Deutsch-Rap International: Luciano

Konzerte im Februar: Ruhe in einer Welt des Chaos

Dafür steht MC Sa-Roc, Bernadette La Hengst lotet derweil Skurriles und Irritierendes aus und The Düsseldorf Düsterboys tun, was ein Pop-Duo so tut: Schöne Musik machen

Phonoboy ist das Soloprojekt des deutsch-französischen Songwriters, Sängers, Studiobetreibers und Produzenten Christian Höck. Mit „Love and Let Die“ erschien Ende 2020 das fünfte Album seines nach einem legendären 1969er Grundig-Plattenspieler benannten Projekts. Es ist das erste komplett englischsprachige Werk des Künstlers, der bislang vor allem mit einer bunten Mischung aus französisch-englisch-deutschsprachigem Pop, Garage und Wave in Erscheinung trat. Auch musikalisch geht es in eine etwas andere Richtung als bislang gewohnt: Singer-Songwriter-Americana, Indie-Folk, Country, Pop, aber auch an die große Zeit der 1960er und 1970er erinnernde Sounds bestimmen das Album und von nun an auch seine Konzerte. (2.2. Fat Cat / Live.Evil)

Hasna El Becharia ist die Pionierin der weiblichen Gnawa-Künstlerinnen und – Künstler. Ihre Musik verbindet die traditionellen Klänge der Gnawa mit dem rockigen Desertfolk der Wüste. Mit ihrer Guembri und ihrer elektrischen Gitarre fasziniert sie seit 20 Jahren ihr weltmusikalisch interessiertes Publikum. Rhythmisch und farbenfroh sind stets ihre Livesets, die sie in der Regel gemeinsam mit ihrer fünfköpfigen Band bestreitet. (7.2. Import / Export)

Experimentell und poppig, gewagtes Storytelling gemischt mit radikalen Klängen, dafür stehen Deerhoof. Die von der Kritik gefeierten und überaus vorausschauenden „Future Teenage Cave Artists“ des Jahres 2020 erforschen märchenhafte Visionen der Postapokalypse und verschmelzen gewaltige Melodien mit absurden digitalen Aufnahmemethoden. Auch das neue Album „Tactical You Can“ fällt wieder unter die Rubrik: Genre-übergreifend. Support: Radian. (10.02. HP8 Saal X)

Feierwerk Sessions #10 – Das regelmäßig stattfindende Konzertformat bringt diesen Monat tanzbare Indie-Vibes, stimmungsvollen Pop und gefühlvollen Singer/Songwriter-Sound: Elle And The Lovers schreiben Songs über die Wahrheit, sich jeden Tag neu zu entscheiden, über die Liebe in all ihren Farben, Formen und Beziehungen und tragen so ihre ganz eigene Note zur Popkultur bei. Marina Marie ist Singer / Songwriterin, 23 Jahre alt und in München geboren. Sie singt seit ihrer Kindheit und schreibt seit etwa drei Jahren eigene Songs. Last but not least: Johanna aka Temere ist eine Newcomerin aus München. Ihr Motto „Music for people with big feelings“ geht Hand in Hand mit der Botschaft, die sie vermitteln möchte und der Aufmerksamkeit, die sie dem Thema mentale Gesundheit schenkt. (10.2. Feierwerk Orangehouse)

Sa-Roc ist wohl eine der derzeit dynamischsten MCs der Welt. Ihre klare Artikulation, ihre feurige Darbietung und ihre anspruchsvollen und aufschlussreichen Lyrics haben sie oft in eine Reihe mit einigen der bedeutendsten Künstler des HipHop gestellt. Die Fachleute vom Okayplayer bezeichneten sie einst als „one of the most formidable microphone mavens in the game” und NPR bestätigte ihr kürzlich „a modern day griot“ zu sein, deren „Aura Ruhe in einer Welt des Chaos ausstrahlt“. Sa-Roc gehört zur Speerspitze von Künstlerinnen und Künstlern, die für eine bewusst soziale Generation sprechen, stehen und sogar auf die Barrikaden gehen. Supports: Queen Lizzy + Gündalein. (12.2. Strom)

Einsam steht sie da, auf ihren Pressefotos sowie dem Cover ihres aktuellen Albums, die Bernadette La Hengst, ihres Zeichens Theaterregisseurin und -autorin, Chorleiterin, Hörfunkmacherin und ehemalige Die Braut haut ins Auge-Chefin. Einsam in der Wüste steht sie und wässert mit einer Gießkanne den Sand – ein skurriles, irritierendes Bild. Füllt sie damit die Leere mit neuen musikalischen Pop-Visionen? Denn wo nichts ist, kann ja was werden. Scheinbar humorvoll, aber doch auch voller Traurigkeit. Kann denn immer alles wieder werden? Wie lange dauert es, bis wieder was wird? Auch diesmal spürt sie all den Verwerfungen, Ungerechtigkeiten und Widersprüchlichkeiten, der Ratlosigkeit und der scheinbaren Hoffnungslosigkeit nach. Politisch und feministisch – La Hengst versteht es weiterhin Standpunkt und Revolte magisch groovend zu vereinen. Die Energie ihrer ehemaligen Band sprüht hier immer noch einige Funken, die aktuell von ihrer Begleitband – den Ladettes – weitergefunkt werden. Magisch! (15.2. Milla)

„Duo Duo“, so der Titel des neuen The Düsseldorf Düsterboys-Albums, auf dem sie machen, was ein Duo im Pop tun muss: Es macht Musik. So haben Peter Rubel und Pedro Concalvez für ihre Gefolgschaft ein kunterbuntes, leidenschaftliches, ja adjektiv-reiches Folk-Album aufgenommen: „Sehr gute Melodien, ordentliche Harmonien und visionäre Texte“, sagen die beiden Düsterboys selbst über ihr Werk. Die vielversprechende erste Single „Ab und zu“ klingt dabei fast wie Musik aus Kuba, wobei diese ja auch stark von spanischer Musik beeinflusst ist, Pedro Goncalves dagegen seine Wurzeln ja bekanntlich in Brasilien hat. So. Einigen wir uns also lieber auf „Outer national Folk-Musique“, right!? TDD präsentieren nun ihr Folk-Album fürs Multiversum. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Grandioser Support kommt von Angela Aux, den sich Rubel und Concalvez explizit für ihre Show in München gewünscht haben. (15.2. Strom)

The Gardener & The Tree sorgen bei ihren Shows für ein unzertrennliches Miteinander – das Publikum wird Teil der Musik, gibt sich dem Rhythmus der schallenden Trommelschläge hin, tanzt zu den unverkennbaren Folk-Pop-Schnitten und schwelgt in der zuckersüßen Melancholie der autobiografischen Balladen der fünf Schweizer. Die unverkennbare Stimme von Manuel Felder trifft dabei immer mitten ins Herz und begeistert Menschen aller Generationen. So soll’s sein! (15.2. Backstage)

Zwei Jahre nach ihrem grandiosen Album „Metanoia“ melden sich die Prog-Metaller Persefone aus Andorra mit einer brandneuen EP zurück. „Lingua Ignota: Part I“ heißt das Werk und markierte den nächsten Schritt der Band auf ihrer persönlichen Suche nach existenziellem Wachstum durch Musik. Es war ein Aufruf zu tiefgreifender Veränderung, ein Aufruf zu einer inneren Reise durch Angst und Schmerz, ein Aufruf zu einem Sprung an einen bedeutungsvollen und verwurzelten Ort. Supports: Hypno5e, Stellar Circuits und Lampr3a. (20.2. Feierwerk Hansa 39)

Niia (ausgesprochen Nye-uh) ist eine herausragende italienisch-amerikanische Musikerin mit einem Background im Bereich Jazzgesang und klassischem Klavier und verbindet Jazz, Pop und Alternative auf wunderbare Weise. Ihre unvergleichliche Stimme und ihr meisterhaftes Songwriting machen sie zum Inbegriff zeitloser Eleganz und zeitgenössischen Souls. Sie wurde bereits von der New York Times, dem Rolling Stone, The Guardian, Interview Mag und Harper’s Bazaar gefeiert. (20.2. Feierwerk Orangehouse)

Forced To Mode wollen es wieder wissen und gehen auf ihre „One Caress“-Tour. Dabei werden sie ihr Publikum erneut auf eine emotionale und intime Reise durch herausragende Depeche Mode-Titel und artverwandte Songs mitnehmen. Begleitet werden FTM diesmal von dem erfolgreichen Streicher-Quartett Eklipse. Man darf sich also freuen, auf einen intensiven Abend mit einem mitreißenden Programm zweier Ausnahmekapellen, die mit wundervollen Arrangements, berührenden Streichern, zarter Elektronik und den beeindruckenden Stimmen für einen gelungenen Konzertabend sorgen. (21.2. Backstage)

Luciano gehört zu den erfolgreichsten Rappern Deutschlands – mehr als 7 Millionen Hörer beim Streaming-Riesen machen ihn aktuell bereits das dritte Jahr in Folge zum erfolgreichsten deutschsprachigen Künstler. Luciano hat Drill-Rap hierzulande direkt neben Pop etabliert. Seine Erfolgstory kennt dabei längst keine (geographischen) Grenzen mehr. Der „Loco“ bewegt sich international: Von Berlin nach London, Dubai und Los Angeles und von Capital Bra über Lil Baby bis Ezhel – um nur einige der namhaften Kollaborationen der letzten Jahre zu nennen. Mit „Majestic“ veröffentlichte Luciano im vergangenen September bereits sein sechstes Soloalbum, das mittlerweile über 1 Milliarde Streams zählt. (24.2. Olympiahalle)

KRAWALL!, das feministische Megaphon bietet seit 2023 eine Plattform für FLINTA*-Acts aus allen Genres. Die Punksongs von Leber aus Linz etwa sind eine feministische Abrechnung mit dem Patriarchat und verzerrten Machtverhältnissen. Cute Fruit aus München wiederum fesseln die Zuhörenden mit hypnotischem Surf-Psych-Pop und die All-Female-Synthie-Punkband fab, ebenfalls aus München, macht politische und tanzbare Songs gegen „Macker, dreckige Kartoffeln und für mehr Chardonnay im Urin.“ Muss ich hin! (24.2. Import / Export)