RECUP bringt mit dem Projekt „ReMuc – Ois im Kreis“ ein einheitliches Mehrwegsystem auf den Viktualienmarkt – nicht allen gefällt das.
Der Kaffee für den Weg zur Arbeit, die Suppe in der Mittagspause oder ein süßer Snack beim Bummel über den Viktualienmarkt – To-go gehört längst zum Münchner Alltag. Oft sind überquellende Mülleimer die Folge – deshalb sind Wegwerfbehälter seit eineinhalb Jahren auch auf den Münchner Märkten nicht mehr erlaubt, Händler müssen für Einweggeschirr einen Aufpreis verlangen (ist vielen Konsumenten egal, Müll bleibt) und eine Mehrweg-Option anbieten. Mit dem Projekt „ReMuc – Ois im Kreis“ startete diese Woche auf dem Viktualienmarkt das einheitliche Mehrwegsystem von RECUP für Speisen und Getränke mit neun Rückgabe-Automaten.
An allen teilnehmenden Ständen werden Kaffee, Snacks und andere To-go-Angebote in RECUP-Bechern und Mehrweg-Bowls ausgegeben. Nach dem Genuss können die Behältnisse unkompliziert an den Rückgabeautomaten auf dem Marktgelände abgegeben werden – rund um die Uhr und unabhängig davon, an welchem Stand sie ausgeliehen wurden. Das Pfand wird direkt ausgezahlt.
Der Viktualienmarkt könnte ein ideales Testfeld für dieses System sein: Hier treffen täglich Einheimische und Touristen aufeinander, konsumieren auf dem Markt flanierend, oder im Biergarten, und nicht unbedingt am Stand verweilend. Genau in diesem Umfeld sollte Mehrweg möglichst einfach funktionieren, so Philipp Goos, Geschäftsführer von RECUP. Aktuell beteiligen sich neun Marktstände an dem Projekt, darunter Caspar Plautz, die Fritz Mühlenbäckerei, die Kaffeerösterei am Viktualienmarkt, die Metzgerei Schäbitz, Marktpatisserie Lea Zapf, Frutique und die Suppenküche.
Natürlich gibt es wie immer, wenn es um Innovationen auf dem Viktualienmarkt geht, Bedenken einiger Händler. Zum Beispiel, dass Touristen das System nicht in Anspruch nehmen würden, was zu Umsatzverlusten führen könnte, da diese in umlegende Cafés etc. weiterziehen. Deshalb sollen auch diese Anbieter in das System mit aufgenommen werden. Von den rund 50 Betreibern auf dem Markt sind bisher nur ein Fünftel beteiligt, es gäbe aber weitere mündlich Zusagen, so Philipp Goos von RECUP.
Das System ist auf hohe Besucherzahlen ausgelegt und kann nach Angaben der Projektpartner mehr als zwei Millionen Mehrwegbehältnisse pro Jahr zurücknehmen. Derzeit erfolgt die Pfandrückzahlung noch in bar, künftig soll das Geld kontaktlos direkt auf das Bankkonto überwiesen werden.
Auch die Märkte München sehen darin einen wichtigen Schritt für mehr Nachhaltigkeit. „Endlich muss man sich nicht mehr fragen, wohin mit dem leeren To-go-Becher“, sagt Edwin Grodeke, Leiter des Kommunalreferats und 1. Werkleiter der Märkte München. Das neue System vermeide Abfall, entlaste die Standbetreiber und mache nachhaltiges Handeln im Alltag besonders einfach.
Das auf fünf Jahre angelegte Projekt soll dabei nicht nur den Viktualienmarkt verändern. Vielmehr verstehen die Beteiligten den Markt als Modell für weitere stark frequentierte Orte in München – von anderen Märkten bis hin zu Verkehrsknotenpunkten. Ein Münchner Pilotprojekt also, das zeigen soll, wie Kreislaufwirtschaft im Stadtleben funktionieren kann. Wenn alle, bzw. viele mitmachen.
