erinnert Chelsea Wolfe ein bisschen an Cher. Dass sie mit ihren 41 Jahren aber niemals an das jugendliche Äußere der 78-jährigen Auto-Tune-Queen herankommt, geschenkt! Auch nur ein Scherz, auf Kosten der ins Zeitlose Operierten… Apropos Königin: Auch Chelsea Wolfe gilt als solche und zwar als die des Goth. Womit wir auch schon bei der Musik wären, die als solches schon mal sehr viel interessanter ist als alles, was Cher jemals gemacht hat. Meine Meinung, keine Tatsache. Ein betörender Mix aus krachend schweren Doom-Gitarren, mächtig stampfenden Grooves und einer zarten, verletzlichen, dennoch aber erstaunlich dominanten Stimme. Kraftvoll, umwerfend, wuchtig und sehr, sehr beeindruckend all das. Support: Kaelan Mikla. (26.6. Technikum)

Seine unverwechselbare Stimme, sein Stil und sein Charisma haben Rod Stewart zu einem der erfolgreichsten Sänger und Entertainer aller Zeiten gemacht. Sein Erfolg zieht sich durch alle Genres populärer Musik, von Rock, Folk, Soul über R’n‘B bis hin zu den modernen Standards. Jetzt präsentiert der legendäre, unkonventionelle Star die Songs seiner Karriere, die Hits und die Klassiker. „Sailing“, host mi? (28.6. Olympiahalle)