19:30 Uhr – 21:30 Uhr
Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1, Tumblingerstraße 29, 80337
München
Theater
Frankenstein oder: Schmutzige Schöpfung
Dem Wissenschaftler Viktor Frankenstein scheint gelungen, wonach sich die Menschheit seit Ewigkeiten sehnt: gleich einem Gott die Gesetze von Leben und Tod zu überwinden. Gemeinsam mit dem Ensemble und künstlichen Intelligenzen nähert sich Hausregisseur Philipp Arnold diesem Stoff aus heutiger Perspektive und untersucht das Gewebe unserer Gegenwart: Was schaffen wir? Woraus sind wir geschaffen? Und wofür werden wir erschaffen?
Nach Mary Shelley und Thomas Melle in einer Fassung von Philipp Arnold
Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:
Wissenschaftler erschafft Monster und verliert die Kontrolle über seine Schöpfung: Der Horrorklassiker „Frankenstein“ geht immer. Die junge Mary Shelley hat mit ihrem Romandebüt 1818 gleich ein neues Genre erfunden, am Volkstheater denkt Regisseur Philipp Arnold die romantisch-düstere Story klug neu, mit einem Monster von heute: der KI.
In „Frankenstein oder: Schmutzige Schöpfung“ (nach Shelley und Texten von Thomas Melle) gibt es die Titelfigur zweimal: Da ist Viktor (Julian Gutmann), der langweilt sich erst mal vor dem Eisernen Vorhang, die KI – heißt sinnigerweise Shelley – soll für Abwechslung sorgen, mit einer Geschichte. In die Viktor dann selbst hineinverfrachtet wird: auf der nun offenen Bühne, eine Szenerie mit ein paar symbolischen Elementen, Licht, Schnee und Musik sorgen für diffuse Stimmung. Hier bastelt Frankenstein, der Wissenschaftler (Cedric Stern), an seiner Kreatur, dreht am ganz großen Rad: Das Leben neu bestimmen.
Diese Kreatur, wenn sie erwacht, hat wenig Monströses an sich: Nina Noé Stehlin gibt sie als zartes Wesen, stochert sich, sprachlich noch unsicher, gestisch eigenwillig, in die Welt. Mordend böse wird sie dann doch, weil ihr Schöpfer ihr versagt, wonach sie sich sehnt: einen Partner. Doch das ist noch nicht das Ende: die KI, bis dahin nur als Stimme präsent, wird personifizierte Intelligenz: Jawad Rajpoot, stiere Augen, dicke Adern auf kahlem Schädel, die Wirbelsäule ausgelagert, erscheint durch einen wabbernden Lichttunnel, als moralisch aufgeladene, finale Warnung: „Was einmal Mensch war, wird nicht mehr sein“.
Der Jubel nach 100 Minuten: gewaltig.
Produktion:
Regie: Philipp Arnold
Bühne: Lili Anschütz
Kostüme: Julia Dietrich
Musik: Joel Jaffe, Thalia Killer
Lichtdesign: Anja Sekulic
Dramaturgie: Anouk Kesou
Regieassistenz: Rebecca Fischer
Bühnenbildassistenz: Matteo Marangoni
Kostümassistenz: Julie Fritsch
Besetzung:
Viktor: Julian Gutmann
Frankenstein: Cedric Stern
Eine Kreatur: Nina Noé Stehlin
Elisabeth: Carolin Hartmann
Henry: Anton Nürnberg
Shelley, eine Intelligenz: Jawad Rajpoo
Termine & Tickets
Veranstaltungsort / Karte
Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1
Adresse: Tumblingerstraße 29,
80337 München