Highlights

Die Theater-Highlights zum Monatswechsel

Im Weißen Rössl am Starnberger See ab 2. Mai im Hofspielhaus

Ob in der russische Provinz, in Dolomiten-Einsamkeit oder bei Frühlingsgefühlen am See: Man rackert sich ab

Es ist einer der berühmtesten Bühnentexte: Immer wieder wird von der bleiernen Zeit in der Provinz erzählt und den zunehmend verzweifelten „Nach Moskau!“-Ausbruchsversuchen von Masja, Olga und Irina. Sie quält die Angst um die Endlichkeit und die Sorge, dass sich nie etwas ändern wird. 

Gleichzeitig wollen sie das dekadente Luxusleben der vorrevolutionären Ära nicht einfach so aufgeben. Die Regisseurin Susanne Kennedy schlägt einen radikalen Perspektivenwechsel beim Blick auf die Drei Schwestern vor. Sie will die von Anton Tschechow in Lethargie eingesperrten Frauen befreien. Und das mit einem ungewöhnlichen Gedankenexperiment: Was wäre, wenn die Zeit sich wie im Kreis bewegt und wir tatsächlich jeden einzelnen Augenblick des Lebens immer wieder erleben? Kennedy, die an den Kammerspielen bereits mit ihrer Inszenierung „Die Selbstmord-Schwestern“ viel Aufsehen erregt hat, liebt die Momente reiner Kunst und des Erstarrens. (Kammerspiele, ab 27.4.)

Wieder mal raus aus den edlen, vielleicht sogar beengend plüschigen Räumen an der Maximilianstraße zieht es Teile des Ensembles, um am Z Common Ground-Minifestival an der Zschokkestraße teilzunehmen. Dort stellt sich Kinan Hmeidan, Schauspieler der Open-Border-Truppe der Kammerspiele, der Frage, wie der Raum die eigenen Erinnerungen verändert und wie die Erinnerungen die Räume. Der Clou dabei: For The Last Time spielt sich in einem kurz vor dem Abriss stehenden, zerfallenden Gebäude ab. (Z Common Ground, Zschokkestr. 36, ab 2.5.)

Wenige Tage zuvor haben sich der Regisseur Jonny-Bix Bongers und sein Schauspieler Vincent Redetzki den Raum dort angeeignet. Sie bringen mit Werther’s Quest for Love eine sehr zeitgemäße Adaption des berühmten Goethe-Briefromans, der so blutig endet, auf die Bühne. Der in Selbstmitleid zerfließende, leidende junge Mann eröffnet sich der weiten Welt da draußen. Aus dem Briefroman wird ein Live-Stream für soziale Netzwerke. Inklusive aller narzisstischer Insta-Inszenierungswut. Immerhin gilt es, alternative Erzählungen von der Männlichkeit zu versenden. (Z Common Ground, 29.4.)

Vom wirklich lebensbedrohlich brutalen Liebeskummer, dem tränenreichen Leiden und von der durchaus nicht uneitlen Selbstbezogenheit erzählt natürlich auch schon der alte Mythos von Orpheus & Eurydike. Die Geschichte vom Abstieg in die Unterwelt und von der schönen jungen Verblichenen, die brav ihrem Liebhaber hinterherdackeln muss, während der sich bitte nicht umdrehen soll, muss natürlich modernisiert werden. Für die Musiktheater-Fassung, die Regisseurin Waltraud Lehner und ihr Team entwickelt hat, muss es eine Collage mit verschiedenen Spielarten, die jeweils für gut befunden werden, sein. Dafür verpflichtet sie gleich sechs Sängerinnen – und nur einen Sänger. (Reaktorhalle, ab 26.4.)

Mondo Paradiso und Pink and Blue im HochX vom 25. bis 27. Mai

Sputen sollte man sich, wenn man die tollsten Resi-Inszenierungen noch einmal an ihrem angestammten Ort erleben möchte. Bekanntlich muss das Haus unter Noch-Führung des scheidenden Intendanten Martin Kusej wegen dringend anstehender Sanierungsarbeiten früher schließen und steht jetzt „unter Strom“, wie es im Resi heißt. „Es ist für uns natürlich sehr bedauerlich, dass wir in unserer Hauptspielstätte nun schon früher als geplant aufhören müssen“, sagt Kusej. „Aber die Stromanlagen aus den Jahren 1961 bzw. 1962 sind überaltert und entsprechen nicht mehr den aktuellen Sicherheitsstandards.“ Für Shakespeares Macbeth klingelt das Glöckchen. Der Schottenkönig dankt – nicht ganz freiwillig – zum Monatsende ab. (Residenztheater, 29.4.)

Ganz bei sich und damit On the Town ist dagegen das schmissige Leonard-Bernstein-Musical, auf das man sich ab sofort freuen darf. Geschrieben hatte es der damals gerade mal 26-jährige Komponist, 1944 erlebte es seine Uraufführung auf dem Broadway. Das siegreiche Kriegsende war damals schon abzusehen. Also passte der gut gelaunte Grundton der Seemänner-Komödie perfekt. Bernstein feierte jazzige Lebenslust. Und natürlich darf der Welthit „New York, New York“ nicht fehlen. (Gärtnerplatztheater, ab 26.4.)

In der Düsternis gefangen ist da - gegen die antike Damenwelt, die von Klytämnestra und Desdemona, aber auch von der Hitler-Geliebten Eva Braun und der Terroristin Gudrun Ensslin verkörpert wird. Christine Brückner hat mit Wenn du geredet hättest, Desdemona die „ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen“ aufgeschrieben. Auf der Bühne hört man sie immer wieder gern. (Giesinger Bahnhof, 26./27.4.)

Doch schnell wieder zurück in die Abteilung Heiterkeit: Mit der turbulenten Lustspiel-Revue Im Weißen Rössl am Starnberger See setzt das Hofspielhaus-Team den Reigen ambitionierter Eigenproduktionen fort. Im kurzfristig vom Wolfgang- an den Würmsee verlegten Nobelschuppen geht es drunter und drüber. Das Personal zickt, die nervigen Luxusgäste sowieso. Und Liebeleien sowie mehr oder weniger gelungene Kuppelversuche lassen die frühlingsfrohen Herzen höher schlagen. Mei! (Hofspielhaus, ab 2.5.)

Nicht ganz so heiter, aber immerhin ebenfalls im Urlaubsumfeld angesiedelt ist die Handlung von Am Rande der Welt. Darin wird die junge Else, die eigentlich unbeschwerte Tage in den Dolomiten verbringen sollte, per Brief von ihrer Mutter zu etwas Ungeheuerlichem aufgefordert: Sie soll den Familienbankrott abwenden und einen Geschäftsfreund des Vaters um Geld bitten. Doch der verlangt eine Gegenleistung. Arthur Schnitzler, eh klar. (Theater Blaue Maus, 2. bis 4.5.)

Ohne Hintergedanken kann man aufs spannende Hier=Jetzt-Festival gehen. Dahinter verbirgt sich eine offene Plattform für Kurz-Choreografien, Ausschnitte aus brandneuen Produktion und Work-in-Progress-Werkstattberichte. Soll heißen: Man bekommt – für umme! – einen tollen Überblick über die aktuelle Vielfalt in der tanzfreudigen freien Szene der Stadt. (Schwere Reiter, 2. bis 5.5.)

Brisanten Themen hat sich der international vielfach ausgezeichnete Choreograf Gaetano Posterino aus München zugewandt. Für seine Doppelproduktion Mondo Paradiso und Pink and Blue arbeitet er sich an zeitgenössischen Debatten rund um Umweltzerstörungen und die Schrecken des Klimawandels, aber auch an den fließenden Gender-Grenzen ab. Ist es denn vollkommen altmodisch geworden, noch von Männern und Frauen zu sprechen? (HochX, 25. bis 27.4.)

Und für die noch etwas jüngeren Bühnenfreunde empfiehlt sich schließlich das Simon-Musiktheater. Darin geht es um einen Jungen, der eigentlich völlig abgeschottet von der Außenwelt in seinem Zimmer nur noch in digitalen Welten tummelt. Dort lernt er Mia kennen. (Schauburg, ab 3.5.)

Autor: Rupert Sommer

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