Highlights

Die Theater-Highlights im Dezember

Wie im Himmel ab 11. Dezember im Metropoltheater

Neue Stücke vom Stammeln, wenn man mal wieder schwer verliebt ist

Schlag auf Schlag neue Sensationen: Andreas Becks neuer Hausregisseur Thom Luz verzaubert die Stadt mit Leonce und Lena. Eigentlich wäre Georg Büchners klassische Verwechslungskomödie ja eine liebenswerte Harmlosigkeit, erzählt sie doch von einer Prinzessin und einem schwer gelangweilten Prinzen aus zwei benachbarten Märchenkönigreichen, die vor einer arrangierten Liebe flüchten und zum Schluss dann doch in den Armen eines vorherbestimmenden Schicksals landen. 

Aber dann ist das Stück eben doch mehr als Shakespeare-Klamauk, sondern schlafwandlerische Sinnsuche. Wohin treiben wir? Warum das Ganze? Welcher Wirklichkeit kann man überhaupt noch trauen? Luz macht aus der Produktion, die schon an Becks alter Wirkungsstätte in Basel entstand, eine schwebende Lustbarkeit, die es in sich hat. (Residenztheater, 7./14.12.)

Von der Zartheit, der Unsicherheit und der Sprachlosigkeit, wenn es um die wirklich wichtigen Dinge zwischen Weiblein und Männlein geht, kann natürlich auch der Abend mit den jungen Theaterakademikern von der August-Everding-Schule berichten. Ein Versuch, sich der Liebe anzunähern geht von der Annahme aus, dass es schier unmöglich ist, richtige Worte fürs Verliebtsein zu finden. Also sucht man bei anderen – und will sich über fremde Texte mitteilen. Kann das gut gehen? Prickelnd wird’s auf jeden Fall. (Akademietheater, 17./18.12.)

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Wer behauptet, viele junge Japaner hätten einen an der Waffel, benutzt zwar nicht das klassische psychosoziologische Fachvokabular, hat im Großen und Ganzen aber doch ein wenig Recht. Die Akteure in Toshiki Okadas neuem Stück The Vacuum Cleaner haben sich die Angelegenheit mit den einfachen Worten „Nicht ich bin sonderbar, die Welt ist es“ zurechtgelegt. Beleuchtet wird darin der radikale Rückzug in eine abgekapselte, keim- und weitgehend sexfreie Privatheit, in der lediglich noch der Staubsauger brummt. (Kammerspiele, 12./15.12.)

Einen anderen Weg, mit sich und der wilden Welt zurechtzukommen, hatte Édouard Louis, der französische Bestseller-Autor, in seinem Debüt „Das Ende von Eddy“ gewählt. Dem jungen Schwulen, der in der engstirnigen Enge der Provinz immer nur angefeindet wurde, blieb nur die Flucht nach vorn – in die Großstadt. Für seinen Folgeroman Wer hat meinen Vater umgebracht, kehrt Louis genau dorthin wieder zurück. In eine Gegend, die von industriellem Niedergang, Gewalt, sozialer Ungerechtigkeit und von gescheiterten Träumen geprägt ist. Und in der sich der grau - sam-hartherzige Erzeuger buchstäblich selbst aufarbeitete. Der Regisseur Philipp Arnold, der im vergangenen Jahr in der „Radikal jung“-Reihe viel Aufmerksamkeit auf sich zog, hat den Text für die Bühne adaptiert. Starker Tobak! (Volkstheater, ab 13.12.)

Kaputte Familienverhältnisse sind dabei ja gar nicht mal eine Besonderheit der Moderne. Schlimmes Durcheinander gab’s schon immer, besonders grausig in der antiken „Orestie“. Regisseurin Angelika Fink stellt mit Electra 2.0 nun die Frage nach Gerechtigkeit, Schuld und Sühne im Kontext der Gegenwart. Sie bezieht das Morden im Haus von König Agamemnon auf Europas jüngste Geschichte und die komplexen Verflechtungen der Jetztzeit. (Pathos, 16./17.12.)

Wie sich wappnen? Vielleicht dadurch, dass man zur Kriegerin wird? Warrior, das Tanz-Solo von und mit Anne-Mareike Hess nimmt das Publikum mit auf einen steinigen Weg. Sie erzählt von einem tanzenden Körper, der gefangen ist im ewigen Kampf mit seinen Emotionen. Das Stück ist einer der Höhepunkte auf dem Side.Kicks-Festival, zu dem auch Luke Murphy und Emi Miyoshi beitragen. (Schwere Reiter, 12. bis 14.12.)

Latente Aggressivität liegt auch über dem Fußballfeld, auf dem zwei Platzwarte die nötigen Linien nachziehen müssen. Was sie vereint: die Angst um ihre Arbeit und mittelbar auch um ihre Menschenwürde. Denn was passiert, wenn der Chef durchdreht? Das Feld von Okko Leo erinnert ein wenig an ein trauriges Beckett-Clownsstück und setzt die „Finnische Reihe“ fort, die mit schwarzem Humor nicht geizt. (Dasvinzenz, ab 12.12.)

Mit der enormen Kraft, die man plötzlich wieder in sich entdecken kann, wenn man seine Bestimmung gefunden hat, spielen Dominik Wilgenbus und Jochen Schölch in ihrer Wie im Himmel-Produktion, die auf dem schwedischen Kino-Überraschungserfolg aus dem Jahr 2005 basiert. Stardirigent Daniel ist eigentlich komplett durch – ausgebrannt. Er zieht sich in sein abgelegenes Heimatdorf zurück, um sich selbst leid zu tun. Doch dann wird eine Aufgabe an ihn herangetragen, die er erst zögerlich annimmt und dann in ihr aufblüht: Dominik übernimmt die Leitung des örtlichen Kirchenchors und bringt den wieder auf Vordermann. (Metropoltheater, ab 11.12.)

Sich selbst von Musik-Magie therapieren lassen: Dafür muss man vielleicht doch noch Kind und Kegel ins Erfolgsmusical Disney Die Schöne und das Biest schleppen. Im vergangenen Jahr war das Gastspiel des Broadway-Märchens in Windeseile ausverkauft, nun kehrt es in einer liebevoll ausgestatteten und bestens besetzten Variante des Budapesters Operettentheaters vorweihnachtlich passend wieder zurück. (Deutsches Theater, ab 18.12.)

Und dann wäre unter den vielen Weihnachtsproduktionen der gute Mash-up zu empfehlen: In Irland kommen bekanntlich keltische sowie römisch-christliche Traditionslinien zusammen. Irish Christmas, angetrieben von Harfenklang, Fiddles und Pipes, wirft die Beine in die Luft. (Prinzregententheater, 16./17.12.)

Autor: Rupert Sommer

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