Kabarett-Highlights

Weitere Kabarett-Highlights im September

Fatih Çevikkollu, Biyon Kattilathu, Masud

Mit diesen Programmen kämpft man gegen Katerstimmung und Völlegefühle an

Selten war es so preiswert, in menschliche Abgründe zu blicken und sich nach allen Regeln des schlechten Geschmacks an den Unzulänglichkeiten der Existenz zu delektieren sowie anderen Menschen beim humoristischen Eiertanz über die Fettnäpfchen hinweg zu sehen. 

Man muss ja nur auf die Wiesn gehen. Und staunen, was sich da so wieder alles zusammenbraut. Etwas gesitteter als einfach nur boshaft ablachen kann am besten im Herzkasperl-Festzelt, das mit einem bunten Maßkrug prall gefüllt mit musikalischen, kabarettistischen Albernheiten aufwartet. Sauber eingeschenkt wird gleich zum Auftakt des Festprogramms, bei dem natürlich der einzig ernst zu nehmen de Franz-JosefStrauß-Wiedergänger Helmut Schleich nicht fehlen darf. Selbiger knöpft den gut gespannten Trachtenjanker auf und sticht für das traditionelle O’zapft-Gaudeum das erste Fass an. (Herzkasperl-Festzelt, 21.9.)

Zum Perspektivwechsel lädt Fatih Çevikkollu in seinem bissigen „Fatihmorgana“-Solo ein. Auch er weiß: Eine Echokammer ist ein Ort, der nur die Realität durchlässt, von der man auch hören möchte. Also gibt es von ihm einen Fußtritt: Denn wer es sich nur in seiner Wohlfühl-Filterblase gemütlich macht, besorgt es sich ständig selbst. Cevikkollu möchte Heroisches wagen: Er will eine Welt, die aus den Angeln gesprochen ist, wieder gerade rücken. Feiner Zug! (Lach- und Schießgesellschaft, 17.9.)

Oder vielleicht doch noch mal zurück aufs Oktoberfest? Mit viel Schmäh und dem siegesgewissen Lächeln im Stil von „A bissl was geht immer“ auf den Lippen. André Hartmann, der hochtalentierte Verwandlungskünstler, schlüpft für „Monaco & Fränz auf der Wiesn“ mal wieder in die Paraderolle es Ewigen Stenzen und stürzt sich ins Geümmel. (Hofspielhaus, ab 15.9.)

Von der locker-flockigen Monaco-Philosophie wäre sicher auch Biyon Kattilathu, der sympathische Inder aus dem Ruhrgebiet, sehr angetan. Er wundert sich allenthalben, warum es den verwöhnten Mitmenschen hierzulande oft so schwer fällt, ihr Leben zu genießen. Die einen trauern der Vergangenheit hinterher, die anderen sind gedanklich schon in der übernächsten Woche, dem anstehenden Urlaub – oder gleich in der Rente. Das neue Programm „… weil jeder Tag besonders ist“ möchte Augen öffnen. (Das Schloss, 19.9.)

Vielleicht hilft ja ein Besuch im „Fucking Famous“-Programm von Masud dabei weiter, endlich wieder auf schöne Gedanken zu kommen. Der Spezialist für „kindisch-ernste Stand-up-Impro-Comedy“ ist nicht nur ein besonders schlagfertiger, sondern eben auch kein besonders grantiger junger Mann. In seinen Shows erkundet er die Welt, als wäre sie ein aufregender Spielplatz voller Fantasie – aber auch nicht ganz ohne Bittersüße. (Schlachthof, 18.9.)

Anders komisch, anders deutsch, anders philosophisch und vor allem sehr direkt ist Nikita Miller. Der Mehr-alszwei-Meter-Hüne stammt ursprünglich aus Kasachstan und ist dann zu allem Unglück auch noch im eher unwirtlichen Stuttgart groß geworden. Sein Haupthaar trägt er so kurz wie einen Streichholzkopf. Die Muskeln sind nicht zu übersehen. Durchtrainiert ist er wie ein Shaolin-Mönch. Und dann ist man doch froh, wenn er sich hinsetzt. „Auf dem Weg ein Mann zu werden“ entblättert seine grimmige Weltsicht. (Lach- und Schießgesellschaft, 20.9.)

Und dann letztlich doch noch ein finales Mal zurück auf die Wiesn. Dort kleidet man sich gern schrill. Und oft platzt mehr aus dem Gewand, als man gerne zur Schau trägt. Gar nicht so leicht also, für Die Wiesn-Show der Travestie mit den üppigen Verlockungen dort zu konkurrieren. Winnie Winter, Conny Condor, Tracy Dash und Dean DeVille versuchen es trotzdem. (Teamtheater, 13./14.9.)

Autor: Rupert Sommer

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