Highlights

Die Theater-Highlights zum Jahreswechsel

Der Erste Mensch in den Kammerspielen München

Bei diesen neuen Stücken wird dem Bühnenfreund warm ums Herz

Es ist der alte Traum, der so gut wie nie in Erfüllung geht. Weiße Weihnachten gibt’s offenbar nur noch auf den Kitschpostkarten, in der Fremdenverkehrswerbung und in den Erzählungen der Groß- und Urgroßmütter. Wer trotzdem an den Festtagen nicht auf Schnee und Eis verzichten möchte, kann sich zum Glück aber in der Staatsoper saisongerecht einschneien und festbenebeln lassen.

 Möglich macht das die Premiere The Snow Queen des dänischen Komponisten Hans Abrahamsen. Und wie alle Literaturfreunde wissen, hat ja in diesen Breiten nicht nur Fräulein Smilla ein ausgeprägtes Gespür für Schnee. Der gute Mann hat sich lange mit den Märchen seines Landsmanns Hans Christian Andersen und natürlich mit dem Schnee befasst. Heraus kam eine Auftragsarbeit der Königlichen Oper in Kopenhagen. Und die ist nun wenige Wochen nach der dänischen Uraufführung in München zu sehen – erstmalig mit Cornelius Meister am Dirigentenpult. Regie führt Andreas Kriegenburg, der an der Staatsoper bereits „Wozzeck“ (2008), „Der Ring der Nibelungen“ (2012) und „Die Soldaten“ (2014) inszeniert hat. (Nationaltheater, ab 21.12.)

Gut dazu passt, dass das Krippenspiel Ein Stern ist aufgegangen, die Geschichte, die sich vor 2019 Jahren in Judäa zugetragen hat – dort garantiert schnee- und eisfrei -, am Volkstheater des bekanntlich aus Oberammergau stammenden Intendanten Christian Stückl angemessen alpenländisch eingefärbt wird. Die Riederinger Hirtabuam, Kinder aus Oberammergau sowie eine leibhaftige Ziege erzählen, singen und spielend die Weihnachtserzählung. Dazu spielen die Kirchleiten Saitenmusik und die Riederinger Bläser auf. (Volkstheater, 20./21.2.)

Garantiert ein frostig-fröhliches Vergnügen wird dann sicher auch die neue Showtime-Produktion von Holiday on Ice. Für sie schnallen sich nicht nur Aljona Savchenko, sondern auch die telegene Eisprinzessin Sarah Lombardi die Kufen unter. (Olympiahalle, 2.1. bis 6.1.)

In winterverschneite Landschaften entführt dann natürlich auch das große Gastspiel des St. Petersburg Festival Balletts. Die von Sergey Smirnow inszenierte Der Nussknacker-Premiere nimmt aufgeschlossene Zuschauer mit in ein Traumreich zwischen Schein und Sein sowie zwischen Tag und Nacht. Aufgehübscht wird die Darbietung dabei durch Glasmusik, Artistik und Jonglage. (Prinzregententheater, 20.12. bis 6.1.)

Wintergeister und Hexen toben durch die Tegernseer Welt, durch die ein eisiger Wind pfeift und wo man sich nur mit Kerschgeist am Leben halten kann. Besonders trinkfest ist ja bekanntlich der Brandner Kaspar. Und deswegen kann er den Boandlkramer beim Kartenspiel auch bescheißen und ihm einige zusätzliche Lebensjahre abtrotzen. Der TV- und Theaterregisseur Thomas Stammberger siedelt – unterstützt vom Szenenbildner und Figurenbauer Georg Jenisch, dem Texter Karl-Heinz Hummel und Komponist Christian Auer – das klassisch skurrile Volksstück von Franz von Kobell in den bayerischen Raunächten an. Und in denen ist ja üblicherweise vieles möglich. (Münchner Künstlerhaus, 26.12. bis 5.1.)

Ein komplettes Maskenstück ist dann das Sätze Anderer-Spiel, das zwar Worte im Titel hat, aber ganz ohne Text auskommt. Es geht um tragische wie komische Bewegungen und eigens vom Multiinstrumentalisten Matt Lorenz komponierte Musik. Auch ohne viel Nachdruck versteht man ohnehin, wenn es um starke Gefühle wie Liebe, Ekel, Empörung, Verlust und Freude geht. (Heppel & Ettlich, 8./9.1.)

Beschwingt ins neue Jahr kommt man übrigens auch mit Operetten-Unterstützung sowie Klängen von Franz Lehár, Franz von Suppé und Nico Dostal. Unter dem kessen Motto „Das Leben ist Operette genug“ tingelt die Sopranistin Yvonne Madrid durch einen kunterbunten Abend, den sie Die Operettenfee genannt hat. (Hofspielhaus, 3.1.)

Abgründiger ist da schon, was sich im berühmt-berüchtigten Berlin der 20er Jahre abgespielt hat, als die Comedian Harmonists sich am Kaktus stachen und Marlene Dietrich die Strapse nachspannte. Hier schwingen dann lasziv die glitzernden Paillettenkleider und im Dickicht der Stadt steigern sich die Tänzer in immer zügellosere Ekstase hinein. Und Josephine Baker bedeckt sich mit ein paar Bananen. Berlin Berlin wirft sich mit Haut und Haaren in einen wilden Strudel. (Deutsches Theater, ab 7.1.)

Elegant vorglühen, und das natürlich in mehrfacher Hinsicht, kann man gleich noch beim Klassiker Dinner for One & Breakfast for Three auf Englisch. Richard Clodfelter und Laurie Dawn schmeißen sich dafür in Frack und Abendkleid. (Gasteig Kleiner Konzertsaal, 31.12.)

Wem bei all diesen Festlichkeiten die Leber drückt und der Rücken zwickt, sollte sich dann aber rasch von Regisseurin Claudia Bauer behandeln lassen. Sie setzt nun bereits zum dritten Mal ihre Zusammenarbeit mit dem Autor und Musiker PeterLicht fort und bringt Molières köstlich überdrehte Hypochonder-Komödie Der eingebildete Kranke auf die Bühne. Es ist die Angst vor dem Tod, die das Stück antreibt. Dabei wäre alles doch so einfach, wenn man PeterLicht, der den Text für die Moderne angepasst hat, nur vertraut. „Solange man gesund ist, ist man noch nicht tot“, sagt der. Dem leidenden Argan hätte diese Weisheit allerdings auch nicht recht weitergeholfen. Im April geht es übrigens mit einer „Tartuffe“-Neufassung weiter. (Residenztheater, ab 20.12.)

Von der trotzigen Gelassenheit von Albert Camus könnte man sich anstecken lassen. Er zeichnet in Der erste Mensch seine entbehrungsreiche Kindheit nach, die dennoch von Lebensfreude und natürlicher Schönheit geprägt war. Der Schauspieler Joachim Król, bekannt aus Film und Fernsehen, nimmt zusammen mit dem Orchestre du Soleil das Publikum mit zu einem Parforceritt durch Camus‘ Texte sowie seine Begeisterung für das „Abenteuer Bildung“. (Kammerspiele, 2.1.)

Und dann wäre zum Abschluss als echter Seelenbalsam noch eine Entführung aus dem Serail zu empfehlen. Stefan Kastner hat den Mozart-Klassiker zusammen mit dem rührigen Team von Münchens Kleinstem Opernhaus schmissig inszeniert. Die Wiederaufnahme-Premiere, um die Fans und Freunde schon länger gebettelt hatten, ist auch eine Art Leistungsschau des Theaters. (Pasinger Fabrik, ab 21.12.)

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