Gewürzpanorama

Hewad: Afghanische Küche nach Familienrezepten am Unteren Anger

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Rainer Germann 27. November 2024 Restaurants

Das kleine Restaurant Hewad präsentiert afghanische Küche nach alten Familienrezepten mitten in der Stadt.

Auf die Schnelle:

Küche Afghanisch · Grill · Vegetarisch
Öffnungszeiten täglich 17–23 Uhr, auch an Feiertagen; Tische in zwei Zeitfenstern (18 und ab 20 Uhr)
Adresse Unterer Anger 16, 80331 München-Altstadt
Telefon +49 89 18902440
Website hewad-restaurant.de
Preisniveau €€
Preiszusatz Hauptgerichte ca. 18–24 € (Speisekarte März 2025)
Reservierung nur telefonisch: +49 89 18902440

Das Haus

Familienrezepte aus Großmutters Schatzkiste

Ahmad Qayum Nawabi ist ein eher stiller Mann. Er sitzt meist neben der Bar, wenn er nicht gerade in der Küche zu tun hat und zum Beispiel nach dem besten Reis der Welt schauen muss. Der Autor dieser Zeilen wurde vor rund zwei Jahrzehnten von einem Verwandten Ahmads in die Geheimnisse der afghanischen Küche eingeführt – ein ganz neuer Horizont eröffnete sich für den noch jüngeren Restaurantbesucher und -besprecher. Angesiedelt in einer Lokalität, die zuvor italienische und brasilianische Küche servierte, etwas verborgen zwischen Hauptfeuerwache, Baureferat-Hochhaus und Jakobsplatz gelegen, hatte sich das kleine Restaurant Hewad bei unserem Besuch im November 2024 seit rund drei Jahren gut etabliert – man sollte reservieren, um einen der circa 25 Plätze zu ergattern, die hier der Größe geschuldet in zwei Slots (18 und ab 20 Uhr) vergeben werden.

Die Familienverhältnisse der afghanischen Restaurants in München sind fast so weit verzweigt wie einst in der Heimat („Hewad“) – Ahmad lebt seit Jahren in München, hat 15 Jahre im verwandten Restaurant Chopan gekocht, das bereits vor Jahr(zehnt)en auf diesen Seiten vorgestellt wurde. Traditionelle Familienrezepte aus Großmutters Schatzkiste werden auch im Hewad serviert – auf moderne Trends wie Speisefarbe wird hier verzichtet, erklärt Neffe Haddi, der nicht nur für den Service zuständig ist. Es gehe um die Essenz einer traditionellen Küche – das Gewürzpanorama spiele hier eine Hauptrolle, beste Zutaten und sorgfältige Zubereitung sollen jeden Teller zum Genuss machen.

Das Team des Hewad im Restaurant
Das Team
Das Team vom Hewad. © Rainer Germann

Die Küche

Ein Gewürzpanorama mit Reis

Dank der afghanischen Großmutter

Wir starten, auch aus nostalgischen Gründen (vielen Dank, Peter E., damals im „Pamir“), mit dem vielleicht besten Kürbisgericht (der aufmerksame Leser wird bemerken, dass beim Autor heute gern der Superlativ bemüht wird): „Borani Kadoo“ sind Stücke von einem „sanft geschmorten“ Kürbis in einer „süßlich, würzigen“ Tomaten-Safran-Soße, angerichtet auf einem „cremigen Quarkbett“ mit afghanischem Fladenbrot (7,50 Euro). Schöner als die Karte kann man es nicht beschreiben. Und es schmeckt, ja, fantastisch. Vielen Dank der afghanischen Großmutter, dass sie dem Autor das Babybrei-Kürbissuppen-Trauma (bereits vor Jahren) genommen – und in Erinnerung gebracht hat, wie das Fruchtgemüse auch schmecken kann.

Und jetzt kommt er, der berühmte Reis

Grundlage ist ein Basmati, der im Ofen praktisch unter ständiger Zugabe von Brühe gebacken wird. Im Hewad wird er in fünf verschiedenen Varianten angeboten: „Tschalau“, nach afghanischer Art, das heißt mit diversen Gewürzen wie Kardamom, Kreuzkümmel, Zimt etc.; „Palau“, braun gebacken mit den erwähnten Gewürzen plus Nelken, Sternanis, Lorbeer; „Quabeli Palau“, mit zusätzlich Mandelsplittern, Karottenstreifen und Rosinen; „Samarod Palau“ mit Spinat und „hauseigenen“ Gewürzen und „Narendj Palau“, mit Mandeln und süß-pikanter Bitterorangenschale.

Lamm, Huhn und Mantu

Dazu werden Lamm und Huhn in diversen Variationen und zwei Zubereitungsarten gereicht: geschmort und vom Grill. „Quabeli Wa Badenjan Borani“ heißt die gegrillte Hähnchenbrust mit „Quabeli Palau“-Reis, gebratenen Auberginen und einer Tomaten-Zwiebelsoße auf Quarkbett (18,90 Euro). Einfach sehr gut. Was für ein Geschmackspanorama – alle Gewürznoten sind aufgrund der schonenden Zubereitung immer noch vorhanden, ohne das Gericht zu dominieren. Das gilt auch für das Lamm – sanft geschmort, dazu diesmal der Bitterorangenschalen-Reis, konnte es auf ganzer Linie überzeugen. Erwähnenswert ist auch der raffiniert gewürzte Spinat als Beilage – überhaupt kann man sich hier seinen Teller über die regulären Empfehlungen hinaus auch selbst zusammenstellen. Nicht unerwähnt, weil ebenfalls richtig gut, sollte auch die Hewad-Interpretation des afghanischen Nationalgerichts sein: „Mantu“ sind Teigtaschen (erinnern entfernt an Gyoza), die mit einer würzigen Hackfleisch- und Zwiebel-Farce gefüllt sind, und mit einer Linsensoße auf Quark serviert werden.

Was kostet es?

Preise im Hewad

Bei unserem Besuch im November 2024 kostete das Borani Kadoo 7,50 Euro und die gegrillte Hähnchenbrust mit Quabeli Palau 18,90 Euro. Auf der Speisekarte des Hauses (Stand März 2025) liegen die Hauptgerichte bei rund 18 bis 24 Euro. Weil sich Karte und Preise ändern können, lohnt vor dem Besuch ein Blick auf die Angaben des Hauses.

Fazit: Küchenchef und Inhaber Ahmad Qayum Nawabi betört in seinem Restaurant bereits mit dem Duft der Speisen die kulinarischen Sinne – durch die jahrzehntelang geschulte Zubereitung kann der Genießer hier in eine faszinierende (Ess-)Kultur eintauchen, die auf höchst subtile Art mit Aromen spielt. Das Spektrum liegt auf einem Wechsel zwischen süß und pikant, ohne übertriebene Schärfe. Selten so gut gegessen in letzter Zeit. Eine neue Heimat – zumindest kulinarisch.

Rainer Germann schreibt seit vielen Jahren die Gastrokritiken für IN München.

Auf einen Blick

Hewad Öffnungszeiten, Adresse und Kontakt

AdresseUnterer Anger 16, 80331 München
Das Hewad liegt etwas verborgen zwischen Hauptfeuerwache, Baureferat-Hochhaus und Jakobsplatz.
ÖffnungszeitenTäglich: 17.00–23.00 Uhr, laut Haus auch an Feiertagen
Tische in zwei Zeitfenstern (18 Uhr und ab 20 Uhr)
ReservierenTelefonisch unter +49 89 18902440