Das Klimenti’s in Haidhausen bietet anspruchsvolle Mittelmeerküche, wie man sie eher selten bekommt.
Klar, sitzt man jetzt gerne auf der großzügigen Terrasse, aber auch innen sieht es gut aus: Allein die Designerlampen aus der ehemaligen Phantom Bar am Maximiliansplatz sind ein Blickfang. Das gilt auch für die offene Küche gleich neben dem Eingang, in der Gastgeber und Küchenchef Mete Klimenti seine – so viel sei schon mal verraten – auch höchst ansehnlichen Teller zaubert. Seit 1995 ist der ursprünglich aus dem Kosovo stammende Chef in München, seit 1997 in der Gastronomie tätig, u. a. im Phantom-Nachfolger Klimenti’s Bar und als Veranstalter des „New York Brunch“ im Filmcasino, Cavos und Armani Café. Als sich die Gelegenheit bot, ein türkisches Pita-Restaurant in der Kellerstraße in Haidhausen zu übernehmen, schlug Mete vor acht Jahren zu.
Der Zeitpunkt war eher suboptimal: Erst gab es Probleme mit einem Vermieterwechsel und danach ein Auf und Zu wegen Corona. Dass der Gasteig nebenan zur selben Zeit ween Renovierung seine Zelte abgebrochen hat, war nicht so schlimm: Auf ein Vor-dem-Konzert-Publikum würde sein Konzept ohnehin nicht passen, meint der Klimenti. Der kreative Koch-Quereinsteiger, der das Restaurant mit rund 60 Innenplätzen, 70 auf der Terrasse, einem riesigen, toll renovierten Weinkeller und der Eventlocation „Little Klementi’s“ nebenan zusammen mit seiner sympathisch im Service tätigen Frau Elida betreibt, setzt auf moderne, gehobene mediterrane Küche mit Einflüssen aus Italien, Griechenland, Spanien und seiner Heimat, für die man sich Zeit nehmen sollte. Gesagt, getan: Auf Einladung des Hauses waren wir vor Ort und haben eine genussvolle Reise ans Mittelmeer erlebt.
Nach einer Runde Aperitivo (Champagner, Crodino, Negroni) ging es los mit einem sommerlichen Gruß aus der Küche: Auf einem „The Taste“-Löffel gab’s ein Türmchen aus Wassermelone und Feta mit Basilikum und Trüffelhonig. Dazu ein Gläschen Rosé von der Domaine Mirabeau aus der Provence – so darf es gerne weitergehen. Wir teilten uns vier Vorspeisen von der Karte: Jakobsmuscheln im krossen Strohteigmantel auf Bete-Carpaccio mit Mango-Maracuja-Sweet-Chili-Vinaigrette; handgeschnittenes Rindertatar mit Schalotten und Kräutern sowie getrüffeltem Eigelb; französischer Ziegenkäse vom Grill mit Trüffel-Honig-Vinaigrette auf mariniertem Rote-Bete-Carpaccio sowie Artischockenherzen, mit Kräutern mariniert, vom Grill, dazu Rucola und frisch gehobelter Parmesan. Was soll man sagen: Alles war sorgfältig angerichtet, sinnvoll portioniert und vor allem geschmacklich überzeugend. Besonders angenehm: Die Vinaigrettes waren hier keine bloße Dekoration, sondern setzten Akzente und gaben den Gerichten einen zusätzlichen Kick.
Weiter ging es mit rosa gebratener Rinderlende vom Grill mit Feta-Senf-Kruste, Kartoffelpüree, Karotten und Portweinjus – das Fleisch perfekt gegart, das Kartoffelpüree mit Rote-Bete-Stückchen geerdet, die Kruste würzig mediterran. Dazu ein Schlückchen Primitivo di Manduria. Zum parallel gereichten Loup-de-Mer-Filet vom Grill auf Parmesan-Kräuter-Risotto, Kartoffelstroh und einer Senf-Kurkuma-Zitronen-Vinaigrette wurde ein Saar-Riesling von Van Volxem eingeschenkt. Der Fisch mit rescher Kruste, das Filet à point, das Risotto vielleicht ein bisschen arg kompakt – aber das ist Geschmackssache –, die Vinaigrette ein frischer Kontrapunkt. Ein weiteres Highlight war das Perlhuhn-Suprême mit Dattel-Feta-Füllung, getrüffeltem Kartoffelpüree, gegrillten Trauben und einer Senf-Kurkuma-Vinaigrette – allein die Füllung ist einen Besuch wert, auch die gegrillten Trauben waren ein super Match. Und dann noch die Nachspeisen: Tonkabohnen-Crème-brûlée, Baileys-Panna-Cotta mit Beerenragout sowie warmes Schokoladensoufflé mit Vanillesauce und frischen Beeren – auch hier wieder großer Genuss ohne Zuckerschock und mit viel Eigengeschmack.
Fazit: Auch wenn wir eingeladen waren, ließ sich die Begeisterung für Küche, Service und Weinkeller nicht nur am eigenen Tisch beobachten. Mediterrane Küche auf diesem Niveau hat ihren Preis – Vorspeisen ab 16,90 Euro, Hauptgerichte ab 34,90 Euro, Desserts ab 10,90 Euro. Gleichzeitig gibt es derzeit genug gehypte Neueröffnungen, bei denen man ähnlich viel bezahlt und deutlich weniger bekommt. Dafür, dass Mete Klimenti kein klassisch ausgebildeter Koch ist, bewegt er sich bemerkenswert souverän in einer Liga, deren Anspruch, Produktästhetik und Tellersprache bereits klar in Richtung Fine Dining weisen. Respekt.
- Name: Klimenti’s
- Adresse: Kellerstr. 1 (Eingang Preysingstr. 2), 81667 München
- Öffnungszeiten: Di-Sa: 18 bis 24 Uhr
- Website: www.klimentis.de
