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Tribute-Shows: Ein Blick zurück nach vorn

ABBA Gold – The Concert Show

Immer mehr Tribute-Shows füllen unseren Eventkalender. Zeit sich diese mal genauer anzusehen

Wenig ist im aktuellen kulturellen Diskurs so angesagt wie die Vergangenheit. Auf den Kinoleinwänden erinnern uns Realverfilmungen großer Disney-Klassiker an die eigene Kindheit und durch die Musik-Arenen ziehen die Rock/Pop-Titan*innen, die wir entweder selbst noch voller Freude vor dem Radio sitzend auf Kassette aufgenommen haben oder die ein paar Jahre später von stolzen Eltern durch eben jene Kassetten oder Schallplatten in unser Leben gebracht wurden. Überall greift die Nostalgie wohlig-warm an Früher gemahnend um sich.

Kein Wunder also, dass aktuell auch Tribute-Shows für bereits verstorbene Musikgrößen oder aufgelöste Bands immer beliebter werden: The Elvis Presley Tribute Show am 18.2. im Deutschen Theater, ABBA Gold – The Concert Show am 28.2. im Carl-Orff-Saal, das programmatisch betitelte Yesterday – The Beatles Musical am 29.2. ebenda und Frank Sinatra und seine Musik wird in den beiden Shows am 8.3. in der Philharmonie und That’s Life am 11.4. im Circus Krone wieder aufleben. A Tribute to Sinatra & Friends

Kann das denn so gut sein wie die Original Fab 4? Der Original King of Rock‘n’ Roll? Der one true Chairman of the Board himself? Die Antwort: Wahrscheinlich ja, aber darum geht es gar nicht. Die Darsteller*innen auf der Bühne sind meist auf diversen Musicalakademien gewesen, haben jahrzehntelange Bühnenerfahrung und sind – nicht zuletzt – meist selbst große Fans derer, die sie da verkörpern.

Beispiel Mark Summers. Der hier nebenan abgedruckte Brite schlüpft mit einer an Besessenheit grenzenden Liebe zum Detail in die Rolle des Elvis Aaron Presley. Die reicht von der Vokalintonation bis zu den Pressefotos. Und bebop-a-lula, dieser Hüftschwung! Ähnlich auch bei ABBA Gold. Die Show unter der Produktionsleitung von Werner Leonard (u.a. Max Raabes Palastorchester) bietet detailgetreu nachchoreographierte Tanznummern, authentisch geschneiderte Kostüme und natürlich mit viel Liebe aufgeführte Musik.

Das Publikum merkt also: „Wow, da oben feiert jemand die Musik, die ich liebe, genauso, wie ich selbst. Und sie singen das auch sehr gut.“ Und schon feiert das Publikum selbst die Musik und singt ebenfalls – in qualitativ unterschiedlichen Ausformungen – mit.

Während es also bei den Konzerten großer noch lebender Musikstars wie Paul McCartney oder Elton John darum geht, diese einmal live zu sehen und von der Bucketlist zu streichen, steht bei den Tribute-Shows nicht die Person, sondern die Musik und das wofür sie stand im Vordergrund. Und das kann und will immer wieder erlebt werden.

Seitdem sich die Popmusik in den letzten 40 Jahren in immer mehr Sparten aufteilte; Punks, Mods, Popper, Raver, Goths, Cloud-Hip-Hopper entstanden sind und große Stadien füllende Legenden immer weniger werden, ist es besonders schön auf ein Musikevent zu gehen, bei dem alle Zuschauer gemeinsam „Yellow Submarine“, „Suspicious Minds“ oder „Knowing Me, knowing you“ singen. Hits, die so stark nachklingen, dass sie noch heute jeder kennt.

Das 13-jährige Vaporwave-Kid und der 67-jährige Altrocker. War nun früher alles besser? Die Tribute-Bands schon mal nicht!

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