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Weitere Theater-Highlights im Juni

Tschitti Tschitti Bäng Bäng ab dem 23. Juni im Gärtnerplatztheater

Es gibt noch Bühnewerke, die Mut machen. Man kann dem Chaos auch mit Gelassenheit begegnen

Er war zwar schon vor acht Jahren in den Kinos, als die Welt vom Brexit-Irrsinn und Trumps Tanz rund um den roten Atombombenknopf noch nichts wusste. Aber plötzlich scheint Lars von Triers eigenwillige Endzeiterzählung Melancholia doch das Stück der Stunde zu sein. 

Was ihren Sog ausmacht, ist die beunruhigende Unausweichlichkeit und die fast schon sterile Seelenruhe, mit der es dem Unausweichlichen entgegengeht. Justine kann davon ein Liedchen singen. Von außen betrachtet läuft doch in ihrem Leben angeblich alles ganz glatt. Auch privat: Ihr Michael liebt sie so, wie man sich das nur wünschen sollte. Und die Hochzeit steht kurz bevor. Doch dann taucht am Himmel der lange unentdeckte Planet auf, der mit unerbittlicher Geschwindigkeit auf die Erde zurast. Erst als Justine klar ist, dass das Ende der Welt nicht mehr aufzuhalten ist, stellt sich bei ihr so etwas wie Ruhe ein. Was soll man aus diesem Befund über unsere kranke Gesellschaft ableiten? Das ist die bange Frage, die sich Regisseur Felix Rothenhäusler in seiner Bühnenadaption stellt. (Kammerspiele, ab 15.6.)

Vielleicht wird das Miteinander ja aber auch tatsächlich einfacher, wenn wir es immer mehr nicht mit Menschen, sondern mit Maschinen als Gegenüber zu tun haben. Mit dem unheilvollen oder vielleicht doch segensreichen Siegeszug künstlicher Intelligenzen beschäftigt sich die „Politik der Algorithmen“-Reihe, die nun mit Pillow Talk zu einem Ende kommt. In der Performance von und mit Begüm Erciyas sieht sich das in einer Kissenlandschaft gebettete Publikum einen schwer einzuschätzenden Gesprächspartner gegenüber. Ist es eine Person? Oder eine virtuelle Stimme? Und warum ist das überhaupt wichtig? (Kammerspiele, 14./15./16.6.)

Unsicherheit auch hier: Es ist das verflixte „Ja, ich will“ oder „Willst du?“, mit dem man sich immer wieder konfrontiert sieht, wenn man nur mal nicht schnell genug bei einer der vielen verkitschten Filmromanzen weitergeschaltet hat. Was viele für den schönsten Moment ihres Lebens halten, ist für andere der Übergang in den Auf-immer-und-ewig-Terror und die Flucht in eine Abhängigkeit, die schnell zu scheuern beginnen wird. Caitlin van der Maas hat mit Mitten in der Nacht in einem dunklen Haus irgendwo in der Welt eine Theaterreflexion darauf aufgebaut. Ihr geht es um die Frage, in wie weit die Formen des Zusammenlebens eine zeitgemäße Überformung benötigen. Dafür arbeitet sie mit Motiven aus Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ und greift auf eigene Interviews mit Jugendlichen und Erwachsenen zurück. Spannende Sache. Und sicher auch abschreckend. (Hoch X, ab 26.6.)

Ziemlich privat gestaltet sich der ungewohnt selbstbezügliche Kommentar des Performers Burchard Dabinnus in seinem Flüsterzettel-Abend schon einige Tage zuvor am selben Ort. Erzählt wird von Heiko und Silvie, zwei BND-Mitarbeitern, die sich in den hysterischen Kalter-Krieg-Fünzigern gemeinsam ein Büro in München-Pullach teilen. Was mitten in der Geheimdienstzentrale streng geheim bleiben muss: Die beiden verlieben sich und werden ein Paar. Und weil es damals noch keine abhörsicheren, verschlüsselten SMS-Liebesbotschaften gab, stecken sich Heiko und Silvie im Verborgenen ständig kleine Zettel im Büro zu – mit Herz-Schmerz-Botschaften und Verabredungsplänen. Jahre später tauchte diese „Zettelpost“ dann doch wieder auf – in einem Kellerschrank von Burchard Dabinnus. (Hoch X, bis 16.6.)

Mitten hinein in eine der noch immer unruhigsten Krisenregionen der Welt geht es im dritten Teil der „apokalyptischen Desinformationskampagne“, die das Schwere-Reiter-Team von der Truppe internil führen lässt. Diesmal spielt die Handlung in Israel. Fünf mutige Mitstreiter arbeiten sich am hermetischen Mythos von Gog/Magog ab. Knifflige Geschichte! (Schwere Reiter, 13./15.6.)

Hätte man Bert Brecht eigentlich beim Wort nehmen sollen, als der behauptete, sein 500-Seiten-Textfragment Der Untergang des Egoisten Johann Frazer wäre in Wirklichkeit unaufführbar? Demjan Duran hat sich nicht abschrecken lassen und versucht sich an dem Stück, das von einem Null-Bock-Titelhelden erzählt, der zusammen mit drei Kameraden desertiert und auf eine Revolution wartet. Dumm nur: Die tritt nie ein! (Akademietheater, 26.6.)

Revolutionäre Sprengkraft hatte dagegen ja immer schon die Respektlosigkeit, mit der sich Romeo und Julia bei Shakespeare über die Regeln ihrer lieblosen Elternwelt hinwegsetzten. In der modernisierten #Love-Fassung versuchen Mitglieder der jungen „Kammerklicke“ und des Bellevue Chors herauszufinden, ob sich mit dem Textmaterial auch heute noch gute Antworten auf Fragen rund um Herkunft, Sprache, Religion und Geschlechteridentität finden lassen. (Bellevue di Monaco, 23. bis 26.6.)

Irgendwie auch ein Paar – über alle offensichtlichen Unterschiede hinweg – sind natürlich auch Dr. Watson und sein exzentrischer Mitbewohner. Letztere ist mittlerweile auch ein wenig in die Jahre gekommen. Und es steht zu befürchten, der Meisterdetektiv hätte sein Scharfsinn eingebüßt. Hat er natürlich nicht, wie man in der rasanten, hochtourig humorvollen Musical-Fassung Sherlock Holmes – Next Generation schnell herausfindet. (Deutsches Theater, ab 21.6.)

Und dann wäre da natürlich noch das schwimmende und fliegende Wunderauto, das zwar mit Sicherheit keinen TÜV bekäme, bei aufgeschlossenen Fans aber immer Vorfahrt hat. Tschitti Tschitti Bäng Bäng ist ein Musicalspaß für die ganze Familie. (Gärtnerplatztheater, ab 23.6.)

Autor: Rupert Sommer

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