Highlights

Die Theater-Highlights zum Monatswechsel

Schmissige Fassung: Wiener Blut

Was sich auf Münchner Bühnen herumtreibt. Und was man empfehlen kann

Den „Kleinen Prinzen“ kennt jeder (der ein Herz hat). Doch wer kennt seine junge Schwester? Eigenarten: Die Kleine Prinzessin erzählt von einer jungen Frau, die sich in einen Raum aus Papier zurückgezogen hat. Ihr Leben soll sich schon dem Ende zuneigen. Also hält sie sich mit Geschichten und Bildern wach, die ihr und einer erwachsenen Erzählerin Mut geben. Ausgehend von der klassischen Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry entspinnt Regisseur Sandro Salvodelli eine Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden und die Tatsache, dass sich mit dem Alter die Sicht auf die wesentlichen Dinge wesentlich ändert. Wer sich konzentriert, findet das sehr aufregend. (Akademietheater, 25./26.10.)

„Warum passiert mir das?“, fragt sich Vera Brühne – gespielt von Patricia von Miserony – immer wieder. Sie steht vor ihren Richtern und muss immer wieder eine blutige Geschichte durchkauen, die sie selbst so recht nicht versteht. Also sprach Zarathustra rollt den „Skandalprozess Vera Brühne“, über die Klatschspalten-Prinzessin, die als erste Lebe-Frau der Nachkriegsrepublik an den Pranger gestellt wurde, neu auf. Und ihr wird der Boden unter den Füßen weggezogen. (Gasteig Black Box, 1./2./3.11.)

Ebenfalls zitternd vor dem hohen Gericht harrt der Kaufmann Antonio der Dinge, die sich ein grausames Schicksal für ihn ausgedacht hat. Um seinem Freund Bassanio finanziell aus höchster Not zu helfen, hat Antonio sich auf eine teuflische Wette eingelassen. Sein Konkurrent Shylock hat ihm einen Kredit mit einer blutigen Rückzahlungsklausel geliehen. Falls Antonio nicht zahlen kann (was dann natürlich so kommen muss), darf sich Shylock ein großes Stück Fleisch aus seinem Körper schneiden. Es fällt schon lange nicht mehr richtig leicht, einen zeitgemäßen Ansatz für Shakespeares Schauerliebesstück Der Kaufmann von Venedig zu finden. Umso gespannter darf man sein, welchen Ansatz Hausintendant Christian Stückl wählt. (Volkstheater, ab 27.10.)

Vielleicht sollte man, um das Herzflattern gleich aufrecht zu erhalten, noch den Besuch in der Puppentheater-Gerichtsverhandlung Der Fall Hamlet folgen lassen. Pierre Schäfer hat sich den Shakespeare-Text vorgeknöpft, um die Mahlsteine der Machtinteressen in der mörderischen Familie, die sich gegenseitig fast komplett auslöscht, mal wieder in Gang zu setzen. Rache ist Blutwurst! (Münchner Stadtmuseum, 1.11.)

Ein nervenaufreibendes Flirren liegt auch in der Luft, wenn die Sommergäste in der Villa von Rechtsanwalt Bassow zusammenkommen. Es ist der Vorabend der Russischen Revolutionen. Umwälzende gesellschaftliche Veränderungen deuten sich an. Und Gewalt wird nicht ausbleiben. Regisseur Jo-Hill Gibbins hat sich den Text von Maxim Gorki über eine Mittelschicht, die die Mitte verloren hat, vorgenommen. Und er geht das Wagnis ein, extreme Zeitbezüge zu heute herzustellen. (Residenztheater, ab 25.10.)

Schlag auf Schlag geht es an den Häusern von Neu-Intendant Andreas Beck auch gegenüber gleich weiter: Thom Luz, den man noch besser kennenlernen wird, hat sich an eine Neu-Lokalisierung des kompositorischen Spaziergangs „Central Park in the Dark“ von Charles Ives gemacht. Und nun geht es eben für Olympiapark in the Dark quer durch München. (Marstall, ab 26.10.)

Mit der gefeierten multikulturellen „Orfeo“-Produktion hatte alles angefangen. Auch die große Freude am Zusammenwirken. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Mezzosopranistin Cornelia Lanz sowie die beiden Münchner Syrerinnen Walaa Kanaieh und Wissam Kanaieh wieder zusammenfanden. Was sie antreibt, ist die Lust am Brückenschlag – von Orient in den Okzident. Ihr West-östlicher Divan lehnt sich an Goethe an und bringt babylonische Klänge mit „Divan“-Vertonungen von Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss und Hugo Wolf zusammen. Und dazu gibt es kulinarische Entdeckungen. (Hofspielhaus, 6.11.)

Von einer gesprengten Party, in die unerwartete Gäste hineinplatzen, weiß die rasante Komödie Kasimir und Kaukasus von Francis Veber zu berichten. Eigentlich leben die Innenarchitektin Christine und ihr Journalistengatte ja ein beschauliches Biederleuteleben. Mit Goldfisch. Und der stört. Doch dann kommt alles noch viel ungemütlicher: Plötzlich klopft ihr arbeitsscheuer Ex aus Studienzeiten an der Tür. Und bringt mit Dounia auch noch eine fremdländische Edelprostituierte mit. Den geschliffenen Dialogen und den schnell sehr leidenschaftlichen Wortgefechten stellen sich vier Darsteller, die zu den beliebtesten der ARD-Erfolgsserie „Sturm der Liebe“ zählen. Nun allerdings in der „Sturm im Goldfischglas“- oder der „Sturm der käuflichen Liebe“-Variante. (Teamtheater Tankstelle, ab 30.10.)

Wenn schon boulevardesker Klamauk, warum dann nicht gleich noch ein Tröpfchen Wiener Blut? Nicole Claudia Weber gelingt eine besonders schmissig weinselige Fassung des Operetten-Klassikers rund um die Liebeswirren eines Tunichtgut-Grafen auf dem Weltkongress in der Donaumetropole. Fesch! (Gärtnerplatztheater, ab 24.10.)

Oder vielleicht die noch etwas größeren, schmalzigeren Gefühle? Na bitte! Mehr als vier Millionen Besucher in zwölf Ländern können sich ja vermutlich doch nicht geirrt haben: Auch der Whitney-Houston-Kevin-Costner- Kinokassenschlager Bodyguard hat das Zeug zum Musical. Immerhin: Der „Birdman“-Drehbuchautor hat den Stoff für die Bühne adaptiert. (Deutsches Theater, ab 7.11.)

Runterkommen kann man schließlich an der Seite der Loser Johnny, Tunny und Will, die es in der öden durchschnittsamerikanischen Stadt nicht mehr aushalten und stattdessen in der glitzernden Großstadt Abenteuer erleben wollen. Natürlich geht das nicht so einfach. Und schnell setzt sich das Karussell aus Drogen, Gewalt und unglücklicher Liebe in Gang. Green Day’s American Idiot, basierend auf dem weltberühmten Album der Punkrock-Helden, erzählt auf die ganz eigene, ruppige Art von der Suche nach dem Sinn. Yeah! (Prinzregententheater, ab 6.11.)

Und dann wäre natürlich noch der fast genauso weltberühmte Circus Roncalli von Poesie-Rockstar Bernhard Paul, der seine grandiosen Fantasiestücke unter dem Motto „Storyteller – Gestern, heute, morgen“ aufs Münchner Publikum loslässt. Hingucker im wie immer zauberhaft aufeinander abgestimmten Treiben aus Weltklasse-Artistik, liebenswerten Clowneinlagen und prickelndem Varieté sind diesmal wuchtige Stars, die eigentlich gar nicht vor Ort sind: Weil Roncalli auf Tiernummern verzichtet, stampfen die Elefanten eben als beeindruckende Hologramme durch die Manege. (Leonrodplatz, bis 12.11.)

Autor: Rupert Sommer

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