Kabarett-Highlights

Weitere Kabarett-Highlights im Mai

Sebastian Pufpaff, Rainald Grebe, Sissi Perlinger

Weltweite Finanzkrisen, Traumatisches auf dem Mittelaltermarkt, neue Trumpeligkeiten oder der ganz normale Alterungsschock: Meistens hilft eben doch beherztes Weg-Schmunzeln

Bevor andere das machen, wagt er sich lieber selbst ans Verbotene: Er zündet die kleinen Pointen rund um seinen Namen gleich eigenhändig. Puff! Paff! Und dann wird einfach weitergelacht. 

Die fiese Frohnatur mit politischem Hau hat nun in dieser Stadt die ganz große Bühne gefunden: Sebastian Pufpaff ist mit seinem neuen Programm „Wir nach“ doch tatsächlich an der unfein reichen Maximilianstraße zu Gast. Dort kann er Optimismus verbreiten: Einfach Sonnencreme einpacken, die besten Vorurteile mitnehmen und mit Pufpaff auf eine Reise gehen! Wohin soll es gehen? „In die Mitte des Humors“, sagt er. „Denn da entspringt der Sinn des Lebens: Lachen!“ So weit, so schön. Dumm nur, dass alle Beteiligten unterwegs gehörig was abkriegen. Aber auch das lachen wir weg. (Kammerspiele, 24.5.)

Eigentlich ist Chin Meyer ja die Kabarett-Fachkraft für alle Fragen rund ums liebe Geld. Deutschlands Top-Analyst für die überzogenen Lebensverhältnisse hat große virale Berühmtheit erlangt, als er einst in der Sendung von Markus Lanz (Vorsicht: kein Kabarettist! Und auch nicht lustig, obwohl er selbst laut lacht!) die Finanzkrise anhand von „Fuselanleihen“ erklärte. Im neuen Programm „Leben im Plus“ will Meyer die großen Widersprüche in unseren zerrissen Gesellschaft wieder zusammenzwingen: Etwa wie man mental Veganer bleibt, sich aber trotzdem blutige Steaks schmecken lässt. Oder wie man totalitären Neigungen nachgeht, aber trotzdem die Menschenrechte achtet. Und natürlich darf auch der Chin-Meyer-Klassiker nicht fehlen: Wie man Banker ist – und trotzdem sozialverträglich handelt. Weltpolitisches kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Immerhin gilt: Was eben noch ein trotziges fünfjähriges Kind war, kann heute schon der mächtigste Mann der Welt sein. (Lustspielhaus, 28.5.)

Nie so ganz deutlich wird, wohin die Reise bei Rainald Grebe gehen soll. Dafür singt er großartig, streichelt die Klavierpedale mit der Sandalette und trägt die witzigsten Indianerkostüme. Zuletzt war der gute Mann ja viel unterwegs in der Welt – etwa in Abidjan, wo es im dortigen Goethe-Institut doch tatsächlich einen Steinway-Flügel gibt. Grebe reiste an und probte in der Hauptstadt der Elfenbeinküste mit ivorischen Deutschstudenten Volkslieder. Auch so sammelt man Erfahrungen, die sich ja fast wie von Zauberhand in neue Songs gießen lassen. (Circus Krone, 19.5.)

Ein Meister an den Tasten und ein flinker Formulierer ist bekanntlich auch Bodo Wartke. Und doch hat er erhöhten Geltungsdrang. Von dann auf wann will er sich (und dem Publikum) immer wieder mal bewei - sen, dass auch ein Schauspieler und Stückeschreiber in ihm steckt. Also kehrt er mit der von ihm verfassten „Antigone“-Adaption – und begleitet von Melanie Haupt – wieder in den festlichen Saal zurück. (Prinzregententheater, 29.5.)

Martin Zingsheim am 19. Mai in der Lach- und Schießgesellschaft

Geradezu als „Heiland“ der Zunft sieht sich der Mann, der sich naheliegenderweise gleich auch noch C. Heiland nennt. Im neuen Solo „Die Letzten werden die Ersten sein – Hoffnung für Abgehängte“ dreht er dem aktuell so beliebten Selbstverbesserungszwang und damit auch dem Lachyoga, dem Gesundfasten, der Paartherapie und anderen Depressionsentschlackungsritualen eine Nase. Geboten werden „Plattitüden mit Gehalt, Herzschmerz und Ballermann“. Und das darf man durchaus als Heilsversprechung verstehen. (Schlachthof, 24.5.)

"Warum es wirklich geht“: Darunter macht es Sissi Perlinger, die charmante Sinnsucherin, schon lange nicht mehr. Die neuesten tiefgründigen, hochphilosophischen, urkomischen und gelegentlich auch ziemlich unkorrekten Erkenntnisse hat sie für ihr frisches, jetzt doch schon ziemlich lang erwartetes Programm unter diesem Titel zusammengetragen. Die selbsternannte Bühnenschamanin will die Glückssynapsen kitzeln und sich gemeinsam mit dem Publikum frei lachen. Da wären wir wieder! (Schlachthof, 22.5.)

Deutlich erdverbundener, bodenständiger wirken im Vergleich die Versprechungen, die Karin Engelhard für die Premiere ihres sechsten Solos im Vorfeld macht. Bei ihr soll es diesmal ein wenig nostalgischer zugehen. Die Schauspielerin und Entertainerin mit dem selbstumgehängten Etikett „fränkisch-frech“ schildert kuriose Begebenheiten und Erlebnisse ab dem Jahr 1965. Als in München die U-Bahn mobil machte und in Franken ein Engel eben hart auf der Erde landete. (Drehleier, 17./18.5.)

Martin Zingsheim kann sich der Versuchung, selbst historisch zu werden, auch nicht entziehen. Zum Glück nicht. Und das, obwohl er doch zuletzt selbst messerscharf festgestellt hat: „Heute ist morgen schon re-tro“. Im gleichnamigen Solo-Programm reißt er ein Best-of mit Comedysongs und viel Wortakrobatik herunter, trällert über Abende mit Tandaradei auf dem Mittelaltermarkt, die furchtbarsten Hits der 90er Jahre und ganz alltäglich banalen Quatsch. Mitreißend gut! (Lach- und Schießgesellschaft, 19.5.)

Auf eine sinnlich-musikalische Butterfahrt möchte Christoph Theussl seine vielen treuen Fans mitnehmen. Und deswegen hat er auch Sigrid Lover und Mister Riös dabei. Zwei Gestalten, die sich durch schier unerklärliche Seltsamkeit auszeichnen: Sie Ostdeutsche, er Steirer. Sie Tasten, er Saiten. Sie Bier, er Almdudler. Und vor allem, was nicht verschwiegen werden darf: Sie Frau, er nicht. Gemeinsam führt man sich „Pornos mit Handlung“ zu Gemüte. Ist doch immer wieder schön so was. (Vereinsheim, 23.5.)

Bis kurz vor die Abgründe des Burnouts und dann doch noch hinunter in seelische Untiefen geht es auf dem gefeierten Psychotrip „On Fire – bis der Arzt kommt“ von und mit Michael Ludwig Seyfried. Trotz des gebotenen Unernstes wird das ein Abend, der wissenschaftlich begleitet wird – unter anderem durch eine fachärztliche Einführung ins Thema. (Theater Blaue Maus, 25./28.5.)

Schleuderentspannen kann man sich zu guter Letzt im neuen GOP-Programm Waschsalon – Ein Kessel Buntes. Unter dieser knallfarbigen Überschrift kommen hier mit allen Wassern gewaschene Komiker und tolle Artisten zusammen. Für die Dauer eines Waschgangs prallen gleich mehrere, mehr oder weniger schmutzige Lebensentwürfe aufeinander. Heraus kommt man gereinigt! (GOP Theater, ab 19.5.

Autor: Rupert Sommer

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