Der blinde Passagier
Münchner Volkstheater - Bühne 1

Der blinde Passagier

Samstag, 26.09.2026
19:30 Uhr – 21:15 Uhr

Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1, Tumblingerstraße 29, 80337 München
Theater

Der blinde Passagier

von Maria Lazar

1938. Ein dänisches Paketboot liegt vor der deutschen Küste bereit zur Abreise in die Heimat. An Bord befinden sich Kapitän Petersen, seine Kinder Carl und Nina sowie Steuermann Jörgen, Ninas Verlobter. Am frühen Morgen hat Carl einen Mann aus dem kalten Wasser gezogen und ihm so das Leben gerettet. Der fremde Mann heißt Fritz Hartmann und wird als jüdischer Arzt von den Nationalsozialisten verfolgt. Er braucht Hilfe und hofft auf einen Weg über die Grenze. Ohne zu zögern versteckt Carl ihn unter Deck. Doch lange bleibt der blinde Passagier an Bord des kleinen Schiffs nicht unentdeckt und das eben noch sichere Versteck wird zunehmend zur Gefahr. Denn auch wenn Carl und Nina dem Mann in Not über die deutsche Grenze helfen wollen, möchte vor allem Jörgen kein Risiko eingehen. Die Situation spaltet die vierköpfige Crew und drängt sie in eine moralische Zerreißprobe, deren Ausgang womöglich über Leben und Tod entscheidet.

„Der blinde Passagier“ ist eines von insgesamt drei Theaterstücken aus dem erst kürzlich veröffentlichten Nachlass der österreichischen Schriftstellerin Maria Lazar.

1938/1939 im dänischen Exil entstanden, zu einer Zeit also, in der Lazar selbst aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurde, fragt die Autorin in diesem Stück in aller Schärfe und mit viel Präzision nach Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung im Angesicht faschistischer (Un-)Rechtssysteme. Denn: Halten Werte stand, auch wenn sie das eigene Wohl bedrohen? Und wie viel ist man tatsächlich bereit, für einen Fremden zu riskieren? Ein dichtes und poetisches Drama über Zivilcourage und Zusammenhalt, das von erschütternder Aktualität ist.


Premiere am 21. Mai 2026


Produktion

Regie: Adrian Figueroa

Bühne: Irina Schicketanz

Kostüme: Malena Modeer

Musik: Ketan Bhatti

Video: Benjamin Krieg

Lichtdesign: Anja Sekulic

Dramaturgie: Anouk Kesou

Regieassistenz: Yuan Yi Danneil, Rebecca Fischer

Bühnenbildassistenz: Ines Grassmann

Kostümassistenz: Julie Fritsch


Besetzung

Petersen, Kapitän: Jonathan Müller

Nina, seine Tochter: Lola Dockhorn

Carl, sein Sohn, Leichtmatrose: Cedric Stern

Die Mutter: Carolin Hartmann

Jörgen, Steuermann: Alexandros Koutsoulis

Hartmann, ein Fremder: Silas Breiding



Die Besprechung unseres Theaterexperten Peter Eidenberger:

Das literarische Werk von Maria Lazar (1885 – 1948) wird erst seit einigen Jahren wiederentdeckt. Insgesamt drei Dramen sind darunter, die österreichische Kommunistin aus großbürgerlicher Familie, die bereits 1933 ins Exil geht, schreibt unter dem Eindruck der Nazi-Zeit 1938/39 das Stück Der blinde Passagier. Eine Fluchtgeschichte, am Volkstheater ist das Krimi und Verhaltensstudie in grauen, suggestiven Bildern.


Bühnenportalgroß dümpelt das Wasser auf dem Videoscreen, Hafengeräusche, irgendwo platscht es – so beginnt der gut 90-minütige Abend. Auf der schwarzen Bühne die Hälfte eines kleineren Schiffes, eines Paketbootes, die Bordwände haben große Fenster für den Blick ins Innere: Kombüse, Kajüte, Koje. Eine Enge, der man nicht entkommen kann. Mit an Bord: die zwei Kinder des Kapitäns ( Jonathan Müller). Carl (Cedric Stern) hat einen Mann aus dem Wasser gerettet: Hartmann (Silas Breiding) ist vor der Hafenpolizei geflohen und zu dem dänischen Schiff geschwommen, das gerade in einem deutschen Hafen ankert. Nina, die Schwester (Lola Dockhorn), versteckt ihn, Jörgen, ihr Freund und Steuermann (Alexandros Koutsolis) hat was dagegen. Weil er Jude ist. Und später: weil er zum Nebenbuhler wird.


Wie umgehen mit der Situation, mit dem Verfolgten ohne Pass, wie helfen ohne die eigene Existenz aufs Spiel zu setzen? Das sind die Fragen, die den Stoff aus dem Zeitbezug der 1930er Jahre lösen, parabelhaft werden hier Grundfragen moralischen Handelns verhandelt: man denkt an Dürrenmatt, an Siegfried Lenz. Die grauen Typen – nur die Tochter träumt sich mit ihrem gelben Kleid in ein anderes Leben – geraten ein bisschen holzschnittartig, wirken ausgestellt und etwas fern mit ihren Mikroport-Stimmen hinter den Glasscheiben. Aber Regisseur Adrian Figueroa hat das große atmosphärische Bild im Kopf. Und das zieht in den Bann: das Kammerspiel ergänzt mit der Videotechnik, die Gesichter groß wie Seelenlandschaften in den Raum wirft; der unheimlich treibende Sound; das Lichtdesign: fahl bis blendend (Suchscheinwerfer). Und die verschiedenen Ansichten des Bootes auf der Drehbühne, bis es am Ende in die Tiefe strudelt. Großer Beifall. Und ein Buh.

Termine & Tickets*

Samstag, 26.09.2026 19:30 Uhr – 21:15 Uhr Tickets
Donnerstag, 01.10.2026 19:30 Uhr – 21:15 Uhr Tickets
Samstag, 17.10.2026 19:30 Uhr – 21:15 Uhr Tickets
+ weitere Termine

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Veranstaltungsort / Karte

Münchner Volkstheater / Münchner Volkstheater – Bühne 1
Adresse: Tumblingerstraße 29, 80337 München

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