Highlights

Die Theater-Highlights zum Monatswechsel

Durchgreifen: Böhm-Gastspiel im Residenztheater

Runter mit den verlogenen Masken! Hochstapler haben erstmal mehr vom Leben. Bis sie dann eben doch wieder entlarvt werden...

Das ist mal schönes Timing im Lawinenwinter: Von Erich Kästner höchstpersönlich stammt die Vorlage für die urige Revue-Operette Drei Männer im Schnee, die RTL-Dauerglotzer auch an die „Undercover Boss“-Reihe erinnern könnte.

Konzernchef Tobler möchte selbst einmal herausfinden, wie man im schmucken Grandhotel Bruckbeuren in den Bergen auf ihn reagieren wird – wenn er verkleidet als armer Schlucker vor der Tür steht. Doch er hat die Rechnung nicht mit seiner Haushälterin gemacht, die das Hotel vor einem anonymen Millionärsbesuch warnt. Weil Durcheinander lustig ist, wird dann doch der umtriebige Herumtreiber Fritz Hagedorn mit dem Boss verwechselt. Doch Hagedorn hat die Reise nur im Preisausschreiben gewonnen. Verwicklungen inklusive Winter- Liebelei bleiben unausweichlich. (Gärtnerplatztheater, ab 31.1.)

Eine tagesaktuelle Übersicht von Theateraufführungen finden Sie hier auf Events.in-muenchen.de

Die höllische Seite der ländlichen Irrungen wird im Neo-Noir-Schocker Begehren durchgespielt: Dort hat sich ein Paar ein schönes kleines Haus zugelegt, das es nun liebevoll zu renovieren gilt. Doch dann klingelt das Telefon – und niemand ist dran. Verdächtig. Und auf der Landstraße steht jeden Tag ein undurchsichtiger Mann, der die Frau beobachtet, wenn sie zum Einkaufen geht. Stets gibt er vor, eine Autopanne zu haben. Super merkwürdig! Erzählt wird von der Unruhe, wenn die Gewissheit eines geregelten Lebensentwurfs zerbröselt. (Marstall, ab 26.1.)

Wie weit muss man gehen, um sich fremd zu werden? Diese Frage stellt sich am selben Ort Azar Mortazavi im Stück Stille Nachbarn. Manchmal reichen nur ein paar Schritte ins gemeinsame Schlafzimmer oder über den Flur, dann wieder kann ein Ozean nicht breit genug sein, um eine enge Verbundenheit abzuschneiden. Hier dringt die große in die kleine Welt ein. Und das geht nicht ohne Schrammen ab. (Marstall, 25./29.1.)

Den Teppich unter den Füßen bekommt man übrigens auch im neuen Teatro Delusio-Gastspiel der zurecht gefeierten Truppe Familie Flötz weggezogen. Die Reise führt hier in die Theaterwelt – in eine ziemlich unheimliche, bevölkert von Personal mit beklemmend lebendig wirkenden Masken. Angesiedelt ist das Stück in einer Zwischenwelt – im engen Übergang zwischen Bühne und Hinterbühne, zwischen Illusion und Desillusion. Vom turbulenten Geschehen draußen sind die Kulissenschieber nur durch spärliche Aufbauten getrennt. Die Sehnsucht ist groß. (Prinzregententheater, 5./6.2.)

Ein finsterer Maskentanz wird das Böhm-Gastspiel aus Graz, in der Regisseur Nikolaus Habjan an einem Denkmal kratzt: Karl Böhm war bekanntlich einer der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Er war aber auch ein schwieriger Mann, einer der sich allzu schnell mit den Mächtigen gemein machte. Wegen seiner allzu großen Nähe zum Nazi-Regime, dem er sich zuvor regelrecht angedient hatte, entfernten ihn die alliierten Besatzungsmächte kurz nach Kriegsende von seinem Posten als Direktor der Wiener Staatsoper. (Residenztheater, 4./5.2.)

Buddy Holly, an dessen musi - kalischer und gesamtkünstlerischer Strahlkraft kein Zweifel bestand, ist ebenfalls ein Mann, dessen Ende sehr finster blieb: Auf dem Weg zu ihrem nächsten Auftritt kamen im Februar 1959 Holly, Ritchie Valens und The Big Bopper bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Nun verneigt sich der Münchner Musiker Chris Aron mit seiner Band The Croakers vor der Legende – im Tribute to Buddy Holly. (Deutsches Theater, 3.2.)

Wo wird schon bei den Ehrerbietungen sind: Natürlich kann man dann auch die Konzertshow ABBA Gold mitnehmen, die nicht nur glamouröse Welthits präsentiert, sondern mindestens auch einen neuen Schwedenkracher. (Gasteig Carl-Orff-Saal, 6.2.)

Aufmerksam hinhören sollte man auch in der originellen Schauspiel- Interaktion-Klang-Performance Record play stop rewind, in deren Zentrum eine „Tonträgerin“ steht. Sie will in der Bewegung eines Tonbands oder einer Platte die gespeicherte Zeit hörbar machen. Ohrmuscheln auf! (Einstein Kultur, 6./7./8.2.)

Die eigene Geschichte hat der ehemalige Otto-Falckenberg-Schüler Joachim Meyerhoff in seinen autobiografischen Schauspielerromanen, die er durch umjubelte Lesereihen vor - stellte, erlebbar gemacht. Regisseur Gil Mehmert bringt mit Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke seine teilweise haarsträubend komischen München-Erinnerungen auf die Bühne. Meyerhoff lebte damals bei seinen Großeltern in einer dekadenten Edelsäufervilla in Nymphenburg und ließ seinen eher sperrigen Körper auf Entspannungsübungen, aufs Fechten, auf die Liebe und all die anderen Herausforderungen einer Theaterausbildung ein. Großartig! (Metropoltheater, ab 31.1.)

Gleich mehrere Lebensgeschichten bekommt man vom Theater Apropos vorgesetzt: Ich bin anders bringt prägende Momentaufnahmen aus den Erinnerungen der Mitglieder des Ensembles zur Aufführung. Etwa den nächtlichen Kampf gegen die Angst, den man als kleines Kind nur mit Frittatensuppe angehen konnte. Oder über die Erlebnisse zweier Clowns, die doch einst tatsächlich beschlossen, sich in die Welt der Ökonomie zu wagen. Über die Tücken des Andersseins darf gelacht werden. (TamS, ab 25.1.)

Nichts zu lachen hat schließlich der antike Halbgott Herakles, der zwischen allen Stühlen sitzt und der sich wegen seiner illegitimen Geburt den lebenslangen Hass von Göttergattin Hera zugezogen hat. Er ist der Mann fürs Grobe, fürs Kämpfen, für die harten Prüfungen. Und er ist dazu verdammt, weiter zu ackern – über die Grenzen der bekannten Welt sowie natürlich seine eigenen hinaus. Ein Spektakel! (Volkstheater, ab 7.2.)

Autor: Rupert Sommer

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