Highlights

Die Theater-Highlights zum Monatswechsel

Vielschichtig: Shifting Perspective in der Muffathalle

Reif für die wilde Insel - Was passiert, wenn alle Regeln des bürgerlichen Miteinanders außer Kraft gesetzt werden?

Es ist einer der Ur-Mythen der Literaturgeschichte. Und jetzt nutzt sie auch Regisseur Philippe Quesne, von dem auch das Konzept und das Bühnenbild stammt, für eine tiefschürfende, deftige Reflexion über die Ursprünge der Sprache, der Bilder und – natürlich – des Theaters.

Die Ausgangslage von Crash Park – Das Leben einer Insel ist schnell erzählt: Nach einem Flugzeugcrash versammeln sich die wenigen Überlebenden auf einem kargen Eiland, das nur von wenigen Klischee-Palmen und noch weniger Tierarten bevölkert ist. Anfänglich bleibt alles kurz friedlich. Doch natürlich schlägt die Stimmung um. (Kammerspiele, 27./28.2.)

Vielleicht passt dazu – nicht nur vom Titel her gedacht – auch gleich das Finita-Musiktheater, mit dem die Theaterakademie August Everding mal wieder außerhäusig ist. Sie stellt Menschen vor, die das Tanzen erst entdecken müssen. Wenig später ziehen sie schon in einer großen, sinnlichen Prozession durch brasilianische Wüstenlandschaften. Profanes und Heiliges duelliert sich. Rituale ufern aus, Kannibalismus droht. Und das Ganze spielt im Karneval. (Reaktorhalle, 22./23.2.)

Mit den Fragen nach der Zukunft des Schauens, dem Publikum von morgen und der Theaterwahrnehmung im Strudel der schnellen digitalen Bilder beschäftigt sich Diego Tortelli in seiner Shifting Perspective-Choreografie. Klar, viele Dinge kann, ja muss man aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Hier wird die Wahrnehmung als solche hinterfragt. Dazu gibt es eine wuchtige Soundinstallation von Francesco Sacco, der jedem Besucher sein eigenes Universum kreiert. Ist doch mal was. (Muffathalle, 28.2./1.3.)

Mit der eigenen Gemachtheit und den Grenzen von herkömmlicher Sprache spielt dann auch Die Hauptsache – nach Nikolai Evreinov. Es geht ums permanente Missverstehen und die komischen Verwicklungen, die sich daraus ergeben. Nach und nach klärt sich das Bild: Regisseur Jeffrey Döring hat für das Stück das Deutsche Gehörlosentheater nach München geholt und die Truppe um fünf hörende Kollegen ergänzt. Gebärden- und Lautsprache stehen gleichberechtigt im Raum. Und die Verwirrung macht Spaß. (Gasteig Carl-Orff-Saal, 2.3.)

Mit der Theatersituation – und das ganz pragmatisch – beschäftigt sich schließlich auch das tragische Lustspiel Hamlet sucht Arbeit von und mit Sebastian Knözinger. Darin ist nicht nur im Staate Dänemark etwas faul. Sondern auch in der Künstlervermittlung im Münchner Arbeitsamt. Wie könnte es sonst angehen, dass Lars, die Idealbesetzung für die wichtigste Shakespeare- Rolle, nicht auf den großen Bühnen der Welt steht, sondern schon wieder trostlos mit seiner viel zu hohen Nummer im Wartebereich vor sich hingammelt? (Heppel & Ettlich, 21./22.2. und 14./15.3.)

Von den Weltbühnen nicht mehr wegzudenken ist dagegen Das Phantom der Oper. Die immer wieder fesselnde Schauerstory vom Mann mit der weißen Maske, der in den Gewölben des Pariser Opernhauses lebt, kommt in der Fassung von Paul Wilhelm (Text) und Arndt Gerber (Musik) mal wieder zu Gehör. Große Oper, äh – Musical! (Gasteig Carl-Orff-Saal, 22./23.2.)

Gleich mehrere klassische Musicals in einem Aufwasch – und zwar von der „Rocky Horror Show“ über „Mamma Mia“, „Der König der Löwen“ oder „Der Tanz der Vampire“ kann man auf einem Ticket lösen. Die Nacht der Musicals macht’s möglich. (Herkulessaal, 21.2.)

Zurück nochmal zu William Shakespeare: Tatsächlich einen Macbeth-Darsteller gefunden hat die moderne Musiktheaterproduktion gleichen Namens. Hier wird die blutige Tragödienhandlung ins Jahr 1914 verlegt und mit den Schrecken des Ersten Weltkriegs verschränkt. (Pasinger Fabrik, 25. bis 27.2.)

Vom Kanon des immer wieder Durchgekauten möchte sich die Performance- Produktion Past Forward – Eine politische Seance dagegen ganz explizit lösen. Back the Future? Von wegen! Das Berliner Theater - kollektiv EGfKA wünscht sich dorthin zurück, wo es nach vorne geht. Doch wo war das noch mal ganz genau? Durchgehechelt werden die großen Umbrüche – von den Bauernkriegen über die Revolution auf Haiti bis hin zu den Utopien von heute und morgen. Es bleibt die aus dem Kinderfernsehen bekannt Frage: Was ist Zeit? (Pathos, 1./2.3.)

Ähnlich revolutionär der Drang nach Westen: Endstation Freiheit erzählt eine packende Fluchtgeschichte aus der untergegangenen DDR und wirft die immer noch bange Frage auf: Ist man wirklich bereit, alles zu riskieren? Regisseur Axel Schwarz setzt die Geschichte eines mutigen Lokführers „von drüben“ in Szene. (forum 2, 22.2.)

Beklemmend ist das Schicksal von Nick Yarris, der über zwei Jahrzehnte unschuldig im Todestrakt saß. Fear of 13 erzählt eine Geschichte von einem Mann, der zu 105 Jahren Haft verurteilte worden war. Wegen Mord und Vergewaltigung. Und das an einer Frau, der er nie begegnet war. (Pasinger Fabrik, ab 23.2.)

Bleiben wir doch konkret: Traumata fürs Leben kann hier schon mal ein Zentimeter zu viel auslösen. Wie kann Wasserstoff noch das Selbstwertegefühl retten? Warum weiß der Figaro von um die Ecke mal wieder mehr als der eigene Ehemann? Martina Koppelstetter, Michael Watzinger und Ruth Geiersberger klemmen sich für Zimmerspiele  unter die Trockenhaube und singen und trällern bzw. zithern (Watzinger). All das am kongenialen Aufführungsort. (Friseursalon David Fechner, Wendelsteinstr. 11, 22. bis 24.2.)

Bleibt zum Abschluss noch eine toller Figurentheater-Tipp: Frei nach dem „besten Buch der Welt“ – davon ist zumindest das Stuttgarter Ensemble Materialtheater fest überzeugt – kommt hier der Don Quijote noch einmal zu seinem Recht. In einer Zeit, die heiß dreht, und in einer Welt, die aus den Fugen springt, darf man endlich wieder auf einen liebenswerten Narren vertrauen. (Münchner Stadtmuseum, 23.2.)

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