Highlights

Die Theater-Highlights zum Monatswechsel

Jewels am 27. September im Nationaltheater

Von diesen neuen Bühnenproduktionen kann man sich bezirzen lassen

Es funkelt wieder in der Münchner Theaterszene. Fast alle Bühnen stehen nach der Sommerpause wieder in Saft und Kraft – und lassen es glitzern. Ganz wörtlich darf man das beim Bayerischen Staatsballett nehmen, wo es ein echtes Schmuckstück zu bewundern gilt. 

George Balanchine hatte sich für Jewels einst von einer Schmuckauslage an der eleganten Fifth Avenue in New York inspirieren lassen. Heraus kam ein neoklassischer Dreiteiler, der Smaragde, Rubine und Diamanten feiert. Der gefeierte Gründer des legendären New York City Ballets wollte 1967 die großen Tanztraditionen in einem besonders wertvollen Arrangement zusammenfassen. Darin stehen die Schulen Frankreichs („Emeralds“) neben denen aus Amerika („Rubies“) und Russlands („Diamonds“). Besonderer Hingucker für die Münchner Ballettfreunde: Virna Toppi, die von der Mailänder Scala in die Maximilianstraße kam, stellt sich an der Seite von Osiel Gouneo in der „Rubies“-Partie erstmalig ihrem staunenden neuen Publikum als Erste Solistin vor. (Nationaltheater, 27.9.)

Eine starke Frauenpartie verspricht natürlich auch Regisseurin Lucia Bihler ihrer Hedda Gabler-Darstellerin Anne Stein. Sie spielt die Generalstochter in Henrik Ibsens kühler, von Männern und bürgerlichen Geltungsprinzipien geprägten Welt, die eigentlich nur eine große Angst kennt: die Furcht vor dem sozialen Abstieg. Eigentlich wollte es sich die Titelheldin gut einrichten in einer lieblosen Ehe mit einem Historiker, der auf eine lukrative Professorenstelle hoffen kann. Doch dann taucht mit Eilert Lövborg nicht nur der Mann auf, der Heddas Gatten die erhoffte Position streitig machen wird. Er ist auch ihr eigener ehemaliger Verehrer. Es sind Zwänge, in die muss man sich nicht verstricken. Doch für die glücklose Frau zieht sich eine Schlinge zu. „Einmal in meinem Leben will ich Macht besitzen über das Schicksal eines anderen Menschen“, sagt Hedda, als sie sich der Lügen in ihrem Leben bewusst wird. Und sie wählt den ihr unausweichlich erscheinenden Weg aus dem goldenen Käfig – den Freitod. Schauder! (Münchner Volkstheater, ab 27.9.)

Von der Ausweglosigkeit einer Ehesituation – in deutlich märchenhafterem, an die Gebrüder Grimm angelehntem Gewand – erzählt bekanntlich auch die Carl-Orff-Oper Die Kluge. Darin erweist sich die titelgebende blitzgescheite Bauerntochter als besonders geschickt, als ihr ein strenger König Prüfungsfragen stellt – und sie dann heiratet. Doch kann man klug sein und gleichzeitig lieben? Die Neuinszenierung von Lukas Wachernig soll das klären. (Gärtnerplatztheater, ab 2.10.)

Eigentlich sind es aber doch angeblich so moderne Zeiten – mit Problemen allerdings, die nicht kleiner geworden sind. Das bekommen auch Pharbara und Biline zu spüren, die beiden „Fusenbreundinnen“. Barbara te Kock und Philine Velhagen spielen zwei beste Freundinnen, deren Existenz sich bislang fast symbiotisch gestaltete. Doch dann kommt etwas dazwischen. Was genau? Das wissen sie selbst plötzlich nicht mehr so recht. Vielleicht das Alter? Die eigene Familie? Der berufliche Erfolg? Fest steht: Nach längerer Funkstille lassen sie sich auf einen Selbstversuch, eine therapeutische Aufstellung, Beichtdusche und Schwanzvergleich (ohne S.) ein. (Pathos, 27.9.)

Eine der gruseligsten, extrem verstörenden Familien-Aufstellungen hat bekanntlich einst Franz Kafka, so ein Mistkäfer, in der Verwandlung-Parabel durchgeführt. Die Erzählung aus dem Jahr 1912 gehört unbestritten zum Kanon der Weltliteratur. Eines Morgens erwacht Gregor Samsa in seinem Jugendzimmer – und er hat sich in ein ungeheuerliches Ungeziefer verwandelt. Was tun? Draußen vor der Tür tobt schon der Vater. Mit schwerer Kost und bangen Fragen über soziale Isolierung und jugendliche Einsamkeit läutet in Schwabing Regisseur und Autor Jan Friedrich die neue Spielzeit für die Jüngeren und Junggebliebenen ein. (Schauburg, ab 5.10.)

Das ehemalige Theater Blaue Maus in der Elvirastraße hat jetzt einen neuen Namen: dasvinzenz. Dort hat man sich zur Neu-Vorstellung ein skurril-urbanes Großstadtstück von Roland Schimmelpfennig ausgesucht: Auf der Greifswalder Straße. (dasvinzenz, ab 4.10.)

Auf Zeitreise in die 90er Jahre geht es schließlich im The Band-Musical mit den Hits von Take That. Eine Mädels-Clique erwischt hier das akute Boygroup-Fieber. (Deutsches Theater, ab 10.10.)

Autor: Rupert Sommer

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