Kabarett-Highlights

Weitere Kabarett-Highlights im Juni

ChrisTina Baumer, Mathias Tretter, Rike Wagner

Jeder sollte ein Anrecht auf ein bisschen Rampenlicht haben. Von diesen Komik-Könnern kann man allerdings zurecht ein wenig mehr als nur die olle Viertelstunde Starpower erwarten.

Was waren das im Rückblick noch für altmodische Zeiten, als Andy Warhol ernsthaft jedem Menschen seine 15 Minuten Ruhm zusicherte. Gottchen, was man eben so sagt als Blondchen in Friedenszeiten. Meint jedenfalls Mathias Tretter . Er ist gefürchtet für seine scharfe Zunge. Und für einen weitaus klaren Durchblick: Statt 15 Minuten reichen heute ja längst 140 Zeichen aus, um sich ins Weltgeschehen hinein zu posaunen. 

So wird man zwar nicht unbedingt berühmt, aber immerhin schnell mal US-Präsident. In seinem neuen, harmlos mit „Pop“ betitelten Programm rechnet Treter mit dem sogenannten Zeitalter des Amateurs ab. Angefangen hatte ja alles mit der grassierenden Flut der Castingshows, die jedem Depp so etwas wie Aufmerksamkeit versprach. Und jetzt haben wir das Trumpeltier mit Zugriff auf die Atomsprengköpfe. Doch der Wandel, wenn nicht sogar die große Umwertung, setzt sich in allen Lebensbereichen fort: Blogger sind die neuen Journalisten, Hipsterbartträger die neuen Bierbrauer. Sänger bekommen den Nobelpreis. Und das Oval Office wird zum Hobbykeller. Das ist er eben, der gefürchtete „Dilletanz auf dem Vulkan“, wie Treter zurecht anklagt. (Lach- und Schießgesellschaft, 14. bis 16.6.)

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Dem allgemeinen tumben Gestümper wollte ein Hüne vom Schlage Jochen Malmsheimer schon immer geballte Geisteskraft entgegenschleudern. Und wie guter alter Schimmelkäse wird auch der Bochumer Recke mit der breiten Literaturbildung mit fortschreitendem Alter immer reifer, schärfer und grantiger. In entfesselten Zeiten muss sich auch Malmsheimer entfesseln. Trost verschafft ihm nur noch das Nase-ins-Buch-Stecken und die Wissenschaft. Und in Letzterer hat er zuletzt berückende Entdeckungen gemacht – etwa zwischen der ägyptischen und der niedersächsischen Kulturgeschichte. Das sollte man sich anhören, im neuen Rätselprogramm „Flieg Fisch, lies und gesunde! Oder Glück, wo ist Dein Stachel?!“. (Lustspielhaus, 18./19.6.)

Wie entspannt es sich witzelt, wenn man erst mal die 60 überholt hat, davon kann Massimo Rocchi erzählen. Obwohl: So ganz leicht hat es der ehemalige Meister-Pantomime, der sich einst an der „Ecole Internationale Marcel Marceau“ ausbilden ließ, natürlich auch nicht. Immerhin muss er in einem Körper einen Italiener, einen Europäer und einen Schweizer unterbringen. Seine Redelust ist dabei so groß, dass eine Sprache längst nicht mehr ausreicht. Rocchi jongliert mit Deutsch, Berner Mundart, Italienisch, Französisch – und mit seiner universell verständlichen, charmant lebhaften Körpersprache. Und zu sagen hat er einiges. (Lach- und Schießgesellschaft, 13.6.)

Zwischen den Kulturen hat auch Danko Rabrenović gelernt, sich angemessen wohlzufühlen. Für sein neues Solo, das recht einleuchtend „Solo & Allein“ heißt, zieht der Musiker, Radiomoderator, Autor und vor allem selbsternannter „ExBalkanizer“ nur mit seiner Gitarre und gewappnet mit seinem bestechenden Improvisationstalent los. Dabei findet er eine neue Form, die irgendwo zwischen Konzert, Lesung, Stand-up und klassischem Kabarett liegt. Inhaltlich kreist alles um Fragen der Identität, des Exils, der Kulturschocks, der Heimatgefühle und dem, wie Rabrenovic sagt, „Migrationshintergrund und ähnlichen Krankheiten“. (Schlachthof, 14.6.)

Die ganz wilde Mischung ist ja bekanntlich auch die Aus - rede, auf die sich die Herren Beier & Hang in ihren Programmen einigen können. Im neuen Aufwasch geht’s diesmal, wie sie beteuern, um gelogene Wahrheiten, bedeutsame Belanglosigkeiten und eine fiktive Realität, die schon bald die eigene sein könnte. Der Abend mit dem schönen Namen „Beklopptimierung“ widmet sich der schrillen Frage „Lebst du noch oder funk - tionierst du schon?“. Also: Smartphone aus der Hand werfen, vom Sofa aufraffen, den inneren Schweinehund erwürgen – und nichts wie raus ins wirkliche Leben! Niemand möchte doch dauerhaft Teil der Cloud bleiben. (Drehleier, 20.6.)

Das ganz große Aufraffen haben die zwei Seelen, die sich unter dem Namen ChrisTina Baumer in einer feschen Frau zusammengefunden haben, schon längst hinter sich. Die waschechten Oberpfälzerinnen gehen allerdings innerlich immer noch gelegentlich getrennte Wege. Während die eine tief in sich drin Provinzei geblieben ist, erprobt die andere immer öfter Großstadt-Rollen. Das muss krachen! (Schlachthof, 21.6.)

Ähnlich unentschlossen zerrissen wirkt manchmal auch noch Rike Wagner, hinter deren bemerkenswerten Namen sich eine Niederbayerin versteckt – voller Wucht und gleichzeitig feminin zärtlich. Im Mundartsolo „An oana Stauan varreckt koa Goaß!“ jagt sie liebestolle Mitmenschen durch den Dating-Dschungel der Gegenwart. Da kann man sich auch verloren fühlen. (Schlachthof, 26.6.)

Doch Sinnkrisen kommen und gehen – und kehren oft genau dann zurück, wenn man sie wirklich schon dick hat. Davon kann Comic-Guru Ralf König, der auch ein sympathischer Bühnen-Entertainer ist, ein Liedchen singen. Im neuen „Herbst in der Hose“-Programm erzählt er von einem gealterten Schwulen, der sich in den Wechseljahren wähnt. Oder wie es so schön euphemistisch heißt, in der „Andropause“. Ein superernstes Thema, dem man sich sinnvollerweise mit ganz viel bittersüßem Humor nähert. (Vereinsheim, 21.6.)

Autor: Rupert Sommer

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