Darkened statue of a classical figure facing forward against a moody sky.

Glosse: Könige und Vandalen

Nach nur einer Woche war das Kini-Denkmal bereits beschmiert. Ein paar Gedanken.

Dass es dann echt nur eine Woche gedauert hat, bis das neue Denkmal für König Ludwig II. von Vandal*innen besprüht wurde, ist wahrlich schade. Das sag auch ich als wenig Königstreuer, an der bayrischen Monarchie recht uninteressierter. Die „romantische Ruine“, als die das Denkmal auf der Corneliusbrücke ausgestaltet ist, halte ich für sehr gelungen und sie lädt schön zum Verweilen ein. Und am Verweilen interessiert bin ich. Nur gab es kritische Stimmen: „Im Jahr 2026 noch neue Denkmäler für Alleinherrscher? Nein, danke!“

Nehmen wir an, die Vandal*innen haben aus diesen Gründen das Denkmal ausgewählt: Wenn man durch Sprayen die Geschichte kritisieren will, schmiert man eben auch auf die Geschichte. Die ganze! Und die ist nun mal, dass -erstens- König Ludwig der II. von Bayern kurz vor seinem Tod wegen „moralischem Irresein“ -einer Chiffre für seine Homosexualität- entmündigt wurde.

Zweitens: Auf der Corneliusbrücke stand bis 1943 bereits ein Denkmal für ihn, das im Zuge der „Reichsmetallspende“ zur Herstellung von Waffen eingeschmolzen wurde. Dabei war er der einzige bayerische Herrscher dessen Denkmal die Nazis in München opferten. Wir springen für den dritten Punkt ins Jahr 2019 als sich der gemeinnützige Verein „Ludwig II.-Denkmal e.V.“ gründete. Treibende Kraft dahinter ist bis zum heutigen Tage Dietmar Holzapfel vom Hotel Deutsche Eiche – ein wichtiger Ort der queeren Szene Münchens. Über die Jahre werden insgesamt ca. 220.000 Euro private Spenden zusammengetragen, die Denkmalspläne nehmen Gestalt an und am 13. Juni 2026, am 140. Todestag des Kinis wird es feierlich eingeweiht. Eine Woche später: vollgesprüht.

„The Medium is the Message!“

Kurzer Exkurs: Der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan machte 1964 mit folgender These von sich reden: „The Medium is the message“. Heißt was? Wenn man „Ich liebe dich“ in den Himmel schreibt, ist die Nachricht eine andere, als wenn man sie nach dem siebten Bier einer Person ins Gesicht lallt. Bei gleichem Wortlaut.

Aufs Denkmal bezogen: Ja, bei der Einweihung war Markus Söder vor Ort, den man aus einem ganzen Strauß von Gründen für unfähig bis unmenschlich halten darf und auch die Polizei kann man (aus ebenso vielen Gründen) überhaupt nicht gut finden. Aber wenn man deswegen „1312“ (steht für „All Cops Are Bastards“) auf den Kini sprüht, macht man keine groß angelegte Kritik am Polizeiwesen in seiner streng-bayrischen Ausprägung, sondern man beschmiert das Denkmal einer tragischen Ikone der queeren Szene. In einem gesellschaftlichen Klima, in dem regelmäßig gegen queere Personen gehetzt wird. Im Pride Month. Die „Message“ verblasst hinter dem „Medium“. Niemand spricht über die Polizei. Alle reden darüber, dass die Statue -das Medium- beschmiert wurde: Eine königlich dumme Aktion.