Highlights

Die Theater-Highlights zum Monatswechsel

Ghost Writer And The Broken Handbreak am 31. Juli in der Muffathalle

Einmal hoch auf den Watzmann, dann weiter auf den Mond und wieder zurück in Münchens Tiefenschichten

Tanz, das wissen nicht nur seine engsten Freunde, ist Bewegung und der Mut, Grenzen zu überschreiten und sich gegebenenfalls auch mal fallen zu lassen. Damit passt die intensive Beschäftigung mit seinen neuesten Strömungen und beeindruckenden Traditionen natürlich bestens in eine Zeit, die Aufbruchsgeist einfordert. 

In welcher Welt wollen wir leben? Dürfen wir es wirklich zulassen, dass unser Alltag von der Angst vor der Veränderung, vielleicht sogar vor „den Anderen“ geprägt ist? Man ahnt es, die diesjährige Tanzwerkstatt Europa wirft mit ihren Leitgedanken wieder hochbrisante Fragen auf. Zehn Tage lang wird München zum internationalen Hotspot der Tanzszene und der Performance-Künste. Profis, Amateure und natürlich auch ein aufgeschlossenes Publikum kommen zusammen, um die Freude an den Körpern und an der Annäherung zu feiern. Los geht’s gleich zu Beginn mit einer interkulturellen Arbeit, in der sich die belgische Choreografin Miet Warlop, die in Gent und Brüssel arbeitet, in Ghost Writer and the Broken Handbreak mit einer modernen westlichen Form des Sufi-Drehtanzes beschäftigt. Immerhin geht es hier nicht nur um die tiefe spirituelle Ebene der ekstatischen Bewegungen, sondern auch um den stets schmalen Grat zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. (Muffathalle, 31.7.)

Einen sehr zeitgenössischen Blick auf die digital infizierte Welt wagen die gebürtige Kroatin Barbara Matijevic und der Italiener Giuseppe Chico in ihrem Forecasting-Stück. Dafür haben sie unzählige Amateurvideos durchforstet, die täglich auf YouTube hochgeladen worden. Optisch punkten sie mit einer Darstellungsform, bei der sich auf der Bühne die zweidimensionalen Netz-Bilder mit den realen dreidimensionalen Tänzerkörpern zusammenfügen. (Schwere Reiter, 1.8.)

Eigentlich ist das Zuhause ja ein privater Ort, ein Schutzraum. Von wegen! Eigentlich wollte man eben nackig durch die Wohnung wieseln. Doch schon schaut die Außenwelt wieder rein – auch über den Bildschirm. All Eyes On von Teresa Vittucci ist ein konzentriertes Nachdenken über die Macht der Bilder und unsere (Selbst-)Vergewaltigung durch das Internet. Aufwendig dabei: Vittucci agiert in einer Doppelrolle als Performerin auf der Bühne und als Online-Camgirl. (HochX, 2.8.)

Auf keinen Fall verpassen sollte man im Tanzwerkstatt-Europa-Programm, zu dem auch Workshops und Diskussionsrunden gehören, der Besuch bei der furiosen Münchner Choreografin Anna Konjetzky, die mit The Very Moment um die vermeintlich uneffizienten Körper in unserer High-Performance-Gesellschaft kreist. (HochX, 4./5.8.)

Kurz vorm lautstark Loswiehern die Zähne zusammenbeißen und das strapazierte Zwerchfell unter Kontrolle halten muss man auch in der schon mit Hochspannung erwarteten, hinter - fotzig steil gehenden Neubearbeitung des Wolfgang-Ambros-Klassikers Der Watzmann ruft. Und diesem Ruf muss man muss folgen! (Deutsches Theater, bis 4.8.)

Kurz danach wird ordentlich durchgefegt im alpenländischen Saustall, und mit Chicago – The Musical kehrt schon wieder die ganz lasziv mondäne Welt an der Schwanthalerstraße ein, der derlei Hauch gut tut. In der Gangsterzeit der 20er Jahre am Michigansee, in der Capone und Konsorten ihre Gegner entsorgten, entspinnt sich zwischen zwei eiskalt-verführerischen Mörderinnen und einem zwielichtigen Rechtsanwalt eine prickelnde Ménage-a-trois. Dazu gibt’s ein Wiederhören mit den großen Klassikern wie „Cell Block Tango“ und natürlich „All That Jazz“. (Deutsches Theater, 6. bis 11.8.)

Abgründiges, Angeranztes, aber natürlich auch Hochglanz-Schickes: Das macht die teure Möchtergernweltstadt aus. In der umjubelten Theaterserie Münchner Schichten warfen acht Autorinnen und Autoren ihren kritischen Blick auf die Stadt. Und nun gibt es noch einmal die Möglichkeit, alle Folgen in einem Aufwasch zu sehen. Grandioses Binge-Watching, mit offenem Kommen und Gehen. Und viel Platz für ein flankierendes Kaltgetränke oder gleich mehrere. Pflichttermin und nur an einem Tag! (HochX, 27.7.)

Zwischen Stummfilm und musikalischer Virtuosität pendelt die fünfköpfige „Wereldbänd“ aus den Niederlanden. Ihre Släpstick-Show kombiniert höchst unterhaltsam originale Kinoeinspielungen mit feingeistiger Körperkomik und wuchtiger Mucke – auf angeblich tatsächlich über 100 Instrumenten. Da kann man was lernen. Und staunen. (Prinzregententheater, 1. bis 4.8.)

Ein ähnlich kühner Grenzgänger ist der Berliner Dirigent und Opernregisseur Christoph Hagel, der das klassische Publikum und seine vielen jungen Fans schon mit mitreißenden Crossover-Produktionen wie „Flying Bach“, „Breakin‘ Mozart“ und „Dancin‘ Carmina“ aus den Theaterstühlen hob. Nun hat er sich den Opernklassiker schlechthin vorgenommen: Zauberflöte reloaded peppt das Rokoko-Stück mit zackigem Hip-Hop und Rap auf. „Papagino“, wie er hier heißt, sprechsingt über die Bühne, die Mitspieler pumpen sich mit wilden Beats auf, und das klassische Orchester fiedelt sich einen Wolf dazu. Großes Spektakel, fulminant inszeniert. (Prinzregententheater, 6. bis 11.8.)

Abgehoben dagegen das Astro-Musiktheater, für das man den MondScheinExpress besteigen muss. 50 Jahre und elf Tage nach dem historischen Schritt für die Menschheit düsen hier zwei Kosmonauten durchs All, um sich auf dem Erdtrabanten endlich musikalisch weiterentwickeln zu können. Dort treffen sie auf merkwürdige Gestalten: aus den Werken von Richard Wagner, Paul Lincke, Richard Strauss, Peter Tschaikowsky oder Béla Bartók. Immer diese Aliens! (Einstein Kultur, 1.8.)

Oder es geht doch lieber nach Indien, das bekanntlich in der platten österreichischen Provinz liegt. So hatten es uns jedenfalls Josef Hader und Alfred Dorfer in ihrer legendären Tragikomödie vormachen wollen. Nun drehen die Wirtshausphilosophen Heinzi Bösel und Kurt Fellner zwischen Schnitzelvergnügen und Männerabstiegsängsten noch mal groß auf. (Theater Viel Lärm um Nichts, 1./2./3.8.)

Ebenfalls ein charmanter Kinoerfolg war Ralf Westhoffs Alt-68er-Komödie Wir sind die Neuen, die nun in Allstar-Besetzung auf die Boulevard-Bühne kommt. (Komödie im Bayerischen Hof, ab 1.8.)

Wer nach dem „Watzmann“ gleich auch noch einen anderen Schmachtstoff durch den Persiflage-Wolf drehen möchte, der sollte sich auf die Open-Air-Produktion Die Geierwally – In der Ötztal-Klinik einlassen. Erzählt wird aus dem Gruselsanatorium heraus, in dem die eingelagerten Silikonimplantate schon längst ihr Haltbarkeitsdatum überschritten haben und der sonst so lukrative alpine Organhandel zum Erliegen gekommen ist. Nun ist eine neue Geschäftsidee gefragt! (Amphitheater im Englischen Garten, 4.8., zuvor auch am 3.8. in der Kulturpassage am Ackermannbogen)

Bleibt zum Schluss der Klassiker Der Besuch der Alten Dame von Friedrich Dürrenmatt, den sich das Ensemble sprech&schwefel vorgeknöpft hat. Aufgezäumt wird das Lehrstück über Schuld, Rache und Versuchung aus der Perspektive dreier ehemaliger Kleinstadt-Honoratioren, die sich selbstzufrieden in ein nobles Altersheim zurückgezogen haben. (Teamtheater Tankstelle, 1. bis 3.8. und 7. bis 9.8.)

Autor: Rupert Sommer

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