Spielart-Festival

Interviews mit Lebenden und Toten

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Legacy

Augenöffnende Bühnenerlebnisse ermöglicht das diesjährige Spielart-Festival

Rituale, symbolische Handlungen, Beschwörungen von Geistern und der Vergangenheit, Stressabbau in der Bewegung: Theatrales ist wirklich die Weltsprache, auf die sich auch Weitgereiste einigen können. Und eines der spannendsten Schaufenster, was Menschen abseits des Bildungsbürgerkanons auf die Bühnen und in die Vorführräume treibt, bietet auch diesmal wieder das alle zwei Jahre stattfindende Spielart-Festival, das sich über diverse Auftrittsorte in der Stadt verteilt.

Vom 25. Oktober bis 9. November kann man sich an 16 Tagen auf Performances, klassisches Theater, Tanz, Installationen, Konzerte, Lesungen und Künstlergespräche mit Gästen unter anderem aus Ägypten, Südafrika, Brasilien, Nigeria, Mosambik, Namibia, Kenia, Angelo, China, Kamera, dem Nahen Osten oder so exotischen Orten wie der Schweiz einlassen.

Aus letzterem Land kommt der Video-Künstler Mats Staub, der sich für seinen Doku-Projekt „21 – Erinnerungen ans Erwachsenenwerden“ auf 99 Gespräche mit Menschen der unterschiedlichsten Altersklassen und Kulturkreise eingelassen hat. Seine Ausgangsfrage war stets: Was machten Sie im Alter von 21 Jahren? Die Interviews hat der Schweizer komprimiert und dann nochmal seine Gesprächspartner dabei gefilmt, wie sie den eigenen Versuch, so etwas wie Sinn in die eigene Biografie zu bringen, selbst noch einmal anhören (Ägyptisches Museum, bis 3.11.)

Spannend ist der Vergleich mit Staubs zweitem Spielart-Beitrag „Death and Birth in My Life“, in dem er Gespräche über Grenz- und Übergangserfahrungen aufgenommen hat (Lothringer 13_Nest, ab 26.10.) Ohnehin spielt die Beschäftigung mit dem Versuch des Sinnstiftens auch im familiären Nahbereich immer wieder eine große Rolle im Programm.

Culture Exchange Rate ist die Spurensuche der Künstlerin Tania El Khoury, die sich von ihrer Großmutter vom Aufwachsen im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Libanon erzählen ließ, aber auch Geschichte von nach Mexiko ausgewanderten Verwandten recherchierte (Einstein Kultur, ab 26.10.)

Ein sehr persönliches Requiem bringt Sofia Dinger in A Song To Hear Your Arriving auf die Bühne. Es geht ihr um die Suche nach Worten, die sich an einen Verstorbenen richten kann. Herauskommt ein Klangteppich aus Textfragmenten, Vogelstimmen, Trommelklängen, aber auch Tränen und Lachen. (Einstein Kultur, 3.11.)

Zu einer Totem-Zeremonie nimmt Christian Etongo ein aufgeschlossenes Publikum mit. Er zelebriert einen zentralafrikanischen Maskentanz. (Museum Fünf Kontinente, 3.11.)

Mit den vielen Erwartungen, die an die Rolle der Frau geknüpft sind, beschäftigt sich Maria Domingos Tembe aus Maputo. Solo für Maria ist eine Tanzperformance, die auch um die vielen Assoziationen kreist, die sich dem biblischen Muttergottesnamen verbinden. (Gasteig Carl-Orff-Saal, 3.11.)

Mit einem Entblößungsritual versuchten einst die Frauen im ivorischen Gand Bassam friedlich gegen die französischen Kolonialherren zu demonstrieren. Es ging ihnen darum, ihre Ehemänner und Brüder aus politischer Gefangenschaft zu befreien. Die Tanzperformance Legacy erinnert an ihre Kühnheit. (Muffathalle, 4.11.)

Und von extremer physischer Gewalt – und wie man Aggressionen abbaut – berichtet dann noch Sello Pesa in der Bag Beatings-Performance aus Südafrika. (HochX, 6./7.11.)

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