Welt des Wohlklangs: EVA LÄMMLE stellt aktuell im Bayerischen Nationalmuseum meisterliche Handwerkskunst aus
Frau Lämmle, Musik-Instrumente selbst zu bauen, ist eine Kunstfertigkeit, bei der man sich schnell auf eine Art Zeitreise begibt. Wie wurden Sie zur Geigenbaumeisterin?
Ich spiele seit meinem achten Lebensjahr Cello und komme aus einem Künstlerhaushalt: Mein Vater war Maler und Kunstglaser. Da ergab sich die Verbindung von Musik und Handwerklichem fast wie von selbst. Ich habe mich nach dem Abi auf einen Ausbildungsplatz zur Geigenbauerin beworben, dann kam die Gesellenprüfung, danach Arbeit in verschiedenen Werkstätten, die Meisterprüfung und schließlich bin ich in München hängengeblieben.
Wer sich ein wenig mit klassischer Musik auskennt, weiß vielleicht, dass Cremona ein Zentrum des Geigenbaus war, immer wieder hört man natürlich auch von Mittenwald. Wie steht es denn um die Großstadt München, bei der man vielleicht zuerst an schicke Autos oder viel Digitalindustrie denkt?
München hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer wahren Geigenbau-Metropole entwickelt, derzeit gibt es circa 40 Geigenbauwerkstätten in und um München. Das liegt hauptsächlich am reichen Musikleben in der Stadt, es gibt fünf Profiorchester und zahlreiche Laienorchester, Kammermusikensembles, Musikschulen.
Auch wenn man Klassik vielleicht nur aus dem Radio kennt: Wie viel Vorwissen braucht man für die Geigentage?
Das Besondere an den Geigentagen sind die Ausstellung zum Anfassen und die Konzerte auf den neuen Instrumenten. Zum Ausprobieren der Instrumente sollte man schon ein bisschen spielen können. Bei den Konzerten reicht das Interesse, einmal verschiedene Instrumente in einem Konzert hören und vergleichen zu können. Dieses Format ist einzigartig.
Ihre Kollegen und Sie präsentieren sich jetzt schon zum achten Mal auf den Geigentagen: Inwieweit ist das auch ein Schaufenster für einen Beruf, von dem viele Münchner gar nicht so viel wissen dürften?
Wir verstehen die Geigentage als Werkschau für den zeitgenössischen Geigen- und Bogenbau in München. Die Besucher können die in den Münchner Geigenbauwerkstätten neu gefertigten Geigen ausprobieren und miteinander vergleichen. Zusätzlich werden verschiedene Fachvorträge rund um das Thema Geigenbau gehalten, die den Besuchern interessante Einblicke in den Beruf des Geigenbauers geben.
Das Nationalmuseum ist ein prachtvoller Ort für so ein Festival. Allerdings: Ist es nicht ein wenig voreilig, wenn man sich selbst ins Museum stellt? Keine Angst, ein wenig Staub anzusetzen?
Das Bayerische Nationalmuseum hat selbst eine bedeutende Musikinstrumentensammlung. Wer weiß: Vielleicht wird das eine oder andere Instrument, das jetzt bei den Münchner Geigentagen präsentiert wird, dann vielleicht in 100 Jahren in dieser Sammlung zu sehen sein?
Üblicherweise ist ein Museum ein Ort mit klaren, oft ein wenig steifen Regeln. Die Geigentage sollen eine Veranstaltung zum Anfassen sein. Wie genau?
Die Instrumente und Bögen werden auf Ausstellungstischen präsentiert und können von fachkundigen Besuchern heruntergenommen und angespielt werden.
Bei Ihren Konzerten sollen die Mitwirkenden Instrumente und Bögen ja sogar zwischendurch wechseln. Ganz schön fies, oder?
Ja, eine sportliche Herausforderung ist das schon, die die Musiker bravourös meistern. Viele Musiker, etwa das Goldmund Quartett, das Diogenes Quartett und auch Maximilian Hornung, spielen schon zum wiederholten Mal für uns – es scheint ihnen also Spaß zu machen.
Neben dem Ausstellungsteil gibt es ein umfangreiches Programm – unter anderem mit Klangproben. Was muss man sich darunter vorstellen?
Bei den Klangproben werden alle Instrumente einer Gattung (also nur Geigen oder nur Bratschen) durchnummeriert, also anonymisiert und dann in kurzen Passagen hintereinander angespielt, so dass die Zuhörer direkt vergleichen können. Die Besucher bekommen Papier und Stift und können sich Notizen machen, was sie hören. Das ist superspannend!
Wie knifflig war es eigentlich, einen vielbeschäftigten internationalen Klassikstar wie Anne-Sophie Mutter für Ihr Festival zu gewinnen?
Anne-Sophie Mutter ist schon zum dritten Mal unsere Schirmherrin. Sie mag unser Projekt und unterstützt uns auf diese Weise. Wir freuen uns sehr darüber.
Letzte Frage: Wie schwer fällt es Ihnen eigentlich, sich von einem Instrument, mit dem Sie oft so viel Zeit in der Werkstatt verbracht haben, dann eines Tages doch zu trennen?
Das fällt mir gar nicht schwer. Im Gegenteil: Ich freue mich, wenn die Instrumente in die Welt hinausgehen und gespielt werden.
Nur Cremona übertrifft München noch: EVA LÄMMLE, selbst Geigenbaumeisterin, steht für ein jahrhundertealtes Handwerk, auf das die Stadt stolz sein kann: 24 Werkstätten präsentieren auf den Münchner Geigentagen im Bayerischen Nationalmuseum aktuelle, handgefertigte Unikate. Los geht’s mit dem Eröffnungskonzert am 30. April, die Ausstellung öffnet dann am 2. Mai. https://www.muenchner-geigentage.de
