Two performers at a grand piano smiling for the audience in a dimly lit venue.

IN-München-Review: So war’s bei … Adele Neuhauser

Die Schauspielerin Adele Neuhauser gewährte in der Reihe „Die Kraft der Musik“ im Künstlerhaus emotionale Einblicke in ihr Leben

Sie ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen Österreichs und auch dem deutschen Publikum nicht nur als Tatortkommissarin Bibi Fellner an der Seite von Harald Krassnitzer bekannt. In der Salon-Gesprächsreihe „Die Kraft der Musik“ beginnt sie passenderweise zusammen mit dem Moderator und Pianisten Markus Kreul mit einem Lied von Mikis Theodorakis, „Kaimós“ (Kummer/Sehnsucht/Seelenschmerz). Neuhausers Altstimme passt perfekt zu dieser von mediterraner Melancholie geprägten Ballade, die sie, was sich später noch herausstellen wird, nicht zufällig als Einstieg gewählt hat – als sie danach im Gespräch mit Kreul im Lehnstuhl (fehlte nur noch das Kaminfeuer) vor den riesigen, wunderschönen Künstlerhaus-Jugendstil-Wandbildern von ihrer Kindheit auf der griechischen Kykladen-Insel Amorgos erzählt, hat man regelrecht die weißen Häuser der Chora vor dem glitzernden Meer vor Augen und den Geruch von Salz, wildem Fenchel und Salbei in der Nase.

Two musicians at a grand piano during a performance, woman standing and smiling beside the pianist as the audience listens in a dimly lit venue.
Adele Neuhauser und Markus Kreul (c) Sigi Müller

Neuhauser ist eine große Erzählerin, schildert die Rückkehr auf die Insel – die sie mit ihrer Familie im Alter von vier Jahren Richtung Wien verlassen hat –, um zusammen mit ihrem Bruder 2017 die Asche ihres Vaters Georg dort zu verstreuen. Schicksal und Kummer schlugen mit aller Heftigkeit zu: Innerhalb eines Jahres verlor sie auch die Mutter und schließlich ihren Bruder, für den sie gar eine kompatible Stammzellenspenderin war, exakt auf den Tag ein Jahr nach dem Ascheritual auf Amorgos. Höchst emotional und bei Musikeinspielungen zum Teil auch richtig angefasst erzählt sie aus ihrem Leben einem Publikum, das ihr an den Lippen hängt: von dem Aufwachsen in der Waldviertler Künstlerfamilie ihrer Großeltern, der Mutter, die selbst Schauspielerin werden wollte und früh mit ihrem Halbbruder die Familie verließ. Man erfährt, dass sie schon mit sechs Jahren Schauspielerin werden wollte, später Leichtathletin und Tänzerin, dass sie mit 16 am Max-Reinhardt-Seminar abgelehnt wurde, mit zwanzig nach Deutschland übersiedelte und bis zu ihrem 21. Lebensjahr mehrere Suizidversuche unternahm. 2008 verlor sie aufgrund eines Ödems ihre Stimme – nach der Operation erhöhte sich diese etwas und sie wurde zum Glück nicht mehr mit „Herr Neuhauser“ am Telefon angesprochen.

Smiling woman in black blazer and white-collared shirt standing in a doorway, wearing pink pants against a dark background.
Adele Neuhauser (c) Sigi Müller

Die große Liebe ihres Lebens war der Schauspieler, Regisseur, Musiker und Drehbuchautor Zoltan Paul, mit dem sie von 1981 bis 2006 verheiratet war. Aus der Ehe ging Sohn Julian Pajzs hervor, ein erfolgreicher Filmkomponist und Jazzgitarrist. „Ohne Musik geht es einfach nicht“ – ihr Leben sei von ihr geprägt seit dem ersten Kontakt in Form des Saiteninstruments Bouzouki auf Amorgos. Später folgten Rembetika, die Filmmusik aus den Marx-Brothers-Filmen und vom Komponisten Spike Jones, der seine Melodien oft mit Geräuscheffekten untermalte. Und ihre Liebe zum Blues einer Billie Holiday und lateinamerikanischer Musik, die mit dem Film „Orfeu Negro“ geweckt wurde. Dazwischen singt sie Hildegard Knefs „Eins und eins, das macht zwei, drum küss und denk nicht dabei …“ – auch dieses Chanson intoniert sie mit Verve und Charme – der Gedanke drängt sich auf, dass ein Album mit Rembetika, Chanson, Jazz, Blues und vielleicht ein, zwei Wiener Liedern ein Geschenk nicht nur für die anwesende Musikgemeinde wäre und die Tür zu einer Nebenkarriere öffnen könnte. Zum Schluss dann noch „Schade, dass wir auseinandergeh’n“ – wie die beiden anderen Stücke ebenfalls arrangiert für diesen Abend von Alexander Krampe. Passender konnte dieser Abend nicht zu Ende gehen.

Als nächste Künstlerin gastiert Ute Lemper am 19. Januar in der Reihe „Die Kraft der Musik“ von Markus Kreul, sie tritt auch an den folgenden zwei Tagen (20./21.1.) in der Reihe „Starke Stimmen“ von Tristan Berger auf.

Alle Infos und Programm hier