Highlights

Die Theater-Highlights zum Jahreswechsel

Verkehrte Welt: Alice im Wunderland im Residenztheater

Abtauchen ins Winterwunderland - Alles Schmarrn, oder was? Es muss nicht immer besinnlich zugehen, wenn Gefühle im Spiel sind

Wer kennt sie nicht, die leidigen Familienfeste, wo man froh wäre, plötzlich ein Kaninchenloch zu finden, durch das man mal eben schnell verschwinden könnte? Statt Glühwein unterm Baum gäbe es dann psychedelische Überraschungen auf der anderen Seite des großen Schwammerls. Und statt mit dem Opa mit seinen Kriegserinnerungen könnte man sich gleich mal mit der Herzkönigin anlegen, die ähnlich autoritär regiert und Widerrede nicht duldet. Katzen verschwinden in dieser Welt lächelnd, und Kartenspiele gestalten sich wirklich nicht langweilig. Alice im Wunderland, die gefeierte Inszenierung von Christina Rast, kehrt zum Fest der Feste zurück. Familienvorstellung für Familienfestflüchtige. (Residenztheater, 26.12./1.1.)

Für den direkten Vergleich lohnt die Wiederaufführung von Alice nach Lewis Carroll, aber neu interpretiert von Robert Wilson, Tom Waits und Kathleen Brennan. Damit rundet sich mal wieder die Waits-Trilogie, die in München-Freimann mit „The Black Rider“ 1998 anfing und 2010 mit der „Woyzeck“-Bearbeitung weiterging. Nun kehren Alice, das Karnickel, die Grinsekatze und die Pappkameraden zurück. (Metropoltheater, ab 29.12.)

Wiedersehen macht dann natürlich auch Freude mit Guiseppe Verdis Luisa Miller in Münchens Kleinstem Opernhaus. Angelehnt ist die Handlung an das bürgerliche Trauerspiel „Kabale und Liebe“ und erzählt vom Heiratsfuror zweier junger Liebenden über die Standesgrenzen hinweg. Und der Höfling Wurm intrigiert. Regisseur Marcus Everding hat daraus ein einfallsreiches, biedermeierliches Kammerspiel gemacht, das mit einem Zehn-Köpfe-Orchester und vor allem großartigen Sängern reichlich Schmackes entwickelt, wie der Kenner sagt. (Pasinger Fabrik, ab 21.12.)

Klassiker dürfen in der schampusseligen Zeit natürlich auch nicht fehlen. Die schönste Katervorbereitung ist dabei das Dinner for One mit dem legendären Süffel-Butler, gespielt von Richard Clodfelter aus New York. Den weltberühmten Silvestersketch in englischer Sprache kombiniert die American Drama Group Europa mit dem Morning-After-Spaß Breakfast for Three. Sláinte! (Gasteig Kleiner Konzertsaal, 31.12.)

 Wenn’s schon funkeln und zischen soll, dann kann man natürlich in der Meisterklasse von Magic den „Zauber der Illusion“ abgreifen. Soll heißen: Für das Festtagsprogramm im schönen Theaterhaus versammelt sich die Crème de la Crème der Kaninchen-Entführer und Jungfrauenzersäger. (Prinzregententheater, ab 30.12.)

Richtig neu ist dagegen das Tanzstück The Very Moment, mit dem die Münchner Choreografin Anna Konjetzky ihre Fangemeinde (und weitere Aufgeschlossene) ins Staunen versetzt. Sie hat sich von einschlägigen YouTube-Videos – angefangen beim torkelnden Betrunkenen und hin bis zum völlig entkräfteten Marathon - läufer – inspirieren lassen, um über den „fragilen und ineffizienten Körper“ nachzudenken. Auch das passt natürlich irgendwie zur Zeit des großen Fressens. (Kammerspiele, 20./21.2.)

Angedüstert ist die Am Ende beginnt-Premiere im Theaterstück von Peter Wintersteller. Am Sterbebett ihres kranken Vaters treffen dabei mit Stefanie und Stefan Geschwister aufeinander, die sich lange nicht gesehen haben. Was mit Smalltalk beginnt, landet schnell bei alten Verletzungen. Aber dann muss aber doch noch Festtagsfriede einkehren. (Pasinger Fabrik, 27.12. und 3./4./5.1.)

Als musikalisches Weihnachtsmärchen hat die Gruppe Concierto München die Gebrüder-Grimm-Geschichte aufbereitet: Dornröschen erzählt von der fest entschlummerten Königstochter, die nur endlich wachgeküsst werden möchte – zu Klängen von Tschaikowski. (Allerheiligen Hofkirche, 29.12.)

Richtig schön stimmungsvoll feiern, ohne gleich wieder in Bethlehems Stall ausmisten oder Bäume anzünden zu müssen, kann man bei der altbayerischen Weihnachtsfeier Ein Stern ist aufgegangen, für die Intendant Christian Stückl seine guten Oberland-Kontakte spielen lässt. Die Riederinger Hirtabuam, Kinder aus Oberammergau und eine Ziege erzählen singend und spielend zusammen mit der Kirchleiten Saitenmusik und den Riederinger Bläsern die Weihnachtsgeschichte, wie sie sich vor 2000 Jahren im bayrischen Judäa zugetragen hat. Genau damals, als mal wieder eine gefürchtete Volkszählung drohte. (Volkstheater, 21./22.12.)

In Profihände hat man mit dem Grand Ballet Classique de Paris zwei wunderschöne Märchenstücke gegeben, die derzeit saisonale Hochkonjunktur haben. Zunächst geht’s um die unerreichbare Schwanensee-Liebe (Gasteig Carl-Orff-Saal, 27.12./4.1.).

Einen Tag darauf feiert Der Nussknacker seine Premiere und erweckt magisches Leben in der Familienküche. (Carl-Orff-Saal, 28./29.12. und 5.1.)

Für die hochkulturelle Erstbegegnung gerade der Jüngeren empfiehlt sich schließlich natürlich auch noch das alljährliche Musikprojekt von Sarré: Die Zauberflöte für Familien bringt den Mozart-Klassiker mit über 60 Sängern als farbenfrohes, mitreißendes Spektakel auf die Bühne. (Alte Kongresshalle, 21. bis 23.12.)

Und auch wenn er Kaiserschmarrn zu den Feste-Spachteln-Familien-Abenden den vielen Gänsen, Rehrücken und Karpfen nicht ganz den Rang ablaufen kann, empfiehlt sich zu guter Letzt auch ein Besuch in der charmanten Wiener Jahresausklangsrevue. Juliane Hiener und Christian Auer schlüpfen für ihre sehr freie, gerne auch mal freche Interpretation der „Schicksalsjahre eines Kaiserpaares“ nicht nur ins Sissi- Ballkleid und die fesche Uniform, sondern insgesamt in allerlei Rollen - von Hofschranzen bis hin zu den Stimmlein aus dem Volk. (Künstlerhaus, 31.12.)

Autor: Rupert Sommer

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