Highlights

Die Theater-Highlights im August

Dark Field Analysis am 9. August in der Muffathalle

Bewusstseinserweiternde Stoffe gibt es zum Glück nicht nur an den dunklen Ecken der Nacht

Wer bislang um die Tanz-Avantgarde einen schüchternen Bogen gemacht hat, sollte sich jetzt doch noch kopfüber in den Endspurt des Fachkräftetreffens Tanzwerkstatt Europa stürzen. Nur wer hingeht, kann mitreden. Und vor Ort warten teilweise Überraschungen, die man den Abenden von außen eben nicht ansehen kann. 

Beispiel: der Brite Charlie Morrissey. Er spielt in seinem angemessen rätselhaft betitelten Solo What’s not there mit den Wahrnehmungsphänomenen. Es geht darum, was man sieht – und was man eben nicht sieht. Und so spielen sich Ereignisse im Raum ab, denen man wirklich nicht trauen kann. Aber dann hätte man doch gerne gewusst, welche Diät man halten muss, um einfach so lässig über dem Bühnenparkett zu schweben? (Schwere Reiter, 8.8.)

Noch einmal an die gespenstische Mensch-Maschine anstecken lassen kann man sich dann auch noch in der Dark Field Analysis des schwedischen Choreografen Jefta van Dinther. Er schafft neue Organismen, zusammengesetzt aus organischem, menschlichem, animalischen, realen und ätherischem Material. Außerdem sieht man zwei nackte Männer auf einem Teppich – und zwischen ihnen einen rätselhaften Blutstrom. Was will der Abend sagen? Das muss man vor Ort erkunden. (Muffathalle, 9.8.)

Aufklärung gibt’s jedenfalls in Versuchen ganz zum Schluss: Unter dem traditionellen Tanzwerkstatt-Motto Final Lecture präsentieren die Kursteilnehmer und Dozenten ihre Arbeitserinnerungen der vergangenen spannenden Tanz-Tage an der Isar. Und bis in die Morgenstunden wird weitergefeiert. (Muffathalle, 10.8.)

Keine Sorgen über den dramatischen Ausgang des Geschehens muss man sich dagegen bei Dornröschen – Das Musical machen. Ohne zu viel zu verraten: Das Stück geht dann eben doch gut aus! Der Autor Wolfgang Adenberg und der Komponist Marian Laux haben das berühmte Grimm-Märchen vom Königskind, das einfach nicht mehr aufwachen will und dann doch wachgeküsst wird, in einen Augen- und Ohrenschmaus für Romantiker verwandelt. Der Ritter rettet’s - ganz bestimmt. (Deutsches Theater, ab 17.8.)

Ebenfalls auch für ein jüngeres Publikum und erste Theatererfahrungen optimal geeignet ist die komische Oper, der sich Dominik Wilgenbus angenommen hat: Das Gespenst von Canterville, nach der klassischen Erzählung von Oscar Wilde, gilt noch immer als einer der vergnüglichsten Spuks der Literaturgeschichte. Für die etwas erfahreneren Opernfreunde im Publikum: Während die amerikanische Touristen-Familie im Schreckensschloss zu Musik von George Gershwin swingt, betört Hui-Bu, immerhin 300 Jahre älter, die Kenner mit Klängen von Henry Purcell und John Dowland. (Schloss Nymphenburg, Hubertussaal, ab 28.8.)

Vielleicht dann doch eher etwas für den Testosteron-lastigen Teil der Großfamilie – leidenschaftliche weibliche Rasensportfans explizit mit eingeschlossen – dürfte Moritz Eggerts Fußballoratorium Die Tiefe des Raumes werden. In Auftrag gegeben wurde das Werk von der FIFA – zur damaligen Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Große Gefühle kochen hoch, die Fußball-Chöre trällern, Gesangssolisten und Sprecher (darunter der reale Fußball-Reporter Daniel Herzog) geben sich die Bühne frei. Und endlich werden die Stadiongesänge mal als das gewürdigt, was sie für ihre inbrünstigen Hobbymusiker letztlich sind: eben doch ganz hohe Kunst! (Gasteig Philharmonie, 25.8.)

Am Spielfeldrand auf ihre Einwechslung warten dagegen schon sehr lange die beiden Kleinkunst-Großmimen Gerd Lohmeyer und Rüdiger Hacker. Sie spielen in gewisser Weise sich selbst – als altgediente Theaterschauspieler mit gemeinsam über 100-jähriger Bühnenerfahrung. Was bislang fehlte: Sie haben noch keinen Beckett gespielt. Und nun harren sie eben Godots. Zwei alte Mimen warten in der Kantine auf …? ist ein witziger Blick hinter die Kulissen mit platten Kantinenwitzen und progressiven Regie-Utopien. (Metropoltheater, ab 12.8.)

Die Amerikaner haben ihren „Burning Man“, in Freimann muss es das Free Man Festival richten. Für das internationale Größentreffen kommen Stars wie Peter Shub, die Truppe Bellini bam bam und Pepe Arts unter das wunderschöne historische Zeltdach. (Wanda Festival Freimann, 12. bis 18.8.)

Ähnlich sehenswert: die junge Artistik von CircOlymp. Die Creme der weltumspannenden Körperkunst tobt durch die Lüfte. (Lilalu-Festival, 9.8.)

Und als Rausschmeißer bleibt für alle Jungen und Junggebliebenen die schmissige The Love & Peace Revue, die an 50 Jahre Woodstock, die sehr haarigen Hippies und an die Macht der universellen Liebe (in oft garstigen Zeiten) erinnert. (Residenz Brunnenhof, 16.8.)

Autor: Rupert Sommer

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