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Die Theater-Highlights im November

One Day am 4 und 5. Dezember im Einstein Kultur

Klassiker muss man bürsten und dem Affen Zucker geben

Zu wenig große Literatur, zu wenige Klassiker an den Kammerspielen? Pustekuchen! Nun ist also Friedrich Schiller dran. Nicht um durch den Reißwolf gedreht zu werden, sondern ganz in dessen eigenem Sinne, um die Freude am Spielen wiederzugewinnen. 

Regisseurin Leonie Böhm nutzt dafür sein erstes Stück „Die Räuber“ über die beiden Brüder Karl und Franz Moor, die qualvoll unter der fehlenden Anerkennung ihres Vaters leiden. Dieser ist für Böhm Kritiker, Publikum und Spiegel der Gesellschaft in einer Bühnenfigur. Die Brüder – der Räuber und der Angepasste – wagen den Versuch, sich radikal selbst zu erfinden. Notfalls auch im Wald. Und sie setzen hemmungslose Spielfreude frei, die dem Ensemble die Legitimation gibt, die klassischen Gesetze, die Angst, die vorgefertigten Muster hinter sich zu lassen. Heraus kommen Die Räuberinnen – ganz „frei“ nach Schiller. (Kammerspiele, ab 23.11.)

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Eine Art Räuberin ist natürlich auch die kesse Lulu, die sich selbst gern als Schlange sah – „zu locken, zu verführen“. Männern raubte sie den Verstand. Und nicht nur denen. Auch die Zensoren hatten lange große Bauchschmerzen, wenn es um das spätere Erfolgsstück des Münchner Autors Frank Wedekind ging. Zu dessen Lebzeiten war keine Aufführung in München möglich, als zu anrüchig und zu lüstern galt das Stück. (Marstall, ab 22.11.)

Einen Skandal löste einst – im Jahr 1889 – auch das Stück Vor Sonnenaufgang aus. Wegen der Drastik, mit der Gerhard Hauptmann einst die verdrängte soziale Frage auf die große Staatstheaterbühne holte. Der Österreicher Ewald Palmetshofer hat das Stück zeitgemäß überarbeitet, ihm aber nichts von seiner erschütternden Schärfe genommen. Starker Tobak! (Residenztheater, ab 29.11.)

Ziemlich drastisch dürfte es auch in der Eugene-O’Neill-Bearbeitung von Der haarige Affe zugehen. Erzählt wird von einem Heizer, der seiner tristen Schufterei tief unten im Kesselraum eines Luxusdampfers nachgeht. Erst als eine Millionärstochter aus Neugierde in die Technikhölle herabsteigt, erkennt er seine eigene sinnlose Situation. Er ist ein Rädchen im System, geduldet, gebraucht, aber so austauschbar wie eine schwitzende Kreatur. Angekommen in New York versucht er sich an einem Rachefeldzug, der jedoch komplett ins Leere läuft. Die Bewohner von Manhattan sind einfach zu hartgesotten hochnäsig. Einzig verbleibender Fluchtort: tatsächlich das Affengehege im Zoo. Ob das mal gut geht? (Volkstheater, ab 28.11.)

Alexeij Sagerer hätte sicher gewusst, wie man öffentlichkeitswirksam einen wilden Wirbel macht. Der Bühnenwüterich aus München kann derzeit stolz ein rundes Jubiläum feiern. Am 27. November 1969 eröffnete sein proT einst in der Münchner Isabellastraße. Nun gibt es unter dem Motto Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters ein 50-Jahre-Fest, das aus einem Theaterabend, Filmvorführungen und einem Symposium besteht, um einen der radikalsten Künstler der Stadt zu ehren (Muffatwerk 27. bis 30.11.)

Los geht’s mit der Bühnen-Wiederaufführung des „Mund-Art-Comics“ von Sagerer, das einst 1969 Premiere feierte und seit 1999 nicht mehr zu sehen war. Gschaegn is gschaegn versteht sich durchaus als klassisches Drama, besteht aber lediglich aus 133 Wörtern sowie einer manischen Wiederholung von Biertrinken und Schnupfen. Sagerer selbst spielt im Stück den alten Wirt. (Muffathalle, 27.11.)

Von Alt und Jung erzählt übrigens auch die sehenswerte Ring of Fire-Produktion in der Schwanthalerstraße. Darin blickt der reife Johnny Cash immer wieder auf sein jüngeres Alter Ego zurück, auch die Rolle seiner Ehefrau June Carter ist doppelt besetzt. Ohnehin schlüpft das spielfreudige Ensemble immer wieder in neue, wechselnde Rollen, so dass man sich ganz auf das konzentrieren kann, was den Abend ausmacht: die großartige Musik der Country-Legende. (Deutsches Theater, bis 15.12.)

Am selben Ort empfiehlt sich dann auch gleich für Nostalgiker und Neugierige das Live-Hörspiel TKKG – Das unheimliche Dorf mit den pfiffigen deutschen Spürnasen. Sie feiern damit ihr 40-Jahre-Jubiläum der Reihe. (Deutsches Theater, 2.12.)

Nicht ganz unähnlich und sicher ähnlich kultig: Auch Die drei ??? feiern dieser Tage ihre 40-jähriges Bestehen. Und dafür kommt natürlich die junggebliebene Originalbesetzung mit Oliver Rohrbeck als Justus Jonas, Jens Wawrczeck als Peter Shaw und Andreas Fröhlich alias Bob Andrews wieder zusammen. (Olympiahalle, 28.11.)

Und wo wir gerade beim Zählen sind: Auch Harry Owens‘Traumtheater Salome ist schon 40 Jahre lang auf Tour. Das große Abschiedsgastspiel wurde allerdings kurzfristig abgesagt. (Parkstadt Schwabing, ab 26.11.)

Wieder da ist auch das Festspielhaus-Team, das in Ramersdorf ein neues Zuhause gefunden hat. Intendant Martin Lehmann meldet sich mit dem Shakespeare-Traumstück Was ihr wollt bei seiner Fangemeinde zurück. (Festspielhaus, ab 29.11.)

Shakespeare, ganz scharf: Dafür steht die Adaption Richard & Macbeth – die Achse des Bösen, bei der Iona Toma (Buch und Regie) die großen Schurken den Schulterschluss üben lässt. (MUCCA, 3./4./5.12.)

Ebenfalls finster und abgründig: die Wiederkehr der Eisenstein-Aufführung von Christoph Nußbaumeder. Erzählt wird von einer 1945 auf der Flucht geborenen Notlüge, die sich auswächst – und verhängnisvolle Kreise zieht. (Metropoltheater, ab 21.11.)

Welche Geschichten erzählen – fabulieren – wir heute über uns? Und wie groß ist die Versuchung, hemmungslos zu flunkern? Die Jugendtheaterproduktion Bodybild! stellte die Frage nach der Selbstsuche und Selbstbehauptung in einer Welt der Reklametafeln, von YouTube, Instagram und Snapchat. (Schauburg, 21./22./23.11.)

Auf der Suche nach ihrer Identität ist auch die Titelheldin aus Lillys Bus. Ihr Vater ist Sinto, ihre Mutter Deutsche. Irgendwann möchte sie genauer wissen, woher sie kommt und was es mit dem „fahrenden Volk“ auf sich hat. (Pathos, ab 28.11.)

Mit der Ausnahmepersönlichkeit des südafrikanischen Freiheitskämpfers, Präsidenten und Nobelpreisträger beschäftigt sich Paul Stebbings. Free Mandela verneigt sich vor einer Legende. (Theater Leo 17, 2./3./4.12.)

Düster dagegen die Zukunftsversion, die Regisseur Andreas Berner in Antarctica – Ein Stück Welt in Szene setzt. Nach den Verwüstungen durch den Klimawandel sind bis zum Jahr 2086 weite Teile der Erde unbewohnbar geworden. Nur in der inzwischen eisfreien Antarktis ist noch Leben möglich. Dorthin haben sich sieben Wissenschaftler zurückgezogen. Sie debattieren Chancen eines Neuanfangs. Eine Sorge haben sie nicht mehr: Die Geschlechterfrage hat sich wegen Ununterscheidbarkeit von selbst erledig. Immerhin das. (Einstein Kultur, 28. bis 30.11.)

Und ganz zum Schluss sorgen sich Simone Lindner und Alexander Löwen noch um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Wofür kämpfen wir? Woran scheitern wir? Woraus können wir lernen? Bei der Tanzperformance One Day suchen vier Tänzer nach Antworten – quer durch alle Stilformen vom klassischen Ballett über Krump und Jazz zum Breakdance. Yo! (Einstein Kultur, 4./5.12.)

Autor: Rupert Sommer

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