Christian „Chris“ Lehner ist nun seit genau 20 Jahren das sympathische Gesicht vom Park Café. Grund genug, sich mit ihm darüber auszutauschen – unter anderem über wilde Partys, das neue Programm und viele persönliche Momente.
Große Gratulation: Das Park Café wird nun seit 20 Jahren von Dir betrieben. Wann hast Du das erste Mal vom Park Café gehört?
Christian Lehner: Ich habe bereits Mitte der 70er Jahre vom Park Café gehört. Als ich noch ein kleines Kind war, kam extra meine niederbayerische Oma nach München, damit meine Eltern am Sonntagnachmittag zum legendären Tanztee ins Park Café gehen konnten, während sie auf mich und meine Geschwister aufgepasst hat. Das musste ja dann schon was ganz Besonderes sein, wenn meine Oma extra anfährt – nur damit Mama ihr Glasl Sekt und Papa sein Weißbier bekommt und beide das Tanzbein schwingen.
Wie sah der erste persönliche Kontakt zum Park Café aus?
Als ich dann 16 Jahre alt war, hat Prince hier ein Privatkonzert gegeben. Durch irgendwelche wirren Kanäle war das an mich herangekommen, ich war großer Prince-Fan. Also habe ich mir dann nach der Schule mein schickstes Hemd angezogen, Jackett mit Schulterpolster dazu, den händisch aufgewerteten Schülerausweis eingepackt und bin mit der U-Bahn in die Stadt reingefahren. Nur um dann fast zwei Stunden vor der Tür zu warten, am Türsteher zu scheitern und dann wieder heimzufahren. Was heute sehr lustig ist: Alex Onken von München TV stand genauso vor der Tür und kam nicht rein. Wir sind ähnliche Jahrgänge. Wir kannten uns damals noch nicht. Jahrzehnte später haben wir das mal bei einer zünftigen Wiesn-Maß festgestellt.

Wie ging es weiter?
Später, mit Anfang Zwanzig war ich dann aber trotzdem Stammgast im Park Café. Ich hab ums Eck gewohnt und im Enchilada vorne am Stiglmaierplatz an der Bar gearbeitet. Das Park Café war damals einfach ein sensationell cooler Club, hatte echt lässige Jungs und Mädels an den Bars, coole DJs und immer eine super Stimmung. So ganz ohne Handy und Kameras hatten wir hier einfach einzigartige Nächte. Nachdem mein eigentlicher Berufswunsch DJ war, habe ich immer wieder Kontakt zu den Veranstaltern und Betreibern gesucht. Ich durfte sogar einen Abend im Park Café auflegen, allerdings war ich nur der „Vorglüher“ zum Eintreffen der ersten Gäste. Als es dann losging, hat einer der damaligen Residents übernommen und ich habe mit meinen Freunden einfach mitgefeiert.
Kannst Du uns bitte kurz ein wenig von der Historie des Park Cafés berichten?
Das Haus entstand in den 1930er Jahren auf dem Grundstück des riesigen Glaspalastes. Im zweiten Weltkrieg hat das Gebäude mehrere Bombentreffer erlitten. Ab 1952 wurde es wieder in seiner ursprünglichen Form aufgebaut, die ein oder andere räumliche Veränderung wurde angepasst und so steht das Gebäude heute noch. Der Betreiber Kurt Lustig hat dann ein feines Restaurant draus gemacht und den sonntäglichen Tanztee mit Livemusik erfunden. Es gab schicke Küche, Sekt und Stofftischdeckchen. Wir haben die auf feine Seide gedruckte Menükarte des Silvesterabends 1964 von treuen Stammgästen bekommen und diese im Foyer ausgestellt. In den 80er Jahren haben dann Inge und Hansi Grandl einen Club aus dem Haus gemacht, dieser hatte über die Jahrzehnte mehrere Pächterwechsel, Consti Wahl, Christian Schottenhamel, Norbert Schmitz haben unter anderen hier ihre gastronomische Jugend erlebt und jeweils wilde Parties veranstaltet. Mit dem Kunstpark Ost ist das Nightlife abgewandert, die Innenstadt hat sich komplett verändert, so kam es dazu, dass sich die damaligen Verpächter (Löwenbräu) auch auf Druck der Nachbarschaft für ein nicht mehr ganz so exzessives Konzept entschieden haben. Das war dann die Chance für meine Frau Katrin und mich.
Wie kam es damals dazu, dass Du den Zuschlag bekommen hast, das Park Café zu leiten?
Es war komplett top secret, die damaligen Betreiber wussten noch nicht, dass ihr Vertrag demnächst wohl beendet werden soll. Ich wurde mit meinem damaligen Kompagnon eigeladen, mal das Objekt „Sophien 7“ anzuschauen. Nachdem hier gerade drum herum ein kompletter Stadtteil entstand, dachten wir natürlich, dass das hier in einem der Neubauten sein müsste. Wir waren dann irgendwann echt spät dran, es fing tierisch zu regnen an und wir haben uns unter dem Portikus vom Park Café untergestellt, um unseren Kontaktmann anzurufen und zu fragen, wo zum Geier denn die Hausnummer 7 ist. Dabei habe ich mich umgedreht und das Hausnummernschild mit „Sophienstraße 7“ am Eingang gesehen… Da ich damals auch schon ein großer Fan vom Park Café und dem benachbarten Nachtcafé war und in meinen Betrieben „The Big Easy“ und „Enchilada“ schon irre viel Livemusik und DJs gemacht hab, war eigentlich klar, dass ich endlich die Möglichkeit hatte, alles in einem Haus zu bieten: Mittagstisch, Livemusik, Day-Drinking, Biergarten, Eisstock-Gaudi, DJs und Konzerte, Fußball-Events, Firmenfeiern, Hochzeiten und so weiter. Das kam sowohl bei den Verpächtern, der Stadt München, den Nachbarn und allen Behörden super an. Wir haben vom ersten Tag an eine ausgestreckte Hand erhalten von allen Seiten. Unsere Nachbarn kommen alle regelmäßig zu uns, die Mitarbeiter der umliegenden Firmen, Behörden und auch vom Finanzamt kommen zum Teil täglich vorbei. Zur Kaffeepause, Mittagstisch oder auch zur wohlverdienten Feierabendhalben…
Apropos Geschichten: man erzählt sich generell von vielen wilden Zeiten im Park Café, auch bevor Du den „Laden“ übernommen hast… was fällt Dir da ein?
Hier war es einfach lustig, laut und gerne auch schräg. Norbert Schmitz hat hier den Blub Club erfunden. Das war die erste Partyreihe in München, die nicht am Wochenende stattfand, sondern einmal im Monat an einem Werktag. Zur Premiere hat er einfach unglaublich coole Musik gespielt, alle Fenster blind gemacht und niemanden reingelassen. Beim zweiten Termin ist das Haus dann schier aus allen Nähten geplatzt. Später gab es auch den genialen U.S. Breakfast Club: das heißt Sonntagmorgen wurde zum Brunch geladen, dazu haben heute noch stadtbekannte Top DJs wie Jo Kraus aufgelegt. Damals noch völlig unbekannt. Es gab einfache amerikanische Frühstücksgerichte, Pancakes, Kaffee mit Refill und Sammeltassen. Eine dieser Tassen steht heute noch als Kugelschreiberhalter auf meinem Schreibtisch.
Du hast ein großes Programm zum Jubiläum: was ist alles geboten?
Wir feiern bereits seit Januar mit verschiedenen Aktionen, kulinarischen Angeboten und Specials. So haben wir den „funky Friday“ ins Leben gerufen und laden jeden Freitag ab 21h zum Grooven ins Wochenende. Da ich ja alle DJs und DJanes in München persönlich kenne, geben die sich Woche für Woche die Ehre und spielen ihre Favourites. Dazu fährt die 500kg schwere Wand hinter der Bar wie von Geisterhand gesteuert hoch und los geht´s! An den Samstagen spielen wir tagsüber DJ-Sounds im Garten und laden zum Day-Drinking mit Special-Preis für hausgemachte Bowle und Aperol Sprizz an der Außenbar. An Sonntagen und Feiertagen spielt morgens zum Frühschoppen jede Woche ein andere Liveband. Im Juni startet die Fußball WM, dazu haben wir uns auch jede Menge einfallen lassen, vom VIP-Bereich mit Programm, wie in der Lounge in der Allianz Arena, bis hin zur speziellen Stadionkarte und einem Dutzend Fernseher in allen Größen, damit man die Spiele auch überall gut sehen kann. Im Herbst starten wir dann – pünktlich im Oktober – wieder mit dem besten Brunch der Stadt und werden auch hier diverse Aktionen und Programmpunkte dazu starten. So richtig langweilig wird uns eigentlich nie hier…
Wenn Du auf Deine 20 Jahre Park Café zurück schaust – wie fühlt sich das an?
Wahnsinn. Schon 20 Jahre? Ich kann mich noch wie gestern dran erinnern, wie hier alles losging. Ich bin immer noch jeden Tag dankbar und glücklich, in einem derart tollen Haus zu arbeiten. Im Herzen der Stadt und doch im Grünen. Mit irrer schöner Architektur und wundervollen Menschen. In den 20 Jahren habe ich hier unglaublich viele und besondere Menschen kennenlernen dürfen. Egal ob als Mitarbeiter, Gäste, ja sogar bei den Behörden und der Münchner Stadtverwaltung. Vor allem seit der Neuausrichtung des alten botanischen Gartens ist es einer der schönsten Plätze in München, an dem ich im Regelfall sechs Tage die Woche arbeite. Das Besondere ist einfach diese verrückte Mischung aus Business Location für Firmenfeiern, Speiserestaurant für die Nachbarschaft, Biergarten für jedermann, abendliche Lounge und Startpunkt für die Gäste in Richtung Nightlife, die dafür sorgt, dass einem hier nie langweilig wird. Diese ungreifbare Mischung aus Gästen aus allen Altersstufen und zum Teil aus aller Welt schafft hier eine einzigartige Atmosphäre und schafft täglich wunderbare spannende Begegnungen. Das macht Spaß und süchtig! Ich brauche keine großen Hobbys, mein Hobby ist mein Laden und das Leben fügt sich herrlich drum herum.
- Name: Park Café
- Adresse: Sophienstraße 7, 80333 München
- Öffnungszeiten: Mo-Fr: 11.30-15/17.30-23 Uhr; Sa: 13 bis 24 Uhr
- Webseite: www.lacodo.de
