Highlights

Die Theater-Highlights im Januar

Funkenmariechen: Blue Man Group im Deutschen Theater

Farbfeuerwerk zum neuen Bühnenjahr... Welche Bilder macht sich die Welt von uns? Und wie bleibt man Regisseur im großen Selfie-Theater?

Huch, schon wieder hohe Literatur im Haus von Matthias Lilienthal? Diesmal geht es an des Pudels Kern und zu dem, was „die Welt im Innersten zusammenhält“. Kenner ahnen schon: Nun wird Goethe höchstpersönlich durch die Mangel gedreht.

Regisseurin Leonie Böhm bekennt für ihre Yung Faust-Produktion stolz: „Ich bin Faust“. Zusammen mit den Schauspielern Annette Paulmann, Julia Riedler und Benjamin Radjaipour will sie die „echten Gefühle“ im alten Reclam-Text freilegen – unterstützt durch Cloudrapper. Echte Zitate, echte Begegnungen soll es geben. Getreu der Devise: „Mein Busen fängt mir an zu brennen.“ Nun denn, frisch ans Werk! (Kammerspiele, ab 23.1.)

Eine tagesaktuelle Übersicht von Theateraufführungen finden Sie hier auf Events.in-muenchen.de

Nur einen Tag später wird’s am selben Ort hochpolitisch: Ersan Mondtag greift auf das ohnehin schon brisante Wiener Jahrhundertwendestück „Professor Bernhardi“ von Arthur Schnitzler zurück, um in der aktualisierten Fassung Doktor Alici der Frage nachzujagen, wo heutzutage, die Konfliktfrontlinien zwischen Ethik und Politik verlaufen. Dafür wandelt sich das Schnitzlersche Krankenhaus zum Polizeipräsidium. Der Titelheld wird zur Frau, das Judentum zum Islam. Schauplatz: Bayern 2023, zwei Monate vor der mit Spannung erwarteten Landtagswahl. (Kammerspiele, ab 24.1.)

Vergleichsweise entrückt wirkt da der Literaturausflug von Alvis Hermanis, der mal wieder Anton Tschechows Möwe füttert. Lange Gespräche über Literarisches, schwere private Schicksalsschläge und immer wieder der schweifende Blick über die russische Provinz-Seen-Landschaft. 1996, kurz bevor er die künstlerische Leitung des „Neuen Theaters Riga“ übernahm, wo er noch immer arbeitet, inszenierte Hermanis den Klassiker aus Sicht junger Menschen, die sich einen Spaß über die Sorgen und Nöte der Alten machten. Mit seiner Wieder-Lektüre 22 Jahre später hat sich die Perspektive entsprechend verschoben. (Cuvilliéstheater, ab 19.1.)

Schauplatzwechsel: Frankreich, noch vor dem Aufmarsch der Gelbwesten. Und trotzdem tönt es unisono: „Ach, es geschehen keine Wunder mehr!“. So jedenfalls will es Friedrich Schiller aufgeschnappt haben. Engländer haben im Hundertjährigen Krieg fast das ganze Land verwüstet. Und sie stehen kurz vor dem Sieg. Allerdings: Es gibt ja noch die junge Bauerntochter, die Hoffnung verbreitet. Johanna von Orleans, einst Pflichtlektüre im Schul-Kanon, nun wieder auf dem Off-Spielplan. (Festspielhaus, ab 18.1.)

Ein Abend zum Eingeschneitwerden: Eigentlich wollte Hans Castorp, aus Hamburg kommend und in der Schweizer Bergwelt arg fremdelnd, ja nur für drei Wochen im Sanatorium seine Tuberkulose auskurieren. Dann wurden doch sieben Jahren auf dem Zauberberg daraus. Regisseur Andreas Wiedermann hat die überbordende Thomas-Mann-Schwarte bühnentauglich gemacht. (Teamtheater Tankstelle, ab 17.1.)

Feinste Ballett-Tradition: Schwanensee in der Philharmonie

Wenn schon frieren, dann natürlich richtig schön: Das Bolschoi Staatsballett Belarus schickt mal wieder den Vogel aufs Eis. Die opulent inszenierte Schwanensee-Großproduktion ist dabei ein echtes Wunder für Ballett-Traditionalisten, ist das von der UNESCO mit dem Weltkulturerbe-Prädikate geadelte Haus doch stolz darauf, die reinste Traditionslinie zu vertreten. Die schnürt sich im Geiste der legendären Choreografen Marius Petipa, Lew Iwanow und Alexander Gorsky die Puschen. Ein Augenschmaus! (Gasteig Philharmonie, 19.1.)

Ganz anders der bewusste Kulturkontakt bei der furiosen Der Nussknacker-Neuinterpretation nach Tschaikowsky. Hier trifft klassisches Ballett auf Hip- Hop und Breakdance. (Gasteig Carl-Orff-Saal, 24.1.)

Ohne Tanz, dafür mit den schönen heimischen Stimmen von Heinz- Josef Braun und Stefan Murr kommt dieser Familientipp daher: Die wunderschöne Winterlesung Das bayerische Schneewittchen lässt zwei Schauspieler in alle Rollen schlüpfen. (Marstall, 20./28.1.)

Eigentlich täuscht die weltberühmte Blue Man Group ja mit ihrem Namen darüber hinweg, dass es noch so viel mehr in ihrer fantastischen Wintershow zu bestaunen gibt. „So bunt wie das Leben“, soll die neue Darbietung werden. Und das kann man der Truppe, die weltweit die Massen aus den Sesseln katapultiert, getrost glauben. Freunde von Farb-Spuckkunst, Wasserwirbel-Getrommel und zielsicheren Marshmallow-Würfe kommen hier voll auf ihre Kosten. (Deutsches Theater, ab 16.1.)

Wer wird denn gleich blau anlaufen? Es ist bekanntlich nicht leicht, sich als junger Mensch in der verlogenen Glitzerwelt von Reklametafeln, von YouTube, Instagram und Snapchat attraktiv zu behaupten. Die 15 Jugendliche der neuen BodyBILD!- Ensembleproduktion haben es trotzdem versucht – mit angemessener Medienkritik. Die 15 Influencer auf der Bühne haben die totale Macht über die Stories, die sie präsentieren. Herauszufinden gilt nur, was davon fake und was real ist. (Schauburg, ab 12.1.)

Doch der Selbstdarstellungswahn hört natürlich auch im Alter nicht auf. Davon weiß die Produktion Cap Escape Plaisance Club zu berichten. Dahinter verbirgt sich ein ironisch-zeitkritisches Stück über ein etwas betagtes Künstlerpaar, das sich an der Côte d’Azur als stilbildende Tanzteufel neu erfinden möchte. (Schwere Reiter, 22./23.1.)

Und dann wären da noch die vier Bennet-Schwestern Jane, Lizzie, Mary und Lydia, die schnell noch eben ihren Platz in der Welt (und einen Gatten) finden wollen. Tabea Hopmans und Jessica McGarry holen den Klassiker Pride and Prejudice aus der verzopften Jane-Austen-Zeit in die Gegenwart. (Pepper Theater, auf Englisch, ab 16.1.)

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