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Theater und Kabarett im November: Wie man sich seelisch heiß hält

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Die Päpstin von Donna W. Cross ab  16. November im Deutschen Theater
Die Päpstin von Donna W. Cross ab 16. November im Deutschen Theater © Michael Böhmländer

Diese Stücke sorgen für Herzklopfen, Hirnaktivitäten und extra viel gute Laune 

Familienfrieden ist doch das Schönste. In der Theorie. Die Brüder Hans-Werner Meyer und Chin Meyer treten zwar gemeinsam auf. Ihre schön angeschrägte Kriminalkomödie Klang-Razzia hat es aber in sich. Erzählt wird von einem bekannten Schauspieler, der mit seinem Streichquartett steuerlich auffällig wird. Und der Bruder arbeitet eben als Steuerfahnder, kennt keine Skrupel und lässt die Geigen kurzerhand pfänden. Wer hat beim Finanzamt „gesungen“? (Lustspielhaus, 1.11.)

Bei Ruth Geiersberger kommt man zur Ruhe. Die große Dame der Münchner Performance-Szene zieht mit einem mobilen Beichtstuhl durch die Stadt. Es geht ihr um die sehr berechtigte Frage: Was bleibt, wenn man geht? (St. Paul an der Theresienwiese, bis 27.11.)

Die Schwestern Anina und Anouschka Doinet hören ebenfalls gut hin – beim Eintauchen in die wortmagischen Sprachkunstwerke von David Bowie. Mit BOWIEdeutsch kann man seine Songs ganz neu entdecken. (Metropoltheater, 2./3./4.11.)

Masud Akbarzadeh ist auch so ein Meister des (scharfen) Worts. „Fame“ ist eine Hommage an die Urform der Stand-upComedy: ein Comedian, ein Mikro, eine Story! (Schlachthof, 3.11.)

Noch einige aufwühlende Bühnenerlebnisse garantiert das „Wunder“-Figurentheaterfestival. Ans Unfassbare hat sich die niederländische Künstlertruppe Hotel Modern gewagt. Ihre Kamp-Installation ist der Versuch, sich dem Horror anzunähern – mit einem Miniatur-Nachbau des KZ-Lagerkomplexes von Auschwitz-Birkenau. (Kammerspiele, 3./4.11.)

Von der Hilflosigkeit erzählt die Göttersimulation und findet für große Sinnfragen starke Bilder. So lernt man acht Münchner Jugendliche kennen, die sich in eine digitale Parallelwelt verabschiedet haben, in der sie Gott spielen. Doch plötzlich tauchen dort zwei Alte auf – mit einem Ziel: Sie suchen Unsterblichkeit. (Kammerspiele, ab 5.11.)

Manchmal weiß man gar nicht mehr, wie es so weit, so schlimm kommen konnte. Das junge Musiktheaterprojekt Butterbrote Besseresser mit dem Jewish Chamber Orchestra Munich spielt die Entstehungsgeschichte eines Konflikts durch, in dem man viel wiedererkennen kann. Es geht um eine Mauer, die zwei Völker trennt und die aus Nachbarn Feinde machte. (Volkstheater, ab 5.11.)

In eine Welt, in der man sich noch wohlfühlen kann, geht es im Puppenspiel Werkstatt der Schmetterlinge. Dort grübelt der junge Rodolfo über einer poetischen Aufgabe. Er soll sich als angehender „Gestalter aller Dinge“ Lebewesen ausdenken, damit die Schöpfung nicht leer und grau bleibt. Sein Traum: Er will etwas erschaffen, das wie ein Vogel und gleichzeitig wie eine Blume sein soll. (Pasinger Fabrik, 5.11.)

Abdul Haq Haqjoo gründete in seiner Heimat Afghanistan einst das Parwaz Puppet Theatre. Seine Hans im Glück-Aufführung bringt das Grimmsche Märchen zum Funkeln – aus afghanischer Perspektive. (Bellevue di Monaco, 5.11.)

Vom Beziehungschaos und seinen Anfängen in der Steinzeit kann natürlich auch der Caveman viel berichten. Rob Becker schrieb einst das erfolgreichste Solo-Stück in der Broadway-Geschichte. Wiedersehen macht diebische Freude. (Werk7 Theater, 5.11.) Warum sollte man lieber doch kein T-Shirt aus Blitzbaumwolle tragen? Konrad Stöckel betreibt mit seinem grandios durchgeknallten Programm „Wenn’s stinkt und kracht, ist’s Wissenschaft“ Volksaufklärung. (Lustspielhaus, 5.11.)

Unser Mann in Hollywood: Steven Gätjen kennt sich wie kaum ein Zweiter mit den Stars aus. Und an den roten Teppichen macht er seit jeher eine schneidige Figur. Nun bringt er seinen Film-Talk „Kino oder Couch“ live auf die Bühne. (Werk 7 Theater, 6.11.)

Gegen die Fremd-Scham: Jetzse Batelann vom Theater Artemis aus den Niederlanden weiß natürlich, dass junge Menschen nichts befremdlicher finden als Leute über 40, die sich auf der Tanzfläche unbeholfen bewegen und dabei oft auch noch streng riechen. Also wird im Stück mit dem neunmalklugen Titel Tanz ist tolle rhythmische Bewegung zu Musik versprochen, dass nicht getanzt wird. Oder etwa doch? (Schauburg, 7./8.11.)

Was ebenso „cringe“ wirkt: Wenn man sich missversteht und wenn die richtigen zu falschen Worten werden. Stress! Die neue Eigenproduktion Sticks and Stones versucht das Durcheinander in einem Büro aufzudröseln, das dadurch entstand, dass ein Boss einfach mal einen Witz machen wollte. Oh weh! (Hofspielhaus, ab 8.11.)

Durch dick und dünn – und das schon 40 Jahre: Mit dem Jubiläumsprogramm „Palast abwerfen“ feiern Thomas und Silvana Prosperi von Faltsch Wagoni ihre schönsten Songs, ihre Lieblingsnummern und die vertracktesten Wortspiele. (Lach- und Schießgesellschaft, ab 8.11.)

Multitasking der magischen Sorte: In der Handmade-Gala legen Fachkräfte der Sparten Artistik, Magie, Jonglage oder Comedy in atemberaubender Geschwindigkeit Hand an. Vereint im Wahnwitz. (GOP Theater, ab 10.11.)

Detektivarbeit wird die Hör-Performance Woran meine Liebe glauben wir noch. Zehn einsame Stimmen kommen in einem polyphonen Audio-Gewitter auf die Bühne. Viele Perspektiven. Viel Einzelwissen. Und das Publikum muss dechiffrieren. (Pathos, 10./12./13.11.)

Wunderschön viel Verwirrung herrscht auch in der Twelfth Night. Und um alle kunstvoll verwobenen Handlungsfäden zu entwirren, benötigt man ein wenig Konzentration. Aber selbstverständlich kann man sich auch weich fallen lassen - in die schmissige, mitreißende, verzaubernde Musical-Adaption von William Shakespeares Komödienklassiker „Was Ihr wollt“ über junge Verliebte und raffinierte Verkleidungen. (Prinzregententheater, ab 11.11.)

Auf Recherche: Eine Woche lang haben Tänzerinnen und Tänzer mit internationalen Choreografie-Experten gemeinsame Projekte erarbeitet und neue Stile erprobt. Was dabei herauskommt, kann man auf den Oasis-Abenden bestaunen. (HochX (11./12.11.)

Die Triebe müssen unterdrückt werden. Menschen schätzen äffisches Verhalten nur, wenn man sich anpasst. Martin Unterrainer tobt im furiosen Vortrag von Franz Kafka – Ein Bericht für eine Akademie über die Bretter. (Fraunhofer, 13.11.)

Das Fastfood-Team setzt die „Relevanz“-Improtheater-Reihe mit neuen Gästen fort. Beim „Psyche“-Abend wird der Angst- und Traumatherapeut Willi Butollo mit ins dichte Netz verwoben. (Trafo Neuhausen, 13.11.)

Was wäre gewesen, wenn? Der Weltbestseller Die Päpstin von Donna W. Cross spielt seit 1996 die Frage durch, wie sehr eine weibliche Oberhirtin die Kirche verändert hätte. (Deutsche Theater, 16. bis 20.11.)

Wie kann man von extremer Gewalt erzählen? Die ukrainisch-deutsche Stückentwicklung News from the Past bemüht sich um eine erste künstlerische Antwort auf diesen Krieg und auf die Schrecken der 30er und 40er Jahre. (Kammerspiele, 17.11.)

Vom wenig glamourösen Ehealltag, der Schwundstufe eines einst leidenschaftlichen Verliebtseins, berichten Jennifer und Michael Ehnert in Zweikampfhasen. Sie sind altmodische Menschen: Die Ehnerts sind nicht nur miteinan - der verheiratet. Sie schaffen es auch bis zum heutigen Tag nicht, sich scheiden zu lassen. (Werk7 Theater, 17./18./19.11.)

Die drastische Variante eines Ehe-Versteckspiels hat der Eugène-Labiche-Klassiker Die Affäre Rue de Lourcine zum Thema. Ein Mann wacht nach einer offenbar heftigen Feier mit einem Filmriss auf. In seinem Bett findet er nicht nur einen anderen Mann, sondern in seiner Tasche Hinweise auf ein mörderisches Verbrechen. Achtung: Elfriede Jelinek hat das neu übersetzt. (Residenztheater, ab 18.11.)

Ein wertvolles Ausstellungsstück wurde aus einem Museum geklaut. Die Beute nennt sich der Kriminalfall, bei dem das Publikum mitten ins Dickicht der kolonialen Verstrickungen gescheucht wird. (Pathos, 18.11.)

Der Schotte David Greig hat den Amoklauf auf der Insel Utøya zum Anlass für sein Stück Die Ereignisse gewählt. Darin geht es um einen Gemeindechor, der in einer Kleinstadt probt, bis ein junger Mann auftaucht und gezielt Chormitglieder tötet. (Marstall, ab 19.11.)

Die Tanztendenz feiert ihr 35-Jahre-Bestehen – nun auch mit den drei neuen „Side.Kicks“-Produktionen. Darunter sticht vor allem das Erfolgsstück Iumi von und mit Jenna Hendry und Matilda Bilberg heraus (Schwere Reiter, 25.11.)

„Der freche Mozart“: So heißt der Auftaktabend der neuen musikalisch-literarischen Salon-Reihe, bei der die Moderatorin und Pianistin Maharani Chakrabarti zum Gedankenaustausch einladen möchte - an elegant gedeckten Tischen. Es geht um Ferkeleien aus den „Bäsle“- Briefen, aber auch um wunderschöne Arien. (Deutsches Theater, 26.11.)

What a Feeling: Mit Flashdance kehrt schließlich das Tanzfieber der 80er zurück – in einer Musical-Fassung, bei der man sich nicht lange in den Sesseln halten wird. (Deutsches Theater, ab 29.11.)

Autor: Rupert Sommer

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