Highlights

Die Theater-Highlights im März

Noam Brusilovskys Gehörlosen-Hörspiel im Volkstheater

Diese Produktionen dürften Sehnsüchte auslösen

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Trotz irrster Temperaturen ist es noch ein wenig zu früh für den vorgezogenen Sommer. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Wieder einmal haben sich die erhitzten Liebenden im Wald verirrt. Dort, wo die Kobolde und Elfen hausen. Und auch eine Handwerker-Truppe streicht durchs Unterholz – und spielt wahnwitzig komisches Theater im Theater. Angetrieben wird das Geschehen vom ältesten Magnetismus überhaupt: der Liebe. So finden und verlieren sich die Paare, taumeln herum, stoßen sich ab und landen wie von unsichtbaren Fäden gelenkt doch wieder in ihren Armen. Benjamin Britten hatte mit A Midsummer Night’s Dream das Märchenstück seines Landsmanns William Shakespeare in eine flirrende Klangwelt verwandelt. Ein Traum, immer wieder! (Prinzregententheater, ab 18.3.)

Wer bei den ganz großen Gefühlen – und Klängen – bleiben möchte, darf dann gleich auch noch die I Masnadieri mitnehmen, deren deutscher Titel mehr Glöckchen läuten lassen dürfte. Hinter Guiseppe Verdis italienischem Operntitel verbirgt sich nämlich das stürmische und drängende Schiller-Drama „Die Räuber“. Berühmt gemacht hat dies das eher selten gespielte Verdi-Werk trotzdem nicht. Und beinahe hätte man da ein grandioses Stück über Familienehre, Brüderzwist, flammende Leidenschaften, Missgunst, Verleumdung und Erpressung verpasst. Verdi drückte eben auf die ganz große Tube. Und Regisseur Johannes Erath setzt nun nach „Un ballo in maschera“ dazu an, die Psychologie des Stücks ganz tief auszudeuten. (Nationaltheater, ab 8.3.)

Wer den direkten Schiller-Abgleich wagen möchte, der kann sich ja gleich noch das bürgerliche Trauerspiel Kabale und Liebe, ebenfalls bestens bekannt aus früheren Deutschstunden, zu Gemüte führen. Einziger Nachteil: Das ist diesmal keine Oper. (Einstein Kultur, 5.3.)

Einmal im Rausch des Wohlklangs muss dann natürlich auch noch die Wiederaufnahme und Spielzeitpremiere von Rosamunde Gilmores Die Zauberflöte-Inszenierung mitgehen. Sie hat tolle Bilder für den Mozart-Klassiker gefunden. (Staatstheater am Gärtnerplatz, ab 5.3.)

Äußerst ungewöhnlich an der The Fall of The House of Usher-Oper von Philipp Glass ist der bemerkenswerte Ort: die Kammerspiele. Dort heult der Wind, und die Kerzen flackern. Im Familienschloss macht sich Mysteriöses breit. Edgar Allan Poe hatte die Schauer-Vorlage geschrieben. (Kammerspiele, 19.3.)

Noch mal schön fieser Grusel: Mary Shelley lässt den verrückten Professor aus Leichenteilen und befeuert durch ein wenig Elektrizität einen neuen Menschen erschaffen. Frankenstein, tolles Stück, stark gespielt. Aber diesmal halt auch: keine Oper. (Festspielhaus, ab 13.3.)

Musik, Glanz und glamouröse Geschichten aus der bewegten Historie des Deutschen Theater verdichten sich in der Silbersaal-Produktion Palast des Lächelns. Dabei streifen die Masterclass-Absolventen der Theaterakademie August Everding durch 120 Jahre Theatergeschichte – mit klangvollen Varietés, Revuen, rauschenden Ballnächten, Operetten und natürlich vielen Musical-Erfolgen. (Deutsches Theater, ab 14.3.)

Auf Könnervarieté verstehen sie sich bei GOP. Und La Strada, locker inspiriert vom berühmten Fellini-Film und nun als Wiederaufnahme erneut zu bestaunen, ist ein toller Aufhänger für ein südländisches Treiben mit Akrobatik, Gaukelei, Liebeswirren, Tanz, Musik und vor allem der Sehnsucht nach Freiheit, Sommer und Sonne. (GOP Varieté Theater, ab 12.3.)

Ein Wiederhören mit den zeitlosen Hits „Gloria“, „I Love Rock’n’Roll“, „What a Feeling“ oder „Maniac“ gibt es am selben Ort im Flashdance-Musical. Erzählt wird von der feschen jungen Schweißerin, die ihren Traum verwirklichen möchte, Profi-Tänzerin zu werden. Doch erst einmal muss sie zum Vortanzen antreten. Die Achtziger rufen. (Deutsches Theater, ab 17.3.)

Ganz ohne Töne – und auch ohne Worte – kommt dagegen Noam Brusilovskys Gehörlosen-Hörspiel aus. Es richtet sich sowohl an Gehörlose und auch an Hörende und will dabei den Beweis antreten, dass sich Klänge in Bildern auf die Bühne bringen lassen. Dabei nähert sich das Stück dem scheinbar Unmöglichen an – mit Hilfe von Gebärdensprache, Übertiteln, Bewegung und Licht. (Volkstheater, ab 13.3.)

Kräftig weitergetanzt wird beim bühnenübergreifenden Festival der Tanzplattform Deutschland: Ein Höhepunkt ist die deutsch-ivorische Produktion Kabuki Noir von Regisseurin Monika Gintersdorfer und des bildenden Künstlers Knut Klaßen. Der Mix ist wirklich weltumspannend. Der Abend bringt klassisch strenge japanische Theaterformen mit afrikanischen Traditionen zusammen und streuselt ein wenig Postmoderne darüber. (Kammerspiele, 6.3.)

Unusual Symptoms: Coexist, eben falls ein Tanzplattform-DeutschlandGastspiel, sollte man auch nicht ver passen: Darin geht es, dargestellt vom Ensemble des Theater Bremen, um die politisch-gesellschaftlichen Zwänge, in denen sich unsere Körper einpressen müssen. Garniert wird das mit augenzwinkerndem, schwarzem Humor. (Gasteig Carl-Orff-Saal, 5.3.)

Poetisch-musikalisch soll der Die Haltestelle-Abend von Stefan Kastner werden. Und das obwohl er am Hauptbahnhof spielt. Dort vertrödelt der Langzeitarbeitslose Karl schon seit einiger Zeit seine Tage. Verzaubert wird sein tristes Fristen durch eine fixe Idee, die ihm ein anderer Bahnhofsgast einzuimpfen versucht: Angeblich soll die legendäre Liebesgöttin Aphrodite einst den Bahnhof gegründet haben. Wer’s glaubt. (Schwere Reiter, 13./14.3.)

Spannend ist die Aufstellung, die sich Svealena Kutschke für ein Mietshaus in Berlin-Pankow ausgedacht hat. Dort lernt man ein junges lesbisches Paar kennen, einen alkoholkranken Gerichtsvollzieher, eine depressive Mittvierzigerin samt Ex-Mann. Wen man nicht trifft: Nabil, den jungen syrischen Geflüchteten im Erdgeschoss. Alle sprechen über ihn, keiner spricht mit ihm. Regisseur Jochen Schölch arbeitet in zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden gekonnt heraus, wie schmerzhaft eine Fehlstelle sein kann, die aufklafft wie eine Wunde. (Metropoltheater, ab 8.3.)

Zum Abschluss dann noch ein weiteres Stück mit Botschaft, aber ohne penibel erhobenen Zeigefinger. Denn die Bilder sprechen für sich: Mäuse, Meerschweinchen, Hamster sind die Lieblinge in Kinderzimmern. Zumindest anfänglich, als sie noch gestreichelt, gefüttert und umsorgt werden. Bis die Jüngsten dann ihr Interesse verlieren. Auf der Bühne von Ariel Dorons Alarm im Streichelzoo-Inszenierung erinnert daran ein großer Tierkäfig. Seine Bewohner haben sich selbstständig gemacht und werfen die Frage auf: Wer behält den Überblick? Und wer übernimmt Verantwortung? Gute Frage. (Schauburg, ab 6.3.)

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